Auf der Ablachtal-Bahn könnten in Zukunft vielleicht doch wieder Züge rollen. Dafür gibt es mehrere Anzeichen. Zum einen bringt Bruno Knödler, ehemaliger Betriebsleiter der Bahn, die bereits beschlossene Elektrifizierung der Südbahn zwischen Ulm und Friedrichshafen ins Spiel. Während der Bauarbeiten dürften Züge über die Ablachtal-Bahn umgeleitet werden, sagt er. Auch in Bezug auf Biberschäden im Bereich zwischen Sauldorf und Schwackenreute gebe es viele Überlegungen, so Knödler. Doch was vielleicht am schwersten wiegt: Es gibt offenbar nun einen Kontakt zwischen der Bahngesellschaft und der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern aus Sigmaringen.

Davon zumindest berichtet Christian Schröter, Büroleiter Forst bei Fürst von Hohenzollern. Er hatte erst vor Kurzem im SÜDKURIER kritisiert, dass das Unternehmen zwar gerne Langholz über die Strecke transportieren wolle, er aber trotz mehrfacher Anläufe per Telefon und E-Mail keinen Kontakt zur Bahngesellschaft habe aufbauen können. Schlussfolgerung: Bei der Ablachtal-Bahn besteht kein Interesse, die Strecke zur Verfügung zu stellen. Thomas Heim, der neue Betriebsleiter der Ablachtal-Bahn aus Niefern-Öschelbronn bei Pforzheim, habe sich bei dem Unternehmen inzwischen gemeldet, sagt Schröter nun und stellt fest: „Wir sind in Kontakt.“ Heim indes dämpft allzu hohe Erwartungen und weist darauf hin, dass er nicht für die Annahme von Verkehren zuständig sei. Dies sei Aufgabe der Ablachtal-Bahn GmbH.

Dennoch ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass nun zumindest ein Kontakt zu einem Unternehmen besteht, das an Transporten interessiert ist. Denn die Ablachtal-Bahn steht schon seit Jahren in der Kritik, weil kaum Züge über die Strecke rollen – und das trotz einer Ertüchtigung der Gleise für den Güterverkehr, die 2009 mit Bundesmitteln aus dem Konjunkturpaket II erfolgt ist. Im Sommer dieses Jahres hatte der Landesrechnungshof in seiner Denkschrift die Ablachtal-Bahn sogar als Beispiel dafür angeführt, dass Fördermittel vergeben werden, deren Effektivität nicht ausreichend kontrolliert werde.

 

Strecke, Person und Geldfragen

  • Die Bahnstrecke
    Die Ablachtal-Bahn verläuft von Stockach nach Mengen. Sie wurde 1870/1873 in Betrieb genommen, der letzte Zug zwischen Stockach und Meßkirch fuhr 1972. 1988 wurde der Güterverkehr reaktiviert. 2001 kündigte die Deutsche Bahn an, die Strecke stilllegen zu wollen, falls sich kein neuer Netzbetreiber finde. In den Jahren 2004 und 2005 wurde sie verkauft und befindet sich nun im Besitz der Ablachtal-Bahn GmbH. Diese ist mit dem Unternehmen Tegometall verquickt, das Werke an der Strecke in Sauldorf und Krauchenwies unterhält.
  • Der neue Betriebsleiter
    Thomas Heim, der freiberuflich ein Ingenieurbüro betreibt, ist zudem im Vorstand der Erms-Neckar-Bahn AG und für die Stuttgarter Straßenbahnen tätig, wo er die Gleisanlagen des Hafens Stuttgart als Betriebsleiter betreut. Zudem betreut er die Killesbergkleinbahn als Betriebsleiter. Davor hat er mehrere Jahre bei der HzL den Fachbereich Bautechnik geleitet. Nach dem Studium im Bereich Bauingenieurwesen absolvierte er ein Aufbaustudium in angewandter Informatik für den Baubereich und für seine heutige Tätigkeit einschlägige Ausbildungen.
  • Die Netzentgelte
    Der Betrag, den ein Eisenbahnverkehrsunternehmen an den Besitzer der Gleise zahlen muss, wenn es die Gleise nutzen will, wird von der Bundesnetzagentur genehmigt. Der Gleisbesitzer kann sie nicht allein festsetzen.
(eph/mos)

