Gleichzeitig findet Jung es bewundernswert, „was für eine Haltung Wolfgang Reuther während des Wahlkampfs und nach der Niederlage gezeigt hat“. Doch hier müsse er den Kandidaten korrigieren. Reuther habe eben nicht die Wahl in seiner Heimatstadt verloren, erläutert der in vielen Wahlanalysen erfahrene Bezirksvorsitzende der CDU Südbaden Andreas Jung: „Das Gegenteil ist der Fall, er hat den Trend so gedreht, dass er 3,6 Prozent mehr hat als die Kandidatin der Grünen – das war in Stockach eine Leistung!“ Je größer die Gemeinde, desto größer sei bei dieser Landtagswahl die Wahrscheinlichkeit, dass die Grünen mehr Prozente als die CDU einsammelten. Es sei eben auch in den ländlichen Gebieten so gewesen, das viele sagten: „Wir wollen den Kretschmann wählen.“ Deshalb entgegnet Jung: „Wir haben als Partei auf dem Land verloren, nicht Wolfgang Reuther.“

Jung hat die Ergebnisse der vier CDU-Kandidaten in Südbaden, die über Ausgleichsmandate in den Landtag kommen, mit dem von Reuther verglichen: „Am Ende haben 60 Stimmen gefehlt, dann wäre Wolfgang im Landtag gewesen.“ Vielleicht ein Manko, für das aber Jung Verständnis zeigt: „Er muss nicht auf jedem Bild sein.“ Reuther sei nicht einer, „der sich in Vordergrund drängt.“

Jung verhehlt nicht eine gewisse Bitterkeit, dass es ausgerechnet Reuther bei dieser Landtagswahl traf: „Wir waren ein gutes Team, wir haben für den Landkreis Konstanz gut zusammengearbeitet.“ Deshalb lässt Andreas Jung nicht gelten, was Wolfgang Reuther am Wahlabend über sich gesagt hat, der CDU-Bezirksvorsitzende widerspricht seinem Kandidaten: „Er hätte nicht mehr machen können.“