Als 7,99 Euro von einem Konto abgebucht wurden, auf das sie Zugriff hat, stutzte Bettina Braun-Spengler aus dem Stockacher Stadtteil Hoppetenzell. Sie konnte sich an keinen Anlass für die Abbuchung erinnern. Nachfragen ergaben: Ihre vor sieben Jahren verstorbene Mutter sollte ein Computerprogramm gekauft haben. Braun-Spengler ist sich indes sicher, dass es keine Bestellung gab. "Das finde ich wirklich mies", sagt sie. Die Polizei sieht den Anfangsverdacht einer Straftat.

"Ich habe es fast übersehen", sagt Bettina Braun-Spengler über die Abbuchung vom 17. Oktober. Die Firma Portfolio Consult AG, die laut ihrer Internetseite ihren Sitz in Wernau am Neckar hat, hat laut dem Kontoauszug eine Lastschrift in Höhe von 7,99 Euro angemeldet, als Verwendungszweck war eine einmalige Lizenzgebühr für das Computerprogramm Soft Intent genannt. Doch dieses hätten weder sie noch ihre Schwester gekannt, die ebenfalls Zugriff auf das Konto hat, sagt Braun-Spengler. Dieses Erbenkonto habe ihrer Mutter Gerda Braun gehört und laufe weiter auf deren Namen.

Verstorbene Frau soll Computerprogramm gekauft haben

Das Programm namens Soft Intent soll Benutzerkonten auf einem Computer überwachen. Die Portfolio Consult AG und ein Unternehmen namens Intent GmbH, das laut seiner Internetseite seinen Sitz in Nürnberg hat, treten im Internet als Verkäufer dieses Computerprogramms auf. Bettina Braun-Spengler versuchte laut eigenen Angaben mehrfach, die Firma Portfolio Consult zu erreichen. Doch ihre Anrufe seien nicht beantwortet worden. "Da war dann klar, dass etwas nicht stimmen kann", sagt Braun-Spengler.

Wenn man über den Fall recherchiert, stellt man fest, dass Bettina Braun-Spengler offenbar nicht die einzige war, der die Abbuchung von 7,99 Euro seltsam vorkam. Eine Intent GmbH mit Sitz in Aschheim schreibt auf ihrer Internetseite, dass mehr als 100 Anrufe mit Beschwerden eingegangen seien. Das Unternehmen weist darauf hin, dass es mit dem fraglichen Produkt und den Abbuchungen nichts zu tun habe, und verweist an die Intent GmbH mit Sitz in Nürnberg. Auch Medien berichteten.

Die betroffenen Unternehmen weisen Kritik zurück

Was sagen die beiden betroffenen Unternehmen dazu? Steffen Herr, der laut der Webseite der Portfolio Consult AG 100-prozentiger Aktionär und Vorstand ist, weist Betrugsvorwürfe auf Nachfrage zurück. "Bis dato konnten wir jeden Kauf nachweisen", so Herr. Und was ist im Fall von Braun-Spengler schief gelaufen? Auf Nachfrage nennt er Daten von Gerda Braun, die am 15. Oktober die Software online bestellt haben soll.

Dass eine Verstorbene etwas bestellt haben soll, erklärt das Unternehmen in einer nicht persönlich unterzeichneten E-Mail so: "Nach den uns vorliegenden Unterlagen müssen wir in unserem Hause davon ausgehen, dass es sich um Identitätsdiebstahl handelt." Und: "Ein aktiver Betrug hat nicht stattgefunden – nicht bewusst", so Herr in einer früheren Erklärung. Sie würden das Produkt der Firma Soft Intent per Telefon oder Internet vertreiben und dafür Datensätze erhalten. Teilweise würden die von ihnen angerufenen Menschen beim Bestellvorgang falsche Daten nennen.

Steffen Herr verweist darauf, dass unzufriedene Kunden im Zuge eines 60-tägigen Rückgaberechts ihr Geld zurückfordern können. Das Unternehmen sei außerdem zu einer Klärung bereit – wenn ein Fehler passiert sei, müsse der behoben werden. In Bezug auf die fraglichen Buchungen heißt es in der nicht unterzeichneten E-Mail: "Gesamtstatistisch bewegen wir uns jedoch bei den Kundenbeschwerden im Monat Oktober 2018 im Bereich zwischen 1 und 2 Prozent." Zudem werde nicht bestritten, dass im Fall von Bettina Braun-Spengler ein Fehler passiert sei.

Bei der Intent GmbH gibt es keine Erklärung dazu, warum sich Meldungen über fehlerhafte Abbuchungen häufen. In einer ebenfalls nicht unterzeichneten E-Mail wird lediglich auf "aktive Negativmitteilungen im Internet" verwiesen. Das lässt darauf schließen, dass sich die Firma selbst als Opfer sieht. Das Unternehmen könne aber jeden Kauf nachweisen, heißt es in der E-Mail der Intent GmbH weiter.

Polizei spricht von Anfangsverdacht auf eine Straftat

Für das Polizeipräsidium Konstanz besteht laut Pressesprecher Bernd Schmidt der Anfangsverdacht für eine Straftat. Das abbuchende Unternehmen sei dann der erste Ansatzpunkt der Ermittler. Kleinbeträge seien bei Fällen mit Abbuchungen aber eher die Ausnahme. "Die 'Gewinnaussichten' für die Täter dürften hier in der Masse der Tathandlungen zu sehen sein", erklärt Schmidt. Außerdem sei davon auszugehen, dass bei Kleinbeträgen der Schaden eher hingenommen werde. Davon geht auch Bettina Braun-Spengler aus. Es gehe ihr ums Prinzip, sagt sie. Denn wenn diese Vorgehensweise bei 1000 Menschen Erfolg habe, hätte die Firma schon 8000 Euro gewonnen. Auch nach der Rückbuchung des Betrags beschäftigt sie der Vorgang. Sie finde es beunruhigend, dass so etwas funktionieren könne. "Wir haben jetzt noch einmal mehr ein Auge darauf", sagt sie über ihre Kontobewegungen.