Wie ein roter Faden zogen sich die große Beliebtheit und der positive Geist des Berufsschulzentrums Stockach (BSZ) durch die beiden Abschlussfeiern im Bürgerhaus Adler-Post. Und so rannte Bürgermeister Rainer Stolz in seiner kurzen Ansprache die berühmten offenen Türen ein, als er die Schülerinnen und Schüler aufforderte, den guten Ruf der Schule nach außen zu tragen, damit sich "der Kampf für die Existenz und die Weiterentwicklung der Schule" lohne.

Die Fachpraktiker Hauswirtschaft, Küche und Verkauf sowie die Verkäufer und Einzelhändler freuen sich über ihre bestandene Prüfung. Links Klassenlehrerin Jutta Kokabi, Dritte von links Klassenlehrerin Bärbel Gosemann. Bild: Reinhold Buhl
Die Fachpraktiker Hauswirtschaft, Küche und Verkauf sowie die Verkäufer und Einzelhändler freuen sich über ihre bestandene Prüfung. Links Klassenlehrerin Jutta Kokabi, Dritte von links Klassenlehrerin Bärbel Gosemann. Bild: Reinhold Buhl

Die Schule verabschiedete in den beiden aufeinanderfolgenden Abschlussfeiern zuerst die Absolventen der beiden Berufskollegs mit dem Profil Wirtschaft und dem Profil Technik und danach 75 Berufsschüler, die die duale Ausbildung in Schule und Betrieb durchlaufen haben. Hierzu gehörten die Schüler der Fachpraxis Hauswirtschaft, Küche und Verkauf, die Verkäufer und Einzelhandelskaufleute, die Kaufleute des Groß- und Außenhandels sowie die Schüler des Europäischen Wirtschaftsmanagements des Groß- und Außenhandels mit Zusatzqualifikation.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse Groß- und Außenhandelskaufleute freuen sich mit ihrer Klassenlehrerin Franziska Stockburger (links) über die bestandene Prüfung. Bild: Reinhold Buhl
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse Groß- und Außenhandelskaufleute freuen sich mit ihrer Klassenlehrerin Franziska Stockburger (links) über die bestandene Prüfung. Bild: Reinhold Buhl

Julia Schöller von der Schiesser AG Radolfzell beglückwünschte als Vertreterin der Ausbildungsbetriebe die Absolventen. "Wir sind auf Sie stolz", erklärte sie ihnen und zitierte einen Satz des Firmengründers Jacques Schiesser (1848-1913): "Man darf nicht beim Erreichten stehenbleiben."

Der kurvenreiche Lebensweg von Corinna Förtsch

"Ich habe die Entscheidung, mit 40 nochmals eine zweite Lehre zu beginnen, nie bereut", sagt Corinna Förtsch, die als Unteruhldingerin auf der Reichenau arbeitet. Bild: Reinhold Buhl
"Ich habe die Entscheidung, mit 40 nochmals eine zweite Lehre zu beginnen, nie bereut", sagt Corinna Förtsch, die als Unteruhldingerin auf der Reichenau arbeitet. Bild: Reinhold Buhl

Diese Aufforderung hat Corinna Förtsch, die im Alter von 40 Jahren eine zweite Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau bei der Raiffeisen-Lagerhaus eG auf der Reichenau begann, beherzigt. "Nach meiner Fachhochschulreife habe ich eine Lehre als Textillaborantin begonnen und habe dann zehn Jahre bei der Firma Schiesser in Radolfzell in diesem Beruf gearbeitet, bis diese Firma ihr Labor schloss", erklärt Förtsch, die daraufhin eine Stelle bei einer Firma in Kreuzlingen/Schweiz fand. Diese Firma ging allerdings nach zwei Jahren in Konkurs, sodass Corinna Förtsch wieder ohne Job dastand.

Da sie beim weiteren Suchen bald merkte, dass es kaum Laborstellen gab, entschloss sie sich, eine neue Lehre als Kauffrau zu beginnen, deren Abschluss sie jetzt erfolgreich – mit einem Preis für besonders gute Leistungen – hinter sich brachte. Corinna Förtsch, die in Unteruhldingen wohnt, fährt täglich mit Auto und Fähre zu ihrem Arbeitsplatz auf der Insel Reichenau.

"Ich habe meinen damaligen Beschluss, nochmals eine Lehre zu machen, nie bereut und bin heute stolz auf das Erreichte", erklärt Förtsch, die während ihrer zweijährigen Berufsausbildung die Berufsschule des Berufsschulzentrums Stockach besuchte und jetzt von ihrer Firma übernommen wurde.

Motivierende Worte von Schulleiterin Claudia Heitzer

Claudia Heitzer, Leiterin des Berufsschulzentrums, die sich bei allen bedankte, die am Erfolg der Absolventen mitgewirkt haben, seien es Eltern, Lehrer sowie Ausbildungsbetriebe, wies die jungen Leute darauf hin, dass sie einen ersten Schritt geschafft hätten und weitere folgen müssten: "Auch wenn Sie viele Ratschläge von allen Seiten bekommen werden, müssen Sie Ihren eigenen Weg finden", ergänzte Heitzer.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse Euro 3/1 Europäisches Wirtschaftsmanagement mit Zusatzqualifikation freuen sich mit ihrer Klassenlehrerin Elisa Wielandt (Mitte mit Namensschild) über die bestandene Prüfung. Bild: Reinhold Buhl
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse Euro 3/1 Europäisches Wirtschaftsmanagement mit Zusatzqualifikation freuen sich mit ihrer Klassenlehrerin Elisa Wielandt (Mitte mit Namensschild) über die bestandene Prüfung. Bild: Reinhold Buhl

Ihren Weg gefunden hat die Schülerin Saskia Filohn (18) aus der Klasse Berufskolleg Wirtschaft, die mit einem Notendurchschnitt von 1,8 als Klassenbeste die Fachhochschulreife gemeistert hat und dafür einen Buchpreis erhielt. Filohn wohnt in Meßkirch, was eigentlich nahegelegt hätte, die Schule in Sigmaringen zu besuchen. Allerdings erklärt sie gegenüber dem SÜDKURIER ihre Motivation, aufs BSZ Stockach zu gehen mit der simplen Erklärung: "Mein Bruder besuchte schon das BSZ und fand diese Schule und die dortigen Lehrer super." Filohn beginnt jetzt eine dreijährige Lehre als Industriekauffrau bei den Stadtwerken in Tuttlingen.

Anja Konzepts Erfolg in einer Männerdomäne

"Auch als Mädchen kann man im Berufskolleg Technik erfolgreich sein", sagt Anja Konzept, die die Fachhochschulreife mit der Note 1,0 abgeschlossen hat. Bild: Reinhold Buhl
"Auch als Mädchen kann man im Berufskolleg Technik erfolgreich sein", sagt Anja Konzept, die die Fachhochschulreife mit der Note 1,0 abgeschlossen hat. Bild: Reinhold Buhl

Nicht weniger erfolgreich war Anja Konzept, die – als einzige Schülerin unter 20 männlichen Schülern – das Berufskolleg Technik mit der Traumnote 1,0 absolviert hat. "Am Anfang kam ich mir schon etwas komisch vor, allein unter Jungs", erklärt Anja Konzept. Jetzt beginnt sie das Studium der Elektromobilität und regenerativer Energie an der Fachhochschule in Weingarten. Klar, dass sie beim Abschiedssong der Lehrerband – unter der Leitung des stellvertretenden Schulleiters Michael Butsch – "Ein Hoch auf Euch" von Andreas Bourani kräftig mitsang.