Die neuen Gremien haben vor der Sommerpause ihre Arbeit angetreten, doch die SÜDKURIER-Lokalredaktion wirft noch einen Blick zurück. Es gibt in jedem Ort im Raum Stockach ehemalige Ratsmitglieder, die sich teilweise über Jahrzehnte für ihre Mitbürger eingesetzt haben, aber nicht mehr antreten wollten. Aus jeder Gemeinde erzählt der oder die mit der längsten zweistelligen Amtszeit aus seiner Zeit im Gemeinderat und was wichtige Entwicklungen waren.

In Stockach sind es zwei mit jeweils 15 Jahren, in Eigeltingen gab es keinen mit einer zweistelligen Zahl und der Spitzenreiter in Orsingen-Nenzingen wollte lieber nicht mehr in der Öffentlichkeit stehen.

Anton Arnold war 35 Jahre lang im Gemeinderat von Hohenfels.
Anton Arnold war 35 Jahre lang im Gemeinderat von Hohenfels. | Bild: Singler, Julian

Anton Arnold

35 Jahre Gemeinderat, zehn Jahre erster Stellvertreter des Bürgermeisters und weitere 15 Jahre zweiter Stellvertreter: Über Jahrzehnte hinweg trug Anton Arnold zur Gemeindeentwicklung in Hohenfels bei. „In all den Jahren habe ich vier Bürgermeister begleitet. Zu allen hatte ich ein gutes bis sehr gutes Verhältnis. Ich würde nichts missen wollen und habe es gern gemacht“, sagt der 66-Jährige, der ein Baugeschäft hat. Auch in Vereinen ist Arnold verankert. 38 Jahre lang war er bei der Bauernkapelle Mindersdorf dabei und 22 Jahre lang Sportvereinsvorstand.

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1972 kam Arnold aus Hausen am Andelsbach nach Hohenfels. „Wichtig waren der Neubau vom Rathaus und im Anschluss der Umbau des Feuerwehrhauses“, blickt Anton Arnold zurück. Solche Investitionen seien allerdings immer abhängig vom Gemeindehaushalt. Weiter habe man auf dem Friedhof in Liggersdorf dank vieler Spenden eine Aussegnungshalle bauen und die Anlage vergrößern können.

„Alle Ortsteile sollten außerdem neue Gemeindehäuser bekommen. Liggersdorf hat bereits das Vereinshaus, in Deutwang und Kalkofen wurde jeweils das alte Schulhaus dafür abgerissen.“ Für die Vereine seien diese Maßnahmen wichtig gewesen. Vereine liegen Anton Arnold ohnehin sehr am Herzen. „Sie tragen zum kulturellen Leben bei, sind der Motor, und über sie ist Hohenfels zusammengewachsen“, sagt er.

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In manchen Jahren, wenn das Geld der Verwaltung knapp ist, sei ausreichende Unterstützung jedoch schwierig. Ebenfalls wichtig seien Arnold zufolge Wohnungsbau und Gewerbe. „Wir haben damals und heute mehrere Neubau- und Gewerbegebiete erschlossen. Ohne diese Entwicklung kann eine kleine Gemeinde auch nicht überleben“, ist er überzeugt. In Bruck I und Bruck II beispielsweise habe man einiges auf die Beine gestellt. Dort gebe es große Firmen mit vielen Arbeitsplätzen.

In den Gemeinderat habe sich der Bauunternehmer nach und nach eingefunden. Arnold erzählt: „Ich bin ein ausgeglichener Mensch. Anfangs war ich vorsichtig. Über die Jahre habe ich an Profil gewonnen und in meiner Persönlichkeit eine Entwicklung durchgemacht.“ Mit 66 Jahren sah er nun den Zeitpunkt gekommen, um mit der Kommunalpolitik aufzuhören. „Ich werde das Geschehen weiterverfolgen, aber bin auch froh, jetzt nicht mehr immer in der ersten Reihe stehen zu müssen“, gibt Arnold zu.

