Auch wenn es der bundesweite Trend eher nicht vermuten lässt: Es gibt Neumitglieder bei der SPD. In Stockach zum Beispiel Alexandra Schwab-Strauß. Die 35 Jahre alte Mutter von drei Kindern hat bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Stadtverbands vom Vorsitzenden Klaus Delisle das Parteibuch erhalten. Gleichzeitig wurde sie einstimmig auf Platz drei der Liste für die Kommunalwahl gesetzt.

Von Beruf sei sie Heilerziehungspflegerin, erzählt Schwab-Strauß, habe zuletzt aber ein Studium aufgesattelt. Und warum die SPD? "Ich finde den Anspruch, sozial gerecht zu sein, sehr gut", sagt sie. Es reize sie, in eine Partei zu kommen, die sich neu formieren muss. Und: "Es ist mir sehr wichtig, dass junge Frauen aktiv für Deutschland und die Gesellschaft werden."

Doch Delisle hatte noch mehr zu vermelden. Mit 24 Kandidaten stünden für die SPD so viele Menschen wie noch nie bei einer Stockacher Kommunalwahl zur Verfügung, sagte er bei der Nominierungsversammlung. 26 Plätze im Gemeinderat sind zu vergeben, was auch die Höchstzahl für die Kandidaten einer Partei ist.

Alexandra Schwab-Strauß, hier mit Sohn Felix, nimmt von Klaus Delisle, dem Vorsitzenden des Stadtverbands, ihr Parteibuch entgegen. Zum 1. Februar ist sie in die SPD eingetreten.
Alexandra Schwab-Strauß, hier mit Sohn Felix, nimmt von Klaus Delisle, dem Vorsitzenden des Stadtverbands, ihr Parteibuch entgegen. Zum 1. Februar ist sie in die SPD eingetreten. | Bild: Freißmann, Stephan

Nur in der Kernstadt Stockach fehle ein Kandidat und in Raithaslach und Espasingen habe er niemanden gefunden, sagt Delisle. Dafür stehe in Zizenhausen sogar ein Kandidat mehr zur Verfügung, als für den Wohnbezirk gewählt werden kann. Vier der fünf bisherigen Mandatsträger treten wieder an, nur Roland Hübler steht nicht mehr für den Rat zur Verfügung.

Auf dieser voll besetzten Liste gibt es noch andere Personalien, die für Gesprächsstoff sorgen dürften. Die von Bernhard "Barni" Deufel zum Beispiel. Der 63-Jährige, der als Physiotherapeut in Stockach arbeitet, ist bislang noch nicht politisch engagiert gewesen – "leider", wie er hinterher schiebt. Politisch ist er dennoch durch die Familie vorbelastet. Sein Vater Alois Deufel war der erste Nachkriegsbürgermeister in Stockach, mehrere Verwandte waren ebenfalls politisch aktiv. Deufel ist jetzt ein später Erstkandidat. Ihn bewege hauptsächlich das Thema Oberstadt, in der es abwärts gehe, erzählt er. Und seine Chancen? Auch wenn er in der Stadt sehr bekannt sei: "Was dabei rauskommt, weiß ich nicht."

Jüngster Kandidat auf der SPD-Liste ist mit Zvonimir Ladan ein EU-Bürger, der die kroatische Staatsbürgerschaft besitzt. Seit drei Jahren sei er schon bei der SPD und in deren Jugendorganisation, den Jusos, berichtet er in der Versammlung. In der Überlinger Stadtverwaltung arbeite er im Sachgebiet Integration. Und im Stockacher Gemeinderat würde er sich besonders für den sozialen Wohnungsbau einsetzen.

Der jüngste Kandidat auf der Liste hat einen serbischen Pass

Ebenfalls eine Perspektive mit dem Blick von außen bringt Stefan Gänzle mit. Er lebt mit seiner Familie in Stockach und arbeitet als Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Kristiansand in Norwegen, wohin er regelmäßig pendelt. Was bewegt ihn für die Kommunalpolitik? "Norwegen ist ein sehr familienfreundliches Land. Davon könnte man sich hier eine Scheibe abschneiden", sagt er.

Die Wahlliste seiner Partei bezeichnete Delisle als "sehr gute Mischung" aus Jugend und Erfahrung sowie aus Frauen und Männern. Und er gab das Ziel aus, die derzeit fünf Sitze im Gemeinderat zu halten und möglichst noch einen dazuzugewinnen.