Es glich einem flammenden Appell, den die Landwirte in der Region an Tobias Herrmann, Landtagskandidat der CDU für den Wahlkreis Singen/Stockach, und den Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk (CDU), bei einer Stippvisite in Richtung Landespolitik äußerten. „Wir sollten schauen, dass uns familienbetriebene Betriebe auch weiterhin erhalten bleiben und nicht über kurz oder lang aussterben“, sagte Arnold Forster von der Reitsportanlage Forster. Tobias Herrmann hatte auf die Anlage in Steißlingen geladen, um sich gemeinsam mit Minister Hauk über die Sorgen und Ängste, aber auch die Wünsche der Landwirte in der Region zu informieren.

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Forster nutzte dies und richtete klare Worte an Hauk und Herrmann: „Uns steht das Wasser zum Teil schon bis zum Hals.“ Die anhaltende Corona-Pandemie hätte diesen Umstand nur noch weiter verschärft. Forster kritisierte vor allem die scharfen Vorgaben der Politik in Baden-Württemberg. In anderen Bundesländern würden diese wesentlich sanfter ausfallen. „Warum müssen wir in Baden-Württemberg immer Vorreiter sein. Auf Dauer können wir so im Wettbewerb nicht bestehen“, so Forster weiter.

Vorgaben für Landwirte sind zu hoch

Gleich mehrere Landwirte aus der näheren Umgebung nutzen die Möglichkeit, um mit den CDU-Politikern ins Gespräch zu kommen. Einer von ihnen ist Yannick Laibach, der drei Ställe für Putenmast mit rund 20.000 Tieren betreibt. Er pflichtete seinem Vorredner bei. Sein Kritikpunkt ähnelte dem von Arnold Forster: Die Hürden für artgerechte Tierhaltung seien zu hoch. „Wir versuchen alles, damit wir die Vorgaben erfüllen, schaffen es aber nicht. Ich frage mich dann aber schon, wie es sein kann, dass Kühltheken in den Supermärkten voll von Fleisch ist, das aus einer tiergerechten Haltung stammt für einen Spottpreis“, sagte er. Auch Christian Schlosser, der eine Ferkelzucht in Steißlingen-Wiechs betreibt, sieht das ähnlich. Die Hürden der Politik würden dazu beitragen, dass familienbetriebene Höfe nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können. „Wer sich an die Vorgaben hält, sollte auch entsprechend vergütet werden“, forderte er.

Mut von den CDU-Politikern

CDU-Landtagskandidat Tobias Herrmann machte den Landwirten bei seinem Besuch Mut. „Natur- und Umweltschutz sind notwendig, das steht außer Frage. Doch entsprechende Maßnahmen oder Vorgaben dürfen nicht dafür sorgen, dass die Existenz unserer Landwirte gefährdet ist“, machte er deutlich. Wenn man als Endverbraucher heimische Produkte auf dem Teller haben wolle, müssten Berufe in der Landwirtschaft wieder aufgewertet werden. Dafür wolle Herrmann wieder auf einen stärkeren Austausch zwischen Landespolitik und Landwirten setzen. „Wir müssen hier aktiv werden, sonst haben wir in 30 Jahren nur noch Riesenhöfe und keine familiengeführten mehr“, machte Herrmann deutlich.

Angeregte Diskussion: Arnold Forster spricht mit Minister Peter Hauk.
Angeregte Diskussion: Arnold Forster spricht mit Minister Peter Hauk. | Bild: Matthias Güntert

Minister Peter Hauk setzt bei der Stärkung der Landwirtschaft auf ein Pfund, mit dem alle Landwirte in Baden-Württemberg punkten können: die Regionalität. „Immer mehr Menschen legen bei der Auswahl ihrer Lebensmittel Wert auf Regionalität und Qualität und sie interessieren sich immer öfter dafür, wo die Dinge herkommen, die sie essen und trinken“, sagte er. Aber Hauk hob auch hervor, dass die Standards für die Landwirtschaft nicht immer weiter hochgefahren werden dürfen. „Wir müssen die Regionalität wieder stärken, sodass es für unsere Landwirte wieder möglich ist, bessere Preise zu erzielen“, betonte er.

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Herrmann ergänzte, dass immer mehr Verbraucher Kriterien wie umweltschonende Produktion und artgerechte Tierhaltung in ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen wollen. Auch Tobias Herrmann gab dem Minister Recht: „Regionalität muss wieder das Gütesiegel unserer Landwirtschaft werden.“ Dabei meinte Herrmann nicht unbedingt die Landwirte selbst, sondern richtete diesen Appell an die Endverbraucher. „Die Produkte, die günstiger sind, erfüllen die Standards der Regionalität nicht“, so Herrmann. Als Gymnasiallehrer könnte sich Herrmann eine frühere Bildung in diesem Bereich vorstellen. „Vielleicht müssen wir den Bezug zu unseren tollen regionalen Produkten durch frühere Bildungsansätze zurück in unser Bewusstsein bringen“, sagte er.