Eigentlich hätte man am Aschermittwoch beim Fasnetvugrabe praktisch wie jedes Jahr auf die Fasnacht zurückblicken können. Die Veranstaltungen lockten viele Menschen in die Stadt, es blieb friedlich, größtenteils war das Wetter frühlingshaft und es gab viele farbenfrohe Bilder auf Straßen und in Sälen. Aber so ganz wie immer lief diese Fasnacht dann doch nicht. Wolfgang Reuther, selbst ehemals Narrenrichter, hatte seinen ersten Auftritt als Kläger. Und die Beklagte, CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, wurde zum Ziel von bundesweiter Empörung wegen eines Witzes, in dem Toiletten für das dritte Geschlecht eine Rolle spielten.

Reuther hatte bei seinem ersten Auftritt in der neuen Rolle kräftig zugelangt. Da wurden als Belege dafür, dass die Wölfin AKK zugeschlagen habe, Stuhlproben beigebracht – die laut Narrenrichter Jürgen Koterzyna aus Blumenerde bestanden. Und eine von Reuther vermutete Unterjochung Deutschlands durch die saarländische Leidkultur (kein Schreibfehler) bezeichnete er unter Bezug auf die saarländische Küche als „Operation Kotzbrocken“. Beim Publikum in der Jahnhalle war die Klage ein Riesenerfolg, doch nicht jedem gefiel der Tonfall.

Kläger will keinen stilbildenden Maulkorb

Reuther begründete die harte Gangart gegenüber der Vorsitzenden der Partei, für die er im Gemeinderat sitzt, auf Anfrage so: „Ich musste sie besonders hart anpacken, sonst wäre mir vorgeworfen worden, ich hätte meine Parteichefin zu sehr geschont.“ Zum Tonfall der Klage sagte Reuther, man solle sich vor Augen halten, dass die Fasnacht von der Straße komme: „Da ging es mitunter sehr viel derber zu.“

Einen stilbildenden Maulkorb möchte er sich jedenfalls nicht umbinden lassen, und die Rolle des Klägers sei nun einmal nicht, die Beklagten in Watte zu packen, so Reuther. Doch auch wenn die Klage für den Einzelfall vorbereitet werde: Beim nächsten Mal werde er das wohl nicht so hochschlagen, sagt Reuther nun.

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Dass die deftige Wortwahl in der Verhandlung einen Imageschaden nach sich ziehen könnte, sehe er definitiv nicht, so Narrenrichter Koterzyna auf Anfrage. Schließlich hätten auch viele im Publikum gehofft, dass es in Reuthers Klage zur Sache gehen würde. Man müsse auch Erwartungen befriedigen, so Koterzyna, eine gewisse Derbheit dürfe sein – auch wenn das natürlich Geschmackssache sei. Und er gibt zu bedenken, dass die Narren bei den Proben die Reden nur auf Papier sehen. Auf der Bühne könne es deftiger wirken, als man es sich zuvor ausgemalt habe.

Annegret Kramp-Karrenbauer verteidigt sich

Nachdenklich stimmt ihn eher die Kritik, der sich Annegret Kramp-Karrenbauer seit dem Wochenende ausgesetzt sah. Ein Witz aus ihrer Verteidigungsrede, in dem auch Toiletten für Angehörige des dritten Geschlechts eine Rolle spielten, hatte für heftige Empörung gesorgt, auch wenn dieser Witz eher männliche Toilettengewohnheiten aufs Korn nahm als Menschen, die ihre Geschlechtszugehörigkeit mit divers angeben würden.

Narrenbüttel Matthias Stolp führt den Trauerzug an.
Narrenbüttel Matthias Stolp führt den Trauerzug an. | Bild: Freißmann, Stephan

Verständnis für die Empörung hörte man unter Stockacher Fasnachtern nicht – übrigens genauso wenig wie von AKK selbst, die sich beim politischen Aschermittwoch der CDU in Mecklenburg-Vorpommern verteidigte und sagte: "Heute habe ich das Gefühl, wir sind das verkrampfteste Volk, das überhaupt hier irgendwo auf der Welt rumläuft."

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Koterzyna sagte, die Empörung täte ihm für die Beklagte leid. Bei der Hauptversammlung des Vereins Hans Kuony nach dem Fasnetvugrabe sagte er: "Die Narrenrüge dürfen wir uns nicht abnehmen lassen." Sie dürfe aber nicht verletzend sein. Und er setzte hinzu: Je weiter nördlich man komme, desto schwieriger werde es mit dem Verständnis von Fasnacht. Schon im Gespräch davor warnte er vor negativen Auswirkungen auf Fasnachtsveranstaltungen, bei denen Politiker auftreten: „Wenn jeder seziert wird, stirbt die Fasnacht."

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