1916 und 1917 konnte man mehrfach den Kanonendonner von der mindestens 150 Kilometer entfernten Westfront bis nach Stockach hören. Das Stockacher Tagblatt schrieb von einem „stundenlang die Luft erschütternden höllischen Konzert, das die ganze Furchtbarkeit lebhaft ahnen lässt.“ Abgesehen von einem kleinen Luftangriff war Stockach im Ersten Weltkrieg keinen direkten Kriegshandlungen ausgesetzt. Der Krieg aber hatte große Auswirkungen auf das Leben.

Weil die Versorgung der Soldaten Priorität hatte, wurde bald nach Kriegsbeginn die Lebensmittelversorgung eingeschränkt. Bereits im Februar 1915 wurde es verboten, Kuchen und Brezeln zu backen. Weißmehl wurde streng rationiert oder wie es General Hindenburg formulierte: „Ein Patriot isst Roggenbrot!“ Immer mehr Lebensmittel wurden begrenzt: Ende 1915 wurden fleischfreie Tage eingeführt. Ab 1916 wurden Eier, Milch, Zucker, Butter, Fett und Kartoffeln nur noch gegen Lebensmittelkarten abgegeben, 1917 auch Nudeln, Grieß und Gemüse.

Spanische Grippe löschte ganze Familien aus

Seit dem „Steckrübenwinter“ 1916/17 nagte die deutsche Bevölkerung am Hungertuch. Als 1918 die Rationen weiter verkleinert wurden, begann für viele Stockacher ein Kampf ums Überleben. Nur noch 600 Gramm Fleisch erhielt man pro Person und Monat. Bucheckern und andere im Wald gesammelte Früchte sollten zumindest etwas Eiweiß und Fett liefern. Europaweit starben circa 25 bis 50 Millionen der entkräfteten Bevölkerung an dem neuartigen Virus der Spanischen Grippe. Auch in Stockach und Umgebung wurden ganze Familien ausgelöscht.

Es ist kein Wunder, dass auch in Stockach die Begeisterung für die Kämpfe immer weiter nachließ. Wurden 1914 und 1915 deutsche Siege noch mit spontanen Straßenfesten, Konzerten und Glockenläuten gefeiert, sehnte sich die Bevölkerung ab 1917 nach Frieden und ausreichend zu essen.

Die Serie: Im Sommer stellen SÜDKURIER und Stadtmuseum ein bis zwei Mal wöchentlich Dinge aus der aktuellen Ausstellung vor: „Erster Weltkrieg, Revolution und Neubeginn. Stockach im Umbruch 1917-1923“.

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