Die Summe, für die die Strecke der Ablachtalbahn gekauft werden kann, ist fixiert. Dies sagte Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick (CDU) auf Anfrage. Damit scheint eine Idee konkrete Formen anzunehmen, die bereits im Herbst öffentlich wurde. Zwicks Vorschlag: Die an der Strecke liegenden Kommunen sollten die Ablachtalbahn kaufen und erhalten – samt der Möglichkeit, dereinst einmal regelmäßigen Personenverkehr auf den Gleisen abzuwickeln.

Über die Höhe des Kaufpreises sei mit Ulrich Bohnacker Stillschweigen vereinbart worden, sagt Zwick. Bohnacker ist Geschäftsführer der Ablachtal-Bahn GmbH. Auf der Strecke wird Güterverkehr für das Krauchenwieser Unternehmen Tegometall abgewickelt, dessen Inhaber laut Unternehmensinformationen Bohnacker und sein Sohn Jakob sind.

„Wer kann schon Nein sagen, wenn man eine Bahnstrecke wiederbeleben kann?“ Manfred Jüppner, Bürgermeister von Mühlingen.
„Wer kann schon Nein sagen, wenn man eine Bahnstrecke wiederbeleben kann?“ Manfred Jüppner, Bürgermeister von Mühlingen. | Bild: Manfred Dieterle-Jöchle

Für seinen Plan zum Kauf sei er bei seinen Amtskollegen von Meßkirch in Richtung Stockach bisher auf breite Zustimmung gestoßen, sagt Zwick. Die Gemeinden könnten, wenn auf der Strecke in Zukunft wieder Personenzüge nach Fahrplan verkehren würden, auch einen Nutzen für ihre Bürger haben.

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Das sagt auch Ralf Derwing von der Initiative Bodensee-S-Bahn (IBSB). Bei einem früheren Pressetermin brachte er nicht nur Nahverkehr zwischen Stockach und Mengen ins Spiel, sondern auch überregionale Verbindungen, etwa nach Ulm. Und wenn ein Stück Gleis zwischen Krauchenwies und Sigmaringen wieder errichtet würde, könnte es sogar direkten Anschluss an den Stuttgarter Flughafen geben.

„Unter den geprüften Strecken hat keine so gute Möglichkeiten für den überregionalen Verkehr.“ Ralf Derwing, Initiative Bodensee-S-Bahn, zur Überprüfung durch das Land.
„Unter den geprüften Strecken hat keine so gute Möglichkeiten für den überregionalen Verkehr.“ Ralf Derwing, Initiative Bodensee-S-Bahn, zur Überprüfung durch das Land. | Bild: Stephan Freißmann

Bei der IBSB habe es große Freude gegeben, schreibt Derwing nun in einer Stellungnahme. Der beabsichtigte Kauf stelle einen wichtigen Schritt dar, um die Ablachtalbahn wieder zu einer vollwertigen Strecke zu machen. Und er fügt an, dass unter den Strecken, die das Land derzeit für eine Reaktivierung prüfe (Text unten), nur die Ablachtalbahn so gute Möglichkeiten für den überregionalen Verkehr aufweise.

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Wenn die Kommunen die Strecke kaufen würden, wäre das auch ein wichtiges Signal an Land und Bund, dass die Reaktivierung gewünscht sei. Und er gibt zu bedenken, dass ohne die bisherigen Eigentümer die Gleise wohl inzwischen abgebaut wären.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Mühlingen-Schwackenreute hat seine besten Tage deutlich sichtbar hinter sich.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Mühlingen-Schwackenreute hat seine besten Tage deutlich sichtbar hinter sich. | Bild: Stephan Freißmann

Zwicks Ziel ist, möglichst alle Anrainer-Kommunen für den Kauf ins Boot zu holen. Auch Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz (Freie Wähler) stehe einer Reaktivierung im Grundsatz positiv gegenüber, sagt Zwick. Stolz selbst war gestern nicht zu erreichen. Bei früherer Gelegenheit sagte er, dass er es zwar grundsätzlich gut fände, die Strecke zu erhalten. Allerdings warnte er immer wieder vor Rückstaus auf den Straßen, wenn Bahnübergänge öfter geschlossen wären. Ein großer Teil der Autos müsste daher zuerst aus der Stadt verschwinden, etwa über Umfahrungen.

Bild: SK

Sein Amtskollege Manfred Jüppner (CDU) aus Mühlingen fragt rhetorisch: „Wer kann schon Nein sagen, wenn man eine Bahnstrecke wiederbeleben kann?“ Doch eine Reaktivierung wäre nur möglich, wenn das Land stark fördere – und zwar bei Investitionen und beim Betrieb. Und Jüppner wirft praktische Fragen auf: Welche Buslinien fallen weg, wenn es eine Bahnverbindung gibt? Wo könnten Haltepunkte und Parkplätze hin? Außerdem lässt er durchblicken, dass die Landkreise Konstanz und Sigmaringen zurückhaltend seien und Entscheidungen von den Gemeinderäten getroffen würden.

Für Investitionen in die Infrastruktur rechnet Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick mit einem Landeszuschuss von 75 Prozent. Das Land will 2020 zu einem Ergebnis bei seiner Überprüfung kommen. Zwick will aber schon ab September auf intensive Werbetour gehen. Dann seien alle neu gewählten Gemeinderäte im Amt.

Auf dem Abschnitt der Ablachtalbahn zwischen Krauchenwies und Meßkirch verkehren nur selten Güterzüge – unser Bild zeigt einen Bahnübergang kurz vor dem Meßkircher Stadtteil Igelswies.
Auf dem Abschnitt der Ablachtalbahn zwischen Krauchenwies und Meßkirch verkehren nur selten Güterzüge – unser Bild zeigt einen Bahnübergang kurz vor dem Meßkircher Stadtteil Igelswies. | Bild: Manfred Dieterle-Jöchle

Das Land überprüft stillgelegte Strecken

Das Land Baden-Württemberg will in den kommenden Jahren das Angebot im öffentlichen Nahverkehr deutlich steigern. Dazu gehört auch die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken.

  • Die Untersuchung: Näher unter die Lupe genommen werden durch das Ministerium 41 solcher Bahnstrecken im ganzen Land – dazu gehört auch die Strecke der Ablachtalbahn. Nach Angaben von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) kann das Land Investitionen wie den Streckenausbau oder eine mögliche Elektrifizierung über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGFVG) fördern. Außerdem können auch Mittel für die Schülerbeförderung bereitgestellt werden. Bis Ende 2020 werden für diese 41 Bahnstrecken das Fahrgastpotenzial sowie die erforderlichen Investitionen untersucht. Am Ende bleiben nach Darstellung des Ministeriums voraussichtlich 15 Strecken übrig, deren Reaktivierung für sinnvoll erachtet wird. Wenn die kommunale Seite sich dann für eine Reaktivierung entscheidet, können Fördermittel vom Land beantragt werden.
  • Zwei Abschnitte der Ablachtalbahn: Neben der Verbindung von Stockach über Meßkirch nach Mengen wird derzeit vom Land auch untersucht, was eine Wiederbelebung der früheren Strecke zwischen Krauchenwies und Sigmaringen bringen könnte. Dort sind allerdings im Gegensatz zum vorher genannten Bereich die Schienen abgebaut worden. (dim)

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