Punkt Mitternacht vor 20 Jahren war es soweit: Die Geldautomaten gaben ab dem 1. Januar 2002 die ersten Euro-Scheine aus. Die Starter-Kits mit Münzen gab es bereits zwei Wochen vorher und sie waren in den Stockacher Bankfilialen heiß begehrt. „Die Automaten wurden vom Rechenzentrum so programmiert, dass die an Silvester bis Mitternacht D-Mark ausgegeben haben und dann nach 0 Uhr Euro“, erklärt Bankbetriebswirt Gerhard Seeberger von der Volksbank Überlingen-Stockach. Allerdings hätten die Stockacher zunächst kleine Beträge und kleine Scheine erhalten, damit der Handel nicht so viel Wechselgeld brauchte.

Die Volksbank hatte beide Filialen an Neujahr geöffnet, erzählt Seeberger: „Die Kunden standen stundenlang Schlange.“ Eigentlich sei von 10 bis 14 Uhr offen gewesen, doch die Angestellten an den Kassen hätten die Leute so lange bedient, bis alle weg gewesen sei. Seeberger habe damals an Neujahr die Kollegen als Ansprechpartner unterstützt. Mit der Währungsumstellung habe er aber vor allem durch Fragen der Firmenkunden zum Thema Kontenumstellung oder Ähnlichem zu tun gehabt.

Sabine Lohr, Individualkundenberaterin bei der Sparkasse in Stockach, berichtet von Neujahrstag 2002 ebenfalls, die Filialen seien geöffnet gewesen. „Zu Jahresbeginn war und ist auf unseren Geschäftsstellen stets eine höhere Frequenz zu verzeichnen, jedoch waren die Schlangen zum Jahresbeginn 2002 spürbar länger“, sagt sie.

Abschied von der D-Mark. Links ist ein Euro-Starter-Kit zu sehen.
Abschied von der D-Mark. Links ist ein Euro-Starter-Kit zu sehen. | Bild: Löffler, Ramona

Das Geld war schon früher in der Bank

Die Vorbereitungen auf die Euro-Umstellung hätten sehr früh begonnen, so Seeberger. Es habe das ganze Jahr 2001 über Arbeitskreise und Infoveranstaltungen gegeben. Das neue Geld sei dann drei Monate vor dem Jahreswechsel 2001/02 in die Bankfilialen geliefert worden, erzählt Seeberger. Deshalb habe man extra Raum im Tresor freihalten und die Versicherungssummen entsprechend erhöhen müssen. „Wir durften zwei Monate vor Silvester die Münzen an den Handel herausgeben“, sagt er. Allerdings hätten sich alle Firmen schriftlich dazu verpflichten müssen, das neue Geld nicht vor dem 1. Januar 2002 einzusetzen.

Sabine Lohr erinnert sich in Bezug auf die Herausforderungen, dass auf den Geschäftsstellen zwei Kassen geführt werden mussten – eine für die Deutsche Mark und eine für den Euro. „Gleichzeitig stellte sicherlich auch die Lagerung der Doppelbestände an Bargeld eine besondere Herausforderung dar.“

Erste Münzen gab es im Starter-Kit

Die Privatkunden hätten ab dem 15. Dezember 2001 die Möglichkeit gehabt, die Euro-Starter-Kits zu holen. In einem solchen Tütchen befanden sich 10,23 Euro, die es für 20 D-Mark gab. Das Interesse an diesen Kits sei sehr hoch gewesen, so Seeberger. Das erzählt auch Sabine Lohr. Sie ergänzt, dass sich in diesem Kit 20 Münzen befunden hätten, die dem Wert von 10,23 Euro entsprochen hätten. Von diesen Starterkits seien seinerzeit in Deutschland rund 53 Millionen Exemplare ausgegeben worden.

Sabine Lohr erläutert, dass die Vorbereitungen auf die Währungsumstellung mit viel Arbeit verbunden gewesen seien. Die Einführung des Euros sei für alle Beteiligten sehr aufregend gewesen. „Das Interesse aus der Bevölkerung war sehr groß, sodass bereits vor der offiziellen Umstellung des Bargeldes nach den neuen Scheinen und Münzen gefragt wurde“, sagt sie. Sogar zum 1. Januar 1999 sei der Euro bereits als Buchgeld eingeführt worden: „Mit diesem Tag konnten folglich die Konten in Euro geführt werden, Wertpapiere notierten sodann ebenfalls in der europäischen Gemeinschaftswährung.“ So hätten sich Privatpersonen, aber auch die wirtschaftlichen Akteure auf die neue Währung einstimmen.