 

 

Der neue Betriebsleiter Thomas Heim hat nun die Strecke, die derzeit wegen Biberschäden teilweise gesperrt ist, in Augenschein genommen. „Es wäre schade darum, wenn da nichts vorangehen würde“, lautet sein Fazit. Beim Thema Biber komme es darauf an, eine Lösung zu finden, in der Biber und Bahn nebeneinander existieren können. Das sei machbar. „Die Strecke hat Potenzial“, da ist sich Heim sicher. Und er hat schon weitere Ideen. Denn um die Ablachtal-Bahn zu erhalten, sei der bloße Betrieb mit Güterverkehr zu wenig: „Man muss versuchen, einen Ausflugsverkehr auf die Strecke zu bringen“, sagt der Ingenieur. Das seien dann fest kalkulierbare Einnahmen und die würden auch benötigt. Auch Schröter von der Unternehmensgruppe Hohenzollern sieht Potenzial in der Strecke und in der Bahn. Er erinnert daran, dass die Lastwagenmaut auf Bundesstraßen ausgeweitet wird. Angesichts der hohen Exportquote auch von anderen Unternehmen in der Region sei die Bahn da ein riesiges Thema.

 

Und wie steht es um das Steuergeld, das vor acht Jahren in die Strecke investiert wurde? Verstoßen die Besitzer der Bahn möglicherweise gegen Auflagen, sodass die Möglichkeit für Rückforderungen bestehen könnte? Auf eine entsprechende Anfrage des SÜDKURIER an das Stuttgarter Verkehrsministerium antwortet Edgar Neumann, Leiter der Pressestelle im Ministerium: „Die Zuwendungen aus dem Konjunkturprogramm für die Güterverkehrsstrecken, also auch für die Ablachtal-Bahn, basierten auf dem Landeseisenbahnfinanzierungsgesetz und sind mit den üblichen Nebenbestimmungen versehen: Es gilt die zehnjährige Zweckbindung, die im Zuwendungsbescheid und in der Anlage festgelegt ist.“ Sofern die geförderte Bahnanlage innerhalb dieses Zeitraumes nicht für den öffentlichen Bahnverkehr zur Verfügung steht, wäre eine entsprechende Rückforderung möglich. Eine Einstellung des Betriebs würde allerdings eines Stilllegungsverfahrens bedürfen, so Neumann weiter. Und: „Ein solches ist nicht erfolgt.“ Im Klartext lässt dies nur den Schluss zu: Solange kein Stilllegungsverfahren angestrengt wird, liegt kein Verstoß gegen Auflagen vor. Dass die geförderte Strecke für interessierte Nutzer nicht erreichbar wäre, also kein Netzzugang trotz Antrags auf Trassennutzung besteht, sei dem Verkehrsministerium nicht bekannt, so Neumann.

Bei aller Kritik, die die Bahngesellschaft regelmäßig einsteckt, gibt es auch Stimmen, die die Betreiber in Schutz nehmen. Mühlingens Bürgermeister Manfred Jüppner etwa, der Interesse an einem Personenverkehr auf der Strecke bekundet hat. Er merkt an: „Alle sagen, es solle mehr auf der Schiene transportiert werden, aber das ist nicht so einfach.“ Schließlich brauche man zum Betrieb einer Eisenbahn auch Technik, Personal, einen Betriebsleiter und manches mehr. Und was die Schäden durch den streng geschützten Biber angeht, so geht es Jüppner auch um die Sicherheit. Und: Das Land sollte einen Eisenbahnunternehmer nicht im Regen stehen lassen, so seine Einstellung. Von der Ablachtal-Bahn GmbH verlautete schließlich, der zuständige Mitarbeiter sei bis Ende der nächsten Woche nicht im Haus, sodass man derzeit keine Stellungnahme abgeben könne.