Frau Veit, Herr Steinmann, ist es eigentlich ein Grund zum Feiern, wenn man seit 20 Jahren einen Krankenhausförderverein braucht?

Steinmann: Das ist eine sehr grundsätzliche Frage. Natürlich ist es schon bedenklich, dass genau in Bereichen wie Krankenversorgung, Altenpflege oder Schulen in einem so reichen Land wie unserem eine teilweise dramatische Unterfinanzierung herrscht. Dabei muss man die Kritik aber differenzieren: Denn die Aufgabe, Krankenhäuser zu finanzieren, obliegt eigentlich Bund, Land und Krankenkassen. Ohne die Hilfe der Kommune hingegen könnte das Haus nicht überleben. Aber auch wenn ausreichend Geld für alle medizinisch sinnvollen Anschaffungen fließen würde, ergibt ein Förderverein trotzdem Sinn. Zum Einen kann er finanzieren, was dann weiterhin nicht gehen würde. Zum Anderen können die Menschen vor Ort durch ihre Mitgliedschaft ein Signal aussenden.

Veit: Das sehen wir auch in den Umlandgemeinden. Das Krankenhaus Stockach wird für die Versorgung des ländlichen Raums dringend gebraucht. Die Menschen im Verwaltungsraum nehmen das Stockacher Haus gut an und viele sind auch im Förderverein Mitglied.

Von woher kommen die Mitglieder?

Steinmann: Unsere Mitglieder kommen hauptsächlich aus Stockach und dem nahen Umfeld. Aber wir haben auch beispielsweise Leute aus Berlin. Die überregionalen Mitglieder sind häufig Menschen, die von Stockach weggezogen sind, aber weiter im Verein bleiben. Und es gibt Patienten, die hier behandelt wurden. Die Gelenkchirurgie hat einen relativ weiten Einzugsbereich. Manch ein Patient, der mit der Behandlung zufrieden war, tritt dann spontan dem Förderverein bei.

Was waren bisher die größten Projekte?

Steinmann: Das war der Bau der zweiten Patientenaufnahme. Dabei ist der Verein erstmalig in seiner Geschichte selbst als Bauherr aufgetreten. Große Projekte waren auch die Renovierung der Fassade und die Anschaffung einer neuen Beleuchtungsanlage für den alten Operationssaal.

Veit: Auch die jetzige Einrichtung der Zimmer mit ihren bequemen Stühlen und freundlichen Farben haben wir besorgt.

Steinmann: Bei jedem Einzelprojekt geben wir leicht fünfstellige Beträge aus, seit Bestehen hat der Verein etwa 700 000 Euro investiert. Und nicht vergessen sollte man ein früheres Projekt. Mein Vorgänger als Vorsitzender, Franz Ziwey, hat durch seine guten Kontakte die Firma Eto davon überzeugt, einen Computertomografen für das Krankenhaus zu sponsorn.

Welche Rolle spielt das Sponsoring denn für den Krankenhausförderverein?

Steinmann: Wir sind in der privilegierten Position, beachtliches Sponsoring zu bekommen – obwohl Sponsoring für Vereine insgesamt rückläufig ist. Das erkläre ich mir dadurch, dass Unternehmen es wichtig finden, dass für ihre Mitarbeiter ein Krankenhaus in der Nähe ist – es könnte ja etwas passieren, und das durchaus auch bei der Arbeit. Und Unternehmen geben ihr Geld am liebsten dahin, wo sie breite Bevölkerungsschichten erreichen – und die sind bei uns vertreten.

Wer sind denn Ihre Mitglieder? Man würde in einem Verein, der sich mit einem Krankenhaus beschäftigt, ja hauptsächlich die Generation 60 plus erwarten.

Steinmann: Das wandelt sich. Als ich im Amt angefangen habe, waren es wirklich eher ältere Leute, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man auf ein Krankenhaus angewiesen ist, steigt mit zunehmendem Alter natürlich. Doch in der letzten Zeit kommen auch viele Familien mit kleinen Kindern, die auch wissen, dass ihrem Nachwuchs etwas passieren kann und dass sie durch ein Krankenhaus auch außerhalb von Praxissprechzeiten versorgt sind. Inzwischen erreichen wir also alle Altersgruppen.

Veit: Dass man die Mitgliedschaft online abschließen kann, tut da sicher ein Übriges.

Der Krankenhausförderverein ist der größte Verein in Stockach. Was motiviert diese vielen Menschen?

Steinmann: Ein Faktor ist sicher, dass in Stockach ein kleines Krankenhaus steht. Die Bürger wissen natürlich, dass kleinere Häuser von der Schließung bedroht sind, auch in der Region haben wir das gesehen. Das dürfte manch einen motivieren, das Krankenhaus zu unterstützen. Und wir sind auch stolz auf unsere Größe. Wenn der Mitgliederzuwachs weitergeht wie bisher, dürften wir nächstes Jahr größer sein als die Fördervereine in Singen, Radolfzell und Konstanz zusammen.

In was möchten Sie nun investieren?

Steinmann: Dazu möchte ich noch nichts verraten. Das soll ein Überraschungspunkt bei der Feier am nächsten Mittwoch werden.

Aber ein bisschen was zum Programm können Sie schon erzählen?

Steinmann: Es wird natürlich Musik geben, Ehrungen und Ansprachen. Aber wir wollen mit der Feier auch zeigen, dass wir kein Verein wie jeder andere sind. Es wird einige Überraschungen geben. Und natürlich sind alle Mitglieder und interessierten Bürger eingeladen.

Was steht auf Ihrer Wunschliste für die Zukunft?

Veit: Das sage ich als Einwohnerin von Hohenfels und Vertreterin des ländlichen Raumes: viele Mitglieder und Sponsoren aus der ganzen Region, nicht nur aus Stockach.

Personen, Veranstaltung, Serie

  • Personen: Hubert Steinmann, 66, ist seit 2011 Vorsitzender des Krankenhaus-Fördervereins und war schon davor im Verein aktiv. Damals war er für die Mitgliederwerbung zuständig. Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Söhnen stammt aus einer alten Stockacher Familie und hat bis zu seinem Ruhestand eine Versicherungsagentur betrieben. Ingrid Veit, 61, ist Beisitzerin im Verein. Sie lebt seit 30 Jahren in Hohenfels, wo ihr Ehemann Hans Veit Bürgermeister war, und ist vielfältig ehrenamtlich engagiert. Das Ehepaar hat eine Tochter. Zum Vorstand gehören außerdem Werner Gaiser (zweiter Vorsitzender), Gudrun Stolz (Schatzmeisterin), Siegfried Bühler (Schriftführer), Walter Knoll und Astrid Funk (beide Beisitzer).
  • Veranstaltung: Die Feier zum 20-jährigen Bestehen des Krankenhausfördervereins findet am Mittwoch, 19. September, um 19 Uhr im Bürgerhaus Adler Post statt. Die Veranstalter stellen ein launiges Programm mit Nachdenklichem und Bemerkenswertem sowie einigen Überraschungen in Aussicht. Im Anschluss wird es auch kleine Speisen und Getränke geben. Der Eintritt ist frei.
  • Serie: Der rote Tisch steht im Besprechungsraum der Stockacher SÜDKURIER-Redaktion. Mithilfe eines roten Tischtuchs kann er wie in diesem Fall auch außer Haus gebracht werden. Wer selbst dort Platz nehmen will, kann sich melden unter: stockach.redaktion@suedkurier.de oder (0 77 71) 93 02 68 42.