Die spätere Anlieferung der Euro-Scheine und -Münzen sei unter strengster Geheimhaltung verlaufen. Sie erinnert sich noch gut, dass ab dem 1. Januar das Interesse an den neuen Scheinen und an bestimmten Münzen groß gewesen sei. „Insbesondere waren hier Münzen ausländischer Prägung interessant und stellten anfangs eine wirkliche Rarität dar“, erzählt sie.

D-Mark-Münzen und ein Schein.
D-Mark-Münzen und ein Schein. | Bild: Löffler, Ramona

Und was passierte mit der D-Mark?

Die Kunden konnten die D-Mark in Euro umtauschen. Selbst heute komme ab und an noch jemand mit der alten Währung. Aber das komme bei der Volksbank höchstens noch vier bis sechs Mal im Jahr vor, sagt Seeberger. Manchmal fänden die Leute noch etwas in den Häusern, vor allem nach Erbfällen. Kunden hätten teilweise noch die Möglichkeit, kostenfrei D-Mark umzutauschen, aber gefundene Münzen würden meist in Spendendosen wandern. Bei der Filiale der Landeszentralbank in Villingen sei es noch möglich alles, egal ob Scheine oder Münzen, in Euro umzutauschen.

Auch Sabine Lohr kann bestätigen: „Noch heute kommen hin und wieder Kundinnen und Kunden zu uns, die Deutsche Mark in Euro umtauschen möchten.“ Dies geschehe bei der Sparkasse zwei bis drei Mal im Monat, aber es sei weniger geworden als in den ersten Jahren nach der Währungsumstellung. „Nach Schätzungen der Bundesbank sind nach wie vor circa zwölf Milliarden D-Mark im Umlauf“, erklärt Sabine Lohr. „Einen Umtausch der Währungen bieten wir mittlerweile nur noch für unsere Kunden an. DM-Scheine tauschen wir direkt vor Ort, Münzen reichen wir bei der Bundesbank ein.“

Eine D-Mark
Eine D-Mark | Bild: Löffler, Ramona

Rückblickend sagt Gerhard Seeberger, der auch mit derzeitigen und früheren Kollegen über die Währungsumstellung vor 20 Jahren gesprochen hat, dass die Inflation mit dem Euro sich auf gleichem Niveau wie mit der D-Mark bewege. Befürchtungen einer Steigerung seien daher nicht eingetroffen. Die Umstellung sei damals besser gelaufen, als gedacht.

Es sei nur sehr viel Zusatzarbeit für die Kassenmitarbeiter gewesen, da es viel Abstimmung gebraucht habe, es zwei Kassenbestände gleichzeitig gegeben habe und viel der alten Währung weggeschickt werden haben müsse. Viele Firmen hätten später auch Münzen zurückgebracht, die sie doch nicht als Wechselgeld gebraucht hätten.

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  • Ramona Löffler: Zum Jahreswechsel 2001/02 waren ein paar Freunde bei mir zu Gast, die schon unglaublich aufgeregt waren und schnellstmöglich die neue Euro-Scheinen sehen und im Geldbeutel haben wollten. Nach dem Feuerwerk herrschte daher relativ bald Aufbruchsstimmung zum nächsten Geldautomaten. Ohne mich allerdings. Mir reichte der nächste Morgen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits ein Euro-Starter-Kit mit Münzen. Das habe ich heute immer noch originalverpackt als Erinnerung. 10,23 Euro befinden sind darin, was 20 D-Mark entsprach. Und einen 20er-Schein sowie einige DM-Münzen habe ich auch noch. Die Münzen waren geplant, der Schein dagegen Zufall, weil ihn meine inzwischen verstorbene Oma Jahre später zufällig gefunden und mir geschenkt hat. Ab und zu habe ich ausländische Euro-Münzen aufbewahrt, die ich schön oder ungewöhnlich fand – bis heute.
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