Plötzlich ist Eisenbahn wieder schick. Anders kann man die jüngsten Nachrichten zum Bahnverkehr rund um Stockach und in Richtung Norden nicht deuten. Hinter den Kulissen wird offenbar kräftig für einen Bahnhalt in Espasingen gewerkelt. Und sogar auf der jahrelang praktisch brachliegenden Ablachtalbahn könnten schon im nächsten Jahr wieder Personenzüge fahren, wenn auch nur am Wochenende – die Tür für diese Strecke wäre trotzdem wieder offen. Initiativen von Bürgern, Landes- und Kommunalpolitikern: Alle ringen darum, mehr Züge auf die Schienen zu bekommen – wenn auch allenthalben betont wird, dass die Bedingungen stimmen und die Kosten bezahlbar bleiben müssten, inklusive dem Ruf nach Landesgeld.

Dass manch ein Kommunalpolitiker, der schließlich auch den Haushalt seiner Gemeinde im Blick behalten muss, das Thema Bahnverkehr vorsichtig anfasst, kann nicht darüber hinwegtäuschen: Es offenbart sich ein Bewusstseinswandel. Schon vor Jahrzehnten hat sich die Bahn aus vielen kleinen Strecken zurückgezogen und sie stillgelegt.

Jahrelang herrschte bei Entscheidungsträgern offenbar die Meinung vor, dass die Menschen im ländlichen Raum den öffentlichen Personennahverkehr nicht nutzen wollen – Züge verschwanden und Busse wurden zu Restverkehrsmitteln für alle, die nicht Auto fahren können, etwa weil sie zu jung oder zu alt sind. Dabei verdient manch eine Buslinie kaum die Bezeichnung Verbindung, so selten wird sie bedient. Auch an der geplanten Ausweitung des Busverkehrs zum nächsten Fahrplanwechsel zeigt sich der Bewusstseinswandel.

Offenbar haben diejenigen, die nun für mehr Züge – und Busse – arbeiten, verstanden, dass ein gutes Angebot beim öffentlichen Personennahverkehr auch ein Standortfaktor ist – gerade in diesen klimabewegten Zeiten. Anständige ÖPNV-Verbindungen machen Orte heutzutage attraktiv, und attraktiv wollen alle Kommunen sein. Zumal der Individualverkehr, das zeigt ein Blick auf die Straßen der Region, allmählich an seine Grenzen kommt.

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