Der größte Stockacher Arbeitgeber, die Eto Gruppe, ist weiter auf Expansionskurs. Neben dem derzeitigen Firmengelände im Industriegebiet Hardt baut das Unternehmen, das hauptsächlich der Automobilbranche zuliefert, ein neues Gebäude. Investitionsvolumen: 6,5 Millionen Euro. Entstehen soll an dieser Stelle ein Technikzentrum. Darin werden etwa 180 Arbeitsplätze unterkommen, sagt Eto-Geschäftsführer Michael Schwabe auf Anfrage. Diese ziehen hauptsächlich aus bestehenden Gebäuden um und machen dort Platz, damit sich die Produktion ausdehnen kann. 

Warum das bei Eto geht, in einer Zeit, in der aus der Autozuliefer-Branche eher Krisenmeldungen kommen, erklärt Schwabe mit drei Trends: Verbrennungsmotoren sollen sparsamer laufen, mehr Sicherheit ist gefragt und es gibt weniger Dieselfahrzeuge. „Diese drei Faktoren spielen uns in die Karten“, sagt Schwabe. Denn in allen drei Bereichen sei Eto stark und in allen drei Bereichen würden die Anforderungen an Fahrzeuge weltweit strenger. So sei Spritspartechnik von Eto mittlerweile in allen VW-Marken enthalten und der amerikanische Autoriese General Motors wolle diese einführen.

„Wir wollen das Wachstum nutzen, um mehr Fachleute einzustellen.“ Michael Schwabe, Geschäftsführer der Eto Gruppe
„Wir wollen das Wachstum nutzen, um mehr Fachleute einzustellen.“ Michael Schwabe, Geschäftsführer der Eto Gruppe | Bild: Freißmann, Stephan

Eine Voraussetzung dafür sei die Präsenz des Unternehmens vor Ort, so Schwabes Erklärung. Dafür habe man vor eineinhalb Jahren massiv investiert, mit Werken in China, den USA und Mexiko. Der Trick bei der Spritspartechnik besteht darin, dass die Ventile für die Luftzufuhr in den Motor unterschiedlich gesteuert werden, je nachdem, ob gerade viel oder wenig Leistung gebraucht wird. Nockenwellen-Ventilhub-Versteller heißt das in der Fachsprache. In vielen Ländern würden die Grenzwerte für den CO2-Ausstoß verschärft, sagt der Geschäftsführer: „Das schiebt Eto mächtig an.“

Das könnte Sie auch interessieren

Auch Sicherheitssysteme in Lastwagen, etwa zum Schutz vor Schleudern oder Umkippen, würden weltweit immer mehr zur Pflicht, sagt Schwabe. Darin sei überwiegend Eto-Technik eingebaut. Das Unternehmen ist auf elektromagnetische Ventile, Sensoren und Aktoren spezialisiert. Schließlich gebe es noch den Sondereffekt, dass die Stockacher Technik eher in Otto- als in Diesel-Motoren zum Einsatz komme. Und durch die Diesel-Krise werden Otto-Motoren stärker nachgefragt.

Und was passiert nun im neuen Gebäude? Dort soll eine Lehrwerkstatt für die Ausbildung, Büroflächen für die Entwicklung und Platz für den Betriebsmittelbau entstehen, teilt das Unternehmen in einer Pressemeldung zum Neubau mit. Unter Betriebsmittelbau ist zu verstehen, dass das Unternehmen seine Produktionsstraßen aus gekauften und selbst produzierten Komponenten zusammenstellt, erklärt Geschäftsführer Schwabe. Solche Produktionsstraßen werden auch an Eto-Werke weltweit geliefert (siehe Text unten). Der Eigenanteil an diesen Entwicklungen biete auch einen gewissen Schutz vor Nachbauten.

Das könnte Sie auch interessieren

Dass es bei Eto derzeit so gut läuft, bezeichnet Michael Schwabe im Gespräch als privilegierte Situation. Der größte Teil des Gewinns könne wieder ins Unternehmen fließen, da dieses größtenteils der Christa und Hermann Laur-Stiftung gehöre. Das Wachstum wolle man nutzen, um mehr Fachleute einzustellen. Ziel: Auch auf alternative Antriebstechniken und autonomes Fahren vorbereitet sein, wenn diese Trends einmal massenwirksam werden. Noch wisse aber niemand so richtig, was kommt, Brennstoffzelle, Wasserstoffantrieb, sauberer Diesel, oder doch Batteriebetrieb, sagt Schwabe. Auch die Impulse der Politik seien noch unklar.

Ein Punkt in der näheren Zukunft zeichnet sich allerdings schon ab: Ab dem nächsten Jahr dürfte ZF Friedrichshafen zu den größten Kunden bei Eto gehören, erzählt Schwabe. Denn ZF bereitet derzeit die Übernahme von Wabco vor. Für dieses Unternehmen wiederum sei Eto der größte Lieferant.

Das könnte Sie auch interessieren