Das Baumer Technologiezentrum in Stockach ist die größte Unternehmensansiedlung der vergangenen Jahre im Kreis Konstanz. Und allmählich wird auch plastisch, was in dem charakteristischen Neubau des Frauenfelder Unternehmens im Gewerbegebiet Blumhof, in Sichtweite der Bundesstraße 31, passiert. Die Firma, die Sensoren für die verschiedensten Anlagen von Maschinen über Fertigungsstraßen bis zu Windrädern und Zügen herstellt, hat inzwischen knapp 100 Mitarbeiter in Stockach.

Gearbeitet wird bereits im Logistik-Zentrum, das den Warenumschlag für alle europäischen Werke von Baumer übernimmt. Im Gegensatz zu früher, als jedes Werk seine eigene Logistik hatte, kommen nun ab 4 Uhr morgens die Lastwagen mit den Lieferungen aus den Werken in Stockach an, erläuterte Logistik-Chef Steffen Lobert bei einem Unternehmensbesuch von Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz, Landrat Frank Hämmerle und Thorsten Leupold, Leiter der Wirtschaftsförderung des Kreises und Geschäftsführer der Bodensee Standort-Marketing GmbH. Da fahren dann kleine Roboter auf einem großen Würfel herum, der nur aus vielen Schichten stapelbarer Kisten zu bestehen scheint, und fischen zielsicher die Kiste mit den gerade gewünschten Artikeln heraus. Etwa 26 000 davon biete die Baumer-Gruppe an, kleine Produkte, die nicht viel Fläche brauchen, so Unternehmenschef Oliver Vietze.

Tessen von Glasow von der Firma Baumer (links) erläutert dem Konstanzer Landrat Frank Hämmerle (2. von rechts) und Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz (rechts) die Leiterplattenbestückung. Im Hintergrund Thorsten Leupold (2. von links) vom Landratsamt und Baumer-Chef Oliver Vietze.
Tessen von Glasow von der Firma Baumer (links) erläutert dem Konstanzer Landrat Frank Hämmerle (2. von rechts) und Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz (rechts) die Leiterplattenbestückung. Im Hintergrund Thorsten Leupold (2. von links) vom Landratsamt und Baumer-Chef Oliver Vietze. | Bild: Freißmann, Stephan

Auch in der Leiterplattenbestückung läuft die Arbeit bereits. Zehn Produkte würden derzeit in Stockach hergestellt, erklärte Tessen von Glasow, Leiter Kompetenz Center Elektronik. Mit einer Kamera werde überprüft, ob alle Bauteile an der richtigen Stelle der Leiterplatte sitzen. Beim Firmenrundgang zeigt sich: Viele Bauelemente sind inzwischen so klein, dass die Mitarbeiter mit Mikroskopen zu Werk gehen müssen. Die sehr kleinen Bauteile haben ihre Tücken, wie Oliver Vietze erläuterte. Denn es könnte passieren, dass ein Sensor nicht richtig funktioniert, wenn ein falsches Mini-Bauteil eingebaut ist – mit teuren Folgen, wenn es etwa zu einer Rückrufaktion eines fertigen Produktes kommen sollte. Daher werde an dieser Stelle im Unternehmen extrem viel kontrolliert und überprüft.

Vergleichsweise unspektakulär nahm sich dagegen die Entwicklungsabteilung aus, in der Ingenieure an neuen Produkten tüfteln. Sie arbeiten an Computern in Großraumbüros und seien aus dem ganzen Bundesland nach Stockach gekommen, so Vietze. Doch er macht auch keinen Hehl daraus, dass der Fachkräftemangel sich bei seinem Unternehmen bemerkbar macht. In manchen Bereichen sei es ein Problem, Fachkräfte zu finden, so Vietze. Und noch in einem weiteren Punkt gab er Einblick ins Seelenleben eines Unternehmenslenkers, nämlich was das Verhältnis zu Asien angeht. Der Kontinent werde als Markt immer wichtiger, allerdings würden dort auch Konkurrenten wachsen – so lassen sich seine Aussagen zusammenfassen. Und bei manchen Maschinen kommen Unternehmen nicht um asiatische Hersteller herum.

Was sagt nun Landrat Frank Hämmerle dazu, der gewissermaßen auf Informationsbesuch in Stockach war? "Ich bin richtig begeistert", sagte er und zollte Lob für die vielen Arbeitsplätze, die im Blumhof entstanden sind.