Wer wissen will, wie er zum Beispiel am schnellsten zu seinem Urlaubsort kommt, gibt in Google Maps Start- und Zielort ein und lässt sich die Route berechnen. Viele wissen nicht, dass es eine Alternative zum Internet-Giganten und Wirtschaftsimperium gibt, die von den Nutzern selbst erstellt wird und nicht auf Profit aus ist: Die OpenStreetMap (OSM), eine Art kartografisches Wikipedia. Der Physiker, Biologe und pensionierter Waldorfschullehrer Ludwig Baumgart aus Steißlingen engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für diese Geodatenbank.

Traum von der Zusammenführung aller Daten

Er hat den Traum, dass es eine Zusammenführung der amtlichen Geodaten und dem OSM gibt, sodass alle Daten von allen genutzt werden können. „Damit lassen sich die Feinheiten des OSM mit der Genauigkeit der Daten der Ämter, die nicht frei zugänglich sind, verbinden“, erklärt Baumgart.

Daran arbeitet er hartnäckig, sammelt und erfasst ehrenamtlich selbst Daten, nimmt Kontakt zu Kommunen auf und leistet Überzeugungsarbeit. Während er in den Kommunen zunehmend auf offene Ohren treffe, habe die grüne Landesregierung ihr Versprechen, Geodaten freizustellen, nicht eingelöst, so Baumgart.

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Bäume und Sitzbänke sind verzeichnet

Wenn er von den Möglichkeiten von OSM berichtet, gerät er ins Schwärmen. Keine andere Datenbank liefere so detaillierte und aktuelle Informationen. Um ein Beispiel zu zeigen, ruft er das neue Gesundheitshaus in Steißlingens Ortsmitte auf, gibt seinem Gegenüber eine Maus in die Hand und erklärt, wie das System funktioniert.

Ein Blick auf die Karte des Bahnhofvorplatzes und der Hegaustraße in Singen zeigt, was die Karte alles kann: Brunnen und Bäume sind verzeichnet, Sitzbänke, