Zehn Prozent. Diesen zeitlichen Anteil an der 40-jährigen Bürgermeister-Tätigkeit seines Vorgängers Artur Ostermaier hat Benjamin Mors bereits geschafft. „Erst. Und doch gingen die vier Jahre rum wie im Flug“, gibt er sich bescheiden. Im Pressegespräch über die Halbzeit seiner ersten Steißlinger Gemeindechef-Periode versprüht er aber viel Enthusiasmus und Tatendrang für seine Gemeinde. Einhundert Prozent und noch etwas mehr Einsatz für Steißlingen, das strebt er weiterhin an. Und er will sich auch durch Corona nicht ausbremsen lassen. „Die Pandemie hat die Gemeinde und insbesondere die Verwaltung in den vergangenen zwei Jahren stark herausgefordert. Dennoch konnten wir einiges voranbringen. Die Gemeinde Steißlingen hat mit der Einwohnerzahl von knapp 5000 etwa 20 Millionen Euro investiert. Das halte ich für sehr beachtlich“, betont der 30-Jährige. Er verhehlt nicht, dass er stolz darüber sei, als jüngster Bürgermeister im Landkreis Konstanz eine Gemeinde zu leiten. „Wenn auch ein paar andere nur wenig älter sind“, ergänzt er süffisant, aber respektvoll.

Im Steißlinger Neubaugebiet wird rege gebaut. Es gibt aber zehn Mal soviele Interessenten als von der Gemeinde ausgewiesene Grundstücke.
Im Steißlinger Neubaugebiet wird rege gebaut. Es gibt aber zehn Mal soviele Interessenten als von der Gemeinde ausgewiesene Grundstücke. | Bild: Tesche, Sabine

Der Blick schweift zurück, geht aber fast gleichzeitig nach vorne. „Bei der Entwicklung von Steißlingen als Wirtschaftsstandort konnten wir schon viel erreichen. Dies vor allem durch die Ausweisung von weiteren Gewerbeflächen. Das soll weiter fruchten“, erklärt Mors. Auch wenn die Gemeinde darauf Wert lege, dass der Flächenverbrauch künftig etwas sparsamer ausfallen solle. Dies soll einhergehen, um eine der größten künftigen Herausforderungen bewältigen zu können: den Klimaschutz. Dies soll auch in Zusammenspiel mit anderen Gemeinden gelingen. Als bisher positive Beispiele nennt Mors das von einem Investor betriebene kreisweit größtes Solarfeld, das nur Spaziergänger sichtbar wahrnehmen könnten oder ein Car-Sharing (Auto-Teilen), das die Gemeinde in Kooperation mit den Stadtwerken Radolfzell anbieten. Energetische Maßnahmen, wie Gebäudesanierungen, räumt er ein großes Gewicht ein.

Artur Ostermaier (rechts) übergibt an Benjamin Mors.
Artur Ostermaier (rechts) übergibt an Benjamin Mors.

Bei den Investitionen schlagen Ausgaben für die Entwicklung der Gewerbegebiete, von Bauland, dem Breitband-Ausbau und den katholischen Kindergarten kräftig zu Buche. Für die Erziehung der Kinder hat die Gemeinde satte vier Millionen Euro ausgegeben. Bei der Ansiedlung von Gewerbe werde auf einen gesunden Mix geachtet. „Es sollen sowohl Klein- wie Mittelbetriebe als auch hochtechnologische Unternehmen zum Zug kommen, damit Steißlingen sich als wichtiger Wirtschaftsstandort etabliert. Davon profitieren auch andere Einrichtungen, wie im sozialen Bereich“, zeigt Mors auf. Vor Beginn der Corona-Pandemie habe die Gemeinde in einem Jahr mehr als fünf Millionen Euro Gewerbesteuer eingenommen.

Der Rechenfuchs

Ein Wert, den weitaus größere Gemeinden, wie Engen erzielt. Vor seiner Tätigkeit als Bürgermeister von Steißlingen hat sich Mors auch als Zahlen- und Rechenfuchs in seiner Funktion als Engener Kämmerer unter Beweis gestellt. „Wir wollen uns gut positionieren. Auch mit neuen Konzepten, wie großen Lagerhallen, die möglichst viele Firmen nutzen können. So lässt sich auch die bisherige Zahl von etwa 1600 in Steißlingen tätigen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten noch steigern“, betont der Bürgermeister.

100 Bewerber für zehn Bauplätze

Es gebe einen große Bedarf an Wohnraum, vor allem an bezahlbaren. Die Nachfrage nach Baugrundstücken sei enorm. „Für zehn freie Plätze bewerben sich gut einhundert Interessenten. Es handelt sich dabei überwiegend um junge Familien“, schildert Mors. Es gelte aber zudem, den Bedarf an Wohnungen abzudecken. Solche sollten auch ortskernnah angeboten werden. „Dies würde die Steißlinger Mitte aufwerten.“ Genauso wie das neue Gesundheitshaus. Dieses sichert die medizinisches Versorgung von Steißlingen. Eine solche Einrichtung zu schaffen, war mir ein großes Anliegen. Den Bedarf habe ich schon in meinem Wahlkampf als bedeutsames Thema erkannt. Im April ziehen die ersten Nutzer ein“, so Mors. Die Aufnahme in ein Landessanierungsprogramm verleihe dem Ortskern von Steißlingen eine weitere Attraktivität. Die Gemeinde baut auch in eigener Regie ein großes Gebäude mit Kosten von 1,6 Millionen Euro. Sieben Wohnungen werden angeboten, die über Wohnberechtigungsscheine günstige Mieten ermöglichen.

Jugend soll mitmachen

Die Einbeziehung des Nachwuchses über Jugendvertreter gehe voran. Es seien schon einige Projekte umgesetzt worden, wie de Bau einer Jugendhütte in Eigenleistung. „Eine prima Sache“, bewertet Mors. Die aktive Beteiligung der Bürger am kommunalpolitischen Geschehen werde etwas durch die Corona-Verordnungen gehemmt. Ihr soll aber einen hohen Stellenwert eingeräumt werden.

„Erfreulich ist für mich, der enorme Einsatz des Gemeinderates, der Verwaltung und der Bürger. Darauf lässt es sich auch in Zukunft gut aufbauen. Auch auf den Tatendrang der Vereine, die durch Corona leider derzeit nicht wie gewünscht zum Tragen kommt“, sagt Mors. Wichtig ist Mors, der Kontakt mit seinem Heimatort, dem Sauldorfer Stadtteil Bichtlingen. „Dorthin zieht es mich in meiner Freizeit immer wieder zurück zu meiner Familie und den Freunden“, sagt Mors. Noch als Junggeselle hat er seine Wohnung nach der Wahl in Ortskernnähe von Steißlingen bezogen. Die teilt er längst mit seiner Lebensgefährtin.