Mit dieser Abschlussfeier ging am Berufsschulzentrum Stockach (BSZ) ein Abschlussfeier-Marathon zu Ende: Tatsächlich wurden nicht weniger als fünf Feiern für die Schulabgänger von fünf Schularten veranstaltet. Nach Wirtschaftsgymnasium, Berufskolleg, Berufsfachschule und Berufsschule waren jetzt die sogenannten VAB-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf) an der Reihe.

„An anderen Schulen werden die diversen Feiern an einem Abend zusammengefasst, aber am BSZ Stockach besteht eine lange Tradition, die Schülerinnen und Schüler der fünf Schularten in getrennten Feiern in einen neuen Lebensabschnitt zu verabschieden“, erklärte Lehrer Ralf Friedrich, der durch den kurzweiligen Nachmittag am Berufschulzentrum führte.

Große Herausforderung für VAB-Schüler

Schulleiterin Claudia Heitzer sprach in ihrer Rede diesen für die Schüler besonderen Tag an. „Ihr habt am längsten auf Eure Abschlussfeier warten müssen“ erklärte sie den mit Spannung auf die Zeugnisse wartenden Schülern in der vollbesetzten und mit Blumenschmuck wunderbar hergerichteten Aula der Schule.

„Vor einem Jahr habt Ihr Euch auf den Weg gemacht, in unserem deutschen Schulsystem einen Abschluss zu erlangen“, sagte Heitzer und unterstrich, dass es für die Schüler aus den VAB-Klassen eine große Herausforderung bedeute, die Schule zu schaffen. Dazu muss man wissen, dass in den VAB-Klassen Schülerinnen und Schüler aus vielen verschiedenen Ländern sitzen.

Die Schülerinnen und Schüler der Kooperationsklasse Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf freuen sich zusammen mit Klassenlehrer Ralf Friedrich (Mitte)über ihren Hauptschulabschluss mit EnglischBild: Reinhold Buhl
Die Schülerinnen und Schüler der Kooperationsklasse Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf freuen sich zusammen mit Klassenlehrer Ralf Friedrich (Mitte) über ihren Hauptschulabschluss mit Englisch. Bild: Reinhold Buhl

Schüler aus vielen verschiedenen Ländern

So erzählte Klassenlehrer Siegfried Hander den Gästen, dass in seiner Klasse die jungen Leute aus Syrien, Somalia, Kamerun, Bosnien, Spanien, Gambia, Ungarn, Griechenland, Italien, Afghanistan und Eritrea kommen – ein Umstand der zeigt, vor welche Herausforderungen die Lehrerinnen, Lehrer und Betreuer gestellt sind.

Tobias Hummelsberger, Klassenlehrer der Klasse VAB-O (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf ohne Deutschkenntnisse), deren Schwerpunkt die Vermittlung der Sprache ist, erzählte, dass in seiner Klasse die Schüler nicht nur Deutsch lernen, sondern zum Teil darüber hinaus eine neue Schrift erlernen müssten. „Ich weiß nicht, wie ich mit so einer Situation in einem fremden Land zurechtkommen würde“, so Hummelsberger.

Die Schülerinnen und Schüler des Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf freuen sich über ihren SchulabschlussBild: Reinhold Buhl
Die Schülerinnen und Schüler des Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf freuen sich über ihren Schulabschluss. Bild: Reinhold Buhl

Ehrenamtlicher Sprachpate hilft den Schülern

Seine Schüler haben jetzt nach diesem ersten Jahr die Möglichkeit, eine weitere Klasse zu besuchen und in einem Jahr dann den Hauptschulabschluss zu erwerben. „Auf dem Weg dahin haben wir in Werner Liebig eine große Hilfe“, erläutert Hummelsberger, denn der 72-jährige Liebig habe es sich zum Ziel gesetzt, jungen Flüchtlingen beim Spracherwerb zu helfen. „Ich mache das in Stockach seit zwei Jahren in zwei Klassen und in Sigmaringen in einer Klasse“, erzählt Liebig, der ein Ingenieur- und Statikbüro betreibt.

In ihrem Schlusswort verglich Schulleiterin Claudia Heitzer den Weg, den die Schüler schulisch gegangen sind, mit einer Autobahnfahrt mit Staus, Stopps und anderen Unwägbarkeiten und wünschte allen, dass ihnen auf dem weiteren Lebensweg die Spur nie verloren gehen möge.