Der kleine Ort Steißlingen wird im Kreis Konstanz bald eine große Rolle spielen. Dort ist das erste telemedizinische Versorgungszentrum im Kreis geplant. Doch wozu wird es dienen? Eva Botzenhart-Eggstein muss es wissen. Sie ist Sprecherin des Gesundheitsnetzwerks Biolago, die das Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Partnern in Deutschland und der Schweiz entworfen haben.

Zunächst werden Bluthochdruckpatienten angenommen

„Im ersten Schritt soll die telemedizinische Überwachung von Bluthochdruckpatienten übernommen werden“, erklärt sie. Der große Vorteil dabei: Bluthochdruck-Patienten, die in ländlichen Gebieten wohnen, können ihren Gesundheitszustand von zu Hause aus überwachen lassen. Damit entfallen Arztgänge für Routine-Überwachungen.

Gesundheit wird überwacht – nicht der Arztbesuch ersetzt

Das Zentrum ist also keine Einrichtung, um sich generell den Gang zum Arzt zu ersparen, sondern um den Gesundheitszustand bestimmter Personengruppen (chronisch Erkrankter) im ländlichen Raum überwachen zu können. Eine App soll dabei gebündelt die Daten erfassen und übertragen. Steigt der Blutdruck zum Beispiel gefährlich an, kann ein Arzt des telemedizinischen Versorgungszentrums den Patienten telefonisch kontaktieren. „Schritt für Schritt sollen dann Parameter von anderen chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder Gerinnungsstörungen in die Überwachung eingebunden werden“, erklärt Botzenhart-Eggstein. „Bluthochdruck und Diabetes korrelieren oft, sodass man das gut zusammen überwachen kann“, sagt Jörg Schickedanz, Vorsitzender von Biolago.

Überwachung von Patienten unabhängig vom Wohnort

Vorerst ist das Projekt nur in und für Steißlingen geplant. Der überwachende Arzt sei damit auch gleichzeitig der Hausarzt, erklärt Schickedanz. Es sei aber durchaus möglich, dass auch Patienten von der Höri oder von weiter entfernten Orten überwacht werden. „Wir planen auch Gespräche mit den Kliniken, damit diese in das Projekt eingebunden werden können“, sagt Schickedanz. Ziel sei es, dass die ländliche Bevölkerung unnötige Arztbesuche vermeiden, aber gleichzeitig der Gesundheitszustand besser im Auge behalten werden könne.

Versorgungszentrum im Gesundheitshaus

Einquartiert werden soll das telemedizinische Zentrum in das neue Gesundheitshaus. „In dem Gebäude werden eine Zahnarzt-Praxis und eine hausärztliche Praxis einziehen. Dort ist dann im Erdgeschoss auch das Tagescafé Kokua untergebracht. In dem Café sollen dann Trainings, Schulungen und Erfahrungsaustausch stattfinden“, erläutert Botzenhart-Eggstein. Die Fertigstellung des Gebäudes sei für das zweite Quartal 2022 geplant. Auch Benjamin Mors, Bürgermeister von Steißlingen, ist von dem Projekt sehr angetan: „Die Infrastruktur der ärztlichen Versorgung auf dem Land ist oft schwierig. Das telemedizinische Versorgungszentrum bietet da große Chancen.“