Es ist ein sonniger Nachmittag: Das Training ist beendet. Leonie Moll, Landesmeisterin im Spring- und Dressurreiten, führt ihr Pferd zurück in seine Box. Davor wird der Wallach kurz abgeduscht und bekommt ein Leckerli.

Leonie Moll zusammen mit Equidiamonds Bright Bellini während des Trainings. Der Reiterhof ihrer Eltern bietet die idealen Bedingungen dafür.
Leonie Moll zusammen mit Equidiamonds Bright Bellini während des Trainings. Der Reiterhof ihrer Eltern bietet die idealen Bedingungen dafür. | Bild: Singler, Julian

Pferde spielten im Leben von Leonie Moll schon immer eine bedeutende Rolle. Die 17-jährige Schülerin ist auf dem Reiterhof ihrer Eltern in Jettweiler aufgewachsen. „Ich bin mit den Tieren groß geworden. Mit vier Jahren habe ich mein erstes Pony bekommen“, erinnert sie sich. Seit jeher also hat Leonie mit den großen Tieren zu tun. „Neben dem Reiten gehören auch Dinge wie Stallarbeit dazu“, sagt sie deshalb mit einer Selbstverständlichkeit.

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Was für viele eine Freizeitaktivität ist, macht Leonie professionell. Sie betreibt Reitsport und ist im Spring- und Dressurreiten erfolgreich. Ihrer Altersklasse ist Leonie dabei weit voraus. Erst im Juli dieses Jahres wurde die 17-Jährige baden-württembergische Meisterin in der Dressur der Junioren. Zusätzlich qualifizierte sie sich für die Deutschen Meisterschaften, die vom 12. bis 15. September im rheinland-pfälzischen Zeiskam stattfinden. „Da lasse ich mich mal überraschen. Ein Platz im Mittelfeld wäre ganz gut“, blickt sie auf ihren bislang größten Karriere-Höhepunkt voraus. „Das Wichtigste ist allerdings ohnehin, dass die Pferde und alle drumherum gesund bleiben.“

Erfolgreiches Gespann

Ihr Zuhause, der Reiterhof in Jettweiler, ist gleichzeitig auch Leonies Trainingsort. Gemeinsam mit Trainerin Nicole Strammer bereitet sie sich dort auf Wettkämpfe vor und übt internationale Aufgaben (FEI). Viereinhalb Jahre arbeiten die beiden mittlerweile zusammen. „Ich habe Leonie damals eher zufällig mit ihren Ponys übernommen“, erzählt Strammer. Sie ergänzt: „Das hat schnell gefruchtet und Leonie hat schnell viel gelernt. Durch die Erfolge qualifizierte sie sich für den Landeskader.“

„Fast schon militante Tierschützer stören sich schon an einem Sporn oder an einer Kandare im Maul des Pferdes.“ Nicole Strammer, Trainerin von Leonie
„Fast schon militante Tierschützer stören sich schon an einem Sporn oder an einer Kandare im Maul des Pferdes.“ Nicole Strammer, Trainerin von Leonie | Bild: Singler, Julian

Eine entscheidende Rolle bei dieser Entwicklung spielen auch die Eltern der talentierten Reiterin. „Mein Mann und ich müssen zu Hundertprozent hinter der Sache stehen, da der Reitsport kein billiger Sport ist“, erklärt Mutter Linda Moll. Wenn zumindest ein Elternteil selbst reite, sei das durchaus von Vorteil. Außerdem kommt bei den Molls hinzu, dass sie einen eigenen Reiterhof haben. „Wenn du zum Beispiel nur einmal pro Woche die Möglichkeit hast, in den Unterricht zu gehen, hast du im Prinzip keine Chance“, so die Mutter von Leonie.

„Mein Mann und ich müssen zu Hundertprozent hinter der Sache stehen, da der Reitsport kein billiger Sport ist.“ Linda Moll, Mutter von Leonie
„Mein Mann und ich müssen zu Hundertprozent hinter der Sache stehen, da der Reitsport kein billiger Sport ist.“ Linda Moll, Mutter von Leonie | Bild: Singler, Julian

Ein Lieblingspferd hat Leonie Moll nicht, wie sie verrät. Die talentierte 17-Jährige reitet auf dem 14-jährigen Hannoveraner Harry Potter und dem Nachwuchspferd Equidiamonds Bright Bellini. „Beide sind unterschiedlich und auf beiden macht es Spaß. Harry ist fauler, er macht aber trotzdem sein Zeug“, sagt Leonie mit einem Schmunzeln. Mutter Linda Moll ergänzt: „Bellini ist so ein bisschen der Klassenclown und macht öfter mal Quatsch.“

Wallach Harry Potter schaut aus seiner Box heraus.
Wallach Harry Potter schaut aus seiner Box heraus. | Bild: Singler, Julian

Beim Training mit den tierischen Begleitern kommt es auf mehrere Faktoren an. „Letztendlich muss man das Pferd bei Laune halten“, sagt Nicole Strammer. Damit meint die Trainerin, dass auf die Gesundheit der Tiere geachtet werden muss und sie auch den Spaß nicht verlieren dürfen. Abwechslungsreiche Einheiten, in der die Tiere auch mal entspannen, seien ihr zufolge wichtig. „Es darf nicht jeden Tag das volle Programm abgespult werden“, so Strammer. Zu den Aufgaben der Trainerin zählt unter anderem, gemeinsam mit Leonie die Turnierplanung zu machen. Wo die 17-Jährige wann welches Turnier und bei welchen Prüfungen reitet, klären Trainerin und Sportlerin miteinander ab.

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Neben Volkssportarten wie Fußball nimmt der Reitsport oft nur eine Nebenrolle ein. Im Normalfall rücken die Wettkämpfe lediglich bei den Olympischen Spielen in den Fokus der Medien. Nicole Strammer findet das schade. „Das ist ein Problem. Fast schon militante Tierschützer stören sich schon an einem Sporn oder an einer Kandare im Maul des Pferdes. Wenn man aber weiß, wie man damit umgehen muss, ist das nicht schlimm“, erklärt sie. Linda Moll fügt hinzu: „Sicher gibt es auch im Turniersport schwarze Schafe, aber professionelles Reiten ist ein Unterschied zum Freizeitreiten.“

Profisport birgt Risiken

Im Jahr 2021 macht Leonie Moll Abitur. Neben der Schule und dem Reiten bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge. „Meine Tage sind meistens eng durchgetaktet. Abends treffe ich mich manchmal mit Freunden. Wenn man seine Zeit gut plant, dann geht das“, erzählt die 17-Jährige, die den Reitsport später als Hobby neben dem Beruf weiterführen möchte. Nicole Strammer hält es ohnehin für riskant, als finanzielle Einkommensquelle voll und ganz auf das Reiten zu setzen. Die Trainerin von Leonie sagt: „Wenn ich eine Tochter hätte, die den Wunsch äußert, beruflich zu reiten, würde ich es nicht empfehlen.“ So etwas könne aber nahe liegen, wenn eine Familie einen Reiterhof betreibe.

Nachwuchspferd Bellini ist ein bisschen wie der Klassenclown, sagt Linda Moll.
Nachwuchspferd Bellini ist ein bisschen wie der Klassenclown, sagt Linda Moll. | Bild: Singler, Julian