Von der Energie her hätte er noch mal fünf Jahre dranhängen können. Allerdings würden der Gemeinde neue Räte mit anderen Gedanken helfen. Was Anton Arnold mit der neugewonnenen freien Zeit anstellt? „Ich singe gerne. Musik erfüllt mich“, sagt der Fußballfan des 1. FC Nürnberg. (jsi)

Klaus Meckelburg war vier Amtsperioden lang Mitglied im Gemeinderat Bodman-Ludwigshafen.
Klaus Meckelburg war vier Amtsperioden lang Mitglied im Gemeinderat Bodman-Ludwigshafen.

Klaus Meckelburg

20 Jahre lang war Klaus Meckelburg Mitglied des Gemeinderates und zwölf Jahre CDU-Vorsitzender des Gemeindeverbandes Bodman-Ludwigshafen. Aus Altersgründen stellte er sich bei der diesjährigen Kommunalwahl nicht mehr zur Wahl.

Als Architekt habe er seine Tätigkeit vornehmlich bei Bauangelegenheiten gesehen, erzählt er. Ihm sei die Großzügigkeit der Freiheit wichtig gewesen. Klaus Meckelburg betont: „Ich war stets dafür, jedem privaten Baugesuch so großzügig wie möglich zu begegnen, damit es wie geplant verwirklicht werden konnte.“ Manches Mal sei das schwierig gewesen, da Neid und Missgunst unterschwellig immer wieder mal zum Ausdruck gekommen seien.

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In den vier Amtsperioden, die Meckelburg parallel mit Bürgermeister Matthias Weckbach erlebt hat, habe dieser die Ortsentwicklung sehr zielstrebig vorangebracht. Meckelburg denkt dabei an die Uferanlagen, das Seeum, das abgeschlossene Baugebiet Steinäcker, die Entwicklung des Baugebiets Haiden und nicht zuletzt die Begleitung der Seedomaine. „Diese Bebauung war das Beste, was als Alternative da war. Gott sei Dank haben der Baron und die Gemeinde sie zu dem entwickelt, was jetzt da ist.“

In guter Erinnerung bleibt ihm die Kollegialität. „Wenn jemand Geburtstag hatte, sind wir traditionell irgendwo eingekehrt. Auch die Gemeinderatsausflüge waren immer wunderbar.“ (wig)

Roland Strehl

Roland Strehl saß 15 Jahre lang im Stockacher Gemeinderat.
Roland Strehl saß 15 Jahre lang im Stockacher Gemeinderat. | Bild: SK

15 Jahre lang war Roland Strehl Teil des Stockacher Gemeinderats. „Ich bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, habe das Angebot der Vereine und die ländliche Atmosphäre immer genossen“, erzählt der 54-Jährige. Während seiner Studienzeit in Stuttgart, wo er im Anschluss auch arbeitete, habe Strehl seine Heimat erst so richtig wertgeschätzt. Also kam er zurück und gründete eine Familie.

Der Bauingenieur fand das Mitwirken im Rat stets spannend, verrät er: „Mir war es wichtig, die Stadt voranzubringen und weiterzuentwickeln.“ Schulen, Sportstätten und Kindergärten würden einen Ort lebenswert machen. Damit Familien zuziehen, müsse man bezahlbaren Wohnraum anbieten. „Im Vergleich zu anderen Städten der Region stehen wir gut da“, meint Roland Strehl.

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Froh ist er darüber, dass das Krankenhaus erhalten bleibt. Der Gemeinderat sei geschlossen dahinter gestanden. Die Sanierung der Grundschule sowie die Entscheidung in Sachen Contraves-Areal begrüße der 54-Jährige ebenfalls.

Strehl möchte der Verwaltung etwas ans Herz legen: „Die interkommunale Zusammenarbeit mit Bodman-Ludwigshafen läuft gut. Trotzdem müssen Gemeinden enger zusammenrücken und an einem Strang ziehen.“ Stockach und seine Umgebung hätten ein riesiges Entwicklungspotenzial. „Die Zukunft ist dezentral. Wir müssen um unsere Schulen kämpfen und uns gegen Konstanz und Radolfzell behaupten.“ (jsi)

Hanspeter Wibbelt gehört 15 Jahre lang dem Stockacher Gemeinderat an.
Hanspeter Wibbelt gehört 15 Jahre lang dem Stockacher Gemeinderat an. | Bild: Singler, Julian

Hanspeter Wibbelt

15 Jahre lang saß Hanspeter Wibbelt im Gemeinderat von Stockach. „Ich habe mich immer sehr für den Radverkehr eingesetzt. Dieses Thema liegt mir am Herzen“, sagt der 60-jährige Bäckermeister. So langsam ginge es voran, doch es sei ein mühsamer Weg mit einigen Baustellen wie beispielsweise der Beschilderung. „Ich stamme aus der Fahrradstadt Münster und bin selbst Radler. Deswegen weiß ich, wo in Stockach die Mankos sind“, so das Ex-Ratsmitglied der Grünen.

Positiv sei, dass es nun einen Radweg über den Campingpark Papiermühle gebe, ein weiterer an der Ludwigshafener Straße sei ebenfalls fast komplett. In all den Jahren als Gemeinderat gab es Beschlüsse, an die sich Hanspeter Wibbelt gerne erinnert. Einer davon sei gewesen, das Caritas-Altenheim für die Unterbringung von Flüchtlingen bereitszustellen. „Das war eine ganz wichtige Entscheidung der Stadt, die der Gemeinderat mitgetragen hat. Aus dem Rat hat sich dann auch ein Helferkreis gebildet.“

Elegant gelöst habe man den Abriss des Contraves-Areals. Weniger elegant sei dagegen die Situation mit dem wachsenden Verkehr, „aber das bekommen wir als Stadt nicht gelöst, da ist die Bundespolitik gefordert“, so Wibbelt. Langfristig werde Tempo 30 in Stockach kommen, vermutet er. (jsi)

Ulrike Stengele

Ulrike Stengele war fast 14 Jahre lang als Gemeinderätin aktiv.
Ulrike Stengele war fast 14 Jahre lang als Gemeinderätin aktiv. | Bild: Freißmann, Stephan

Fast 14 Jahre lang war Ulrike Stengele im Mühlinger Gemeinderat dabei. Zuletzt sei sie zwei Monate nach Beginn der Amtsperiode nachgerückt, erzählt sie. Zuvor hat es etwas länger gedauert. Und auch dieses Mal könnte es wieder klappen. Denn bei der Wahl Ende Mai hat Stengele zwar nicht genügend Stimmen bekommen, um einen Sitz im Gremium zu erringen. Aber wenn ein anderer CDU-Gemeinderat das Amt aufgebe, könnte Stengele nachrücken.

Dass sie nicht noch einmal gewählt wurde, damit komme sie gut zurecht, sagt die 46-Jährige, die als Bürokauffrau arbeitet. Sie hätte zwar durchaus auch weitere fünf Jahre das Mandat ausgefüllt. Allerdings arbeite sie seit zwei Jahren auch wieder in Vollzeit, was sie am Zeithaushalt spüre. Über die Jahre im Gemeinderat sagt sie: „Es war eine sehr lehrreiche Zeit und es war wirklich gut, die Dinge auch von der Seite der Gemeinde her zu sehen.“

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Zu den großen Themen in ihrer Amtszeit hätten der Neubau des Mühlinger Rathauses und der Bau der Weiherbachhallte in Zoznegg gehört. Ihre Steckenpferde seien allerdings eher soziale Themen wie Schule, Kindergarten und Kinderkrippe gewesen. Für die Kommunalpolitik wünscht sich Ulrike Stengele, dass zukünftig mehr Menschen für ein Mandat im Gemeinderat kandidieren. (eph)