Bürgermeister Benjamin Mors hat den Klimawandel fest im Blick. Maßnahmen für den maßvollen Umgang mit Ressourcen werden in Steißlingen darum großgeschrieben und gefördert. Grob lassen sich zwei Themenfelder finden, die Steißlingen 2020 bewegten und gleichzeitig dem Klimawandel entgegensteuern sollen. Da sind der Verkehr und die Energiegewinnung.

Windenergie ist in Steißlingen kein großes Thema mehr. Die Gemeindewerke beteiligen sich an Windkraftprojekten, doch um den Kirnberg ist es ruhig geworden. Die Nutzung solarer Energie ist dagegen vorangetrieben worden. Seit Mai speist der Solarpark regenerative Energie ins Netz ein. Auf der renaturierten Fläche eines ehemaligen Kiesabbaugebiets wird ein wichtiger Beitrag zur Befriedigung des steigenden Energiehungers der Gesellschaft geleistet. Der Solarpark ist die größte Solaranlage auf Steißlinger Gebiet, doch es gibt sowohl auf kommunalen als auch gewerblichen und privaten Gebäuden über 240 weitere Solaranlagen. Die Gemeindewerke Steißlingen bieten ihren Kunden zudem 100 Prozent Ökostrom an.

Der Solarpark passt gut in die Entwicklung Steißlingens. Johannes Riederer (links) kennt sich bei den elektrischen Anlagen des Solarparks bestens aus. Hier erklärt er Schülern die Technik, warnt eindrücklich vor ihren Gefahren und begeistert für ihre Möglichkeiten.
Der Solarpark passt gut in die Entwicklung Steißlingens. Johannes Riederer (links) kennt sich bei den elektrischen Anlagen des Solarparks bestens aus. Hier erklärt er Schülern die Technik, warnt eindrücklich vor ihren Gefahren und begeistert für ihre Möglichkeiten. | Bild: Susanne Schön

Der Kiesabbau beschäftigte Verwaltung und Gemeinderat auch immer wieder. Der Kiesabbau trägt wesentlich zum Wohlstand von Steißlingen bei. Manch einer kennt den Ort sogar unter dem Namen Kieslingen. Doch setzt sich Steißlingen für den maßvollen Umgang mit dieser Ressource ein und fordert darum, die Abbaumöglichkeiten im Flächennutzungsplan zu belassen.

2020 zog der Steißlinger Gemeinderat öfter um. Hier tagt er in der Fahrzeughalle der Feuerwehr. Sitzungen fanden anfangs im Sitzungssaal statt, dann ging es in den Tagungsraum der Gerätehauses und zum Jahresende in die Seeblickhalle.
2020 zog der Steißlinger Gemeinderat öfter um. Hier tagt er in der Fahrzeughalle der Feuerwehr. Sitzungen fanden anfangs im Sitzungssaal statt, dann ging es in den Tagungsraum der Gerätehauses und zum Jahresende in die Seeblickhalle. | Bild: Susanne Schön

Die zweite Stellschraube, an der mit Blick auf den Klimawandel in Steißlingen gedreht wird, ist der Verkehr. So wurde der Radverkehr für Verkehrsteilnehmer attraktiver gemacht. Bereits im Januar konnte der Radweg ins Gewerbegebiet eröffnet werden. Für den Anschluss nach Singen gibt es auch schon Pläne. Das Leasingangebot für Fahrräder erfreut sich unter den kommunalen Mitarbeitern größter Beliebtheit. „Jedes Auto, welches so stehen bleibt oder erst gar nicht angeschafft wird, entlastet den innerörtlichen Verkehr“, blickt Bürgermeister Benjamin Mors in die Zukunft.

Gemeinderat Hubert Wehinger, Bürgermeister Benjamin Mor und Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger lassen sich Ende Januar 2020 von Stefan Kemp (Leiter Kommunale Beziehungen der Netze BW im Raum Heuberg-Bodensee) und Stephan Einsiedler (Netze BW Kommunalberater, von links) die Möglichkeiten der neuen Ladestation für Elektromobile erklären.
Gemeinderat Hubert Wehinger, Bürgermeister Benjamin Mor und Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger lassen sich Ende Januar 2020 von Stefan Kemp (Leiter Kommunale Beziehungen der Netze BW im Raum Heuberg-Bodensee) und Stephan Einsiedler (Netze BW Kommunalberater, von links) die Möglichkeiten der neuen Ladestation für Elektromobile erklären. | Bild: Susanne Schön

Dabei helfen soll auch ein Carsharing-Modell mit einem E-Auto, welches zum Jahresende auf den Weg gebracht wurde. Die E-Mobilität wird mit Ladesäulen in Steißlingen voran gebracht. Eine Schnellladesäule steht im Gewerbegebiet, eine weitere bis jetzt am Bauhof. Diese soll aber ins Dorfzentrum verlagert werden.

Die Singerner und Orsinger Straße ist die Hauptverkehrsachse von Steißlingen. Gleichzeitig zerschneidet der Durchgangsverkehr den Ort. Mit dem Lärmaktionsplan soll der Verkehr erträglicher werden.
Die Singerner und Orsinger Straße ist die Hauptverkehrsachse von Steißlingen. Gleichzeitig zerschneidet der Durchgangsverkehr den Ort. Mit dem Lärmaktionsplan soll der Verkehr erträglicher werden. | Bild: Susanne Schön

Großes Thema des kommunalen Verkehrskonzepts war und ist vor allem die Ortsdurchfahrt. Hier greift der freiwillige Lärmaktionsplan. Als erste Maßnahme konnte ein Teilabschnitt mit lärmminderndem Straßenbelag versehen werden, weitere Abschnitte sollen folgen. Zudem ist Tempo 30 geplant, um die gesundheitsschädigenden Folgen des Verkehrslärms für die Anwohner weiter zu verringern. Dies funktioniert schon in weiten Teilen des Dorfs, in den Tempo-30-Zonen der Nebenstraßen.

Das ist in Steißlingen für 2021 geplant

Gesundheitshaus in der Dorfmitte: Steißlingen wurde vor zwei Jahren zur familienbewussten Kommune plus zertifiziert. Um diese Auszeichnung weiter tragen zu dürfen, gehört nicht nur die stete Weiterentwicklung von Kindergärten und Schule, sondern auch die Gesundheitsversorgung zu den Aufgaben der Gemeinde. Daher soll im Ortskern ein Gesundheitshaus entstehen. Mit dem Abbruch bestehender Gebäude und dem begonnenen Neubau verändert sich auch der Ortskern optisch. Es sollen neue Parkplätze und eine Tiefgarage entstehen und der Verkehr neu geregelt werden. Ein Café im Gesundheitshaus soll zudem soziale Kontakte ermöglichen und die Dorfgemeinschaft weiter fördern. Im Gesundheitshaus sollen Ärzte, aber auch Therapeuten einziehen. Gespräche mit Interessenten laufen bereits. Bezugsfertig soll das Gesundheitshaus im zweiten Quartal des Jahres 2022 sein.

Kommunale Bauvorhaben: Bereits in der Korisstraße hat die Gemeinde erfolgreich in den sozialen Wohnbau investiert. Im kommenden Jahr wird der Bau des Gebäudes in der Derststraße vorangetrieben. Hier verbindet die Kommune die Themen bezahlbares Wohnen und Umweltschutz. In dem neuen Gebäude entstehen sieben Mietwohnungen mit Zwei-, Drei- und Vier-Zimmerwohnungen mit 45 bis 104 Quadratmeter. Der Massivbau im Energiestandard KFW 55 wird vom Land Baden-Württemberg mit 600.000 Euro gefördert. Durch Fachbereichsleiter Christian Weber hat das Bauamt der Gemeinde selbst die Bauleitung übernommen. Weber rechnet mit Kosten von 1,7 Millionen Euro. Dank der Förderung und kosteneffektiver Bauweise möchte die „familienbewusste Kommune plus“ sozial verträgliche Mietpreise veranschlagen und auch Familien das Wohnen in Steißlingen zu ermöglichen. So soll der angespannte Wohnungsmarkt in der Gemeinde entspannt werden.

Sanierung des Bauhofs: Zudem soll 2021 auch der Bauhof saniert und erweitert werden. Damit wird die Entscheidung unterstrichen, dass der Bauhof im Ortskern bleiben soll. Zudem sollen die Arbeitsbedingungen verbessert werden. In der Aufstockung sollen ein Aufenthaltsraum, ein Herren- und ein Damen-Umkleideraum jeweils mit Dusche und WC Platz finden. Der laufende Betrieb bleibt in Erdgeschoss. (sch)