Zugegeben: Es geht auch um eine mündliche Prüfung, die man sich beim Abitur sparen kann. Die Schüler des Berufsschulzentrums (BSZ) Stockach machen keinen Hehl daraus. Aber Pragmatismus schließt höhere Ziele nicht aus. Nachhaltigkeit ist auf jeden Fall ein Thema, für das sich Laurentius Lürig, Sara Klink, Angelika Klassen, Lara Scherzinger und Selina Stemmer erwärmen können. Gemeinsam mit elf Mitschülern der zwölften Klasse haben sie die Auftaktveranstaltung an der Universität Konstanz zu einem ganz besonderen Projekt besucht: Darin untersuchen sie gemeinsam mit Studierenden der Politik- und Verwaltungswissenschaft, was Menschen in der Bodenseeregion motiviert, nachhaltig zu handeln.

Für Wilko Mattern, den Lehrer des Seminarkurses am BSZ Stockach, in dessen Rahmen das Projekt stattfindet, ist noch ein weiterer Aspekt entscheidend: dass die jungen Menschen an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt werden. „Wir leben in Zeiten, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse angezweifelt werden. Deshalb ist es wichtig zu vermitteln, wie Wissenschaft funktioniert“, sagt er. Sebastian Koos ist Juniorprofessor für Corporate Social Responsibility und wissenschaftlicher Leiter des Forschungsprojektes, bei dem die Universität drei ihrer Partnerschulen mit ins Boot geholt hat. Er drückt es so aus: „Das Projekt macht Wissenschaft erlebbar. Die Schülerinnen und Schüler suchen ihre Forschungsgegenstände selbst aus. Damit erfahren sie, wie nah wissenschaftliche Fragestellungen an ihren eigenen Interessen liegen können.“

Am Umstand, dass Nachhaltigkeit eines der Themen ist, die insbesondere junge Menschen bewegen, lassen die Jugendlichen keinen Zweifel. „Das Thema Nachhaltigkeit ist aktuell wie noch nie. Ich möchte die Chance nutzen, die das Projekt bietet“, sagt Selina Stemmer. Die insgesamt 35 Schülern – neben dem BSZ Stockach machen auch das BSZ Radolfzell und das Suso-Gymnasium in Konstanz mit – werden neben dem Seminarkurs an ihrer Schule auch an der Uni Konstanz sein. Das erzählt Johanna Heuer, die das Projekt im Rahmen der Binational School of Education koordiniert. „Wir ermöglichen den Schülerinnen und Schülern, die Universität Konstanz als außerschulischen Lernort kennenzulernen“, sagt sie.

Im Rahmen von Experten- und Zeitzeugeninterviews sowie einer Online-Umfrage werden die neuen Erkenntnisse in kleinen Forschungsvorhaben direkt umgesetzt. Diese reichen am BSZ Stockach von einem näheren Blick auf die Planungen der Windräder auf dem Kirnberg bei Orsingen-Nenzingen über die Frage, warum sich Menschen für oder gegen ein Elektrofahrzeug entscheiden, bis hin zum allgegenwärtigen Thema Plastik im Einzelhandel und bereits verfügbare Alternativen.

Für Wilko Mattern ist auch der methodische Aspekt wichtig: „Letztlich sollen sie ja nicht nur ihren Horizont bezüglich des Themas Nachhaltigkeit erweitern, sondern der Blick soll auch über die Grenzen dessen hinausgehen, was sie von der Schule kennen. Ich freue mich, dass die Schülerinnen und Schüler diese Erfahrungen machen können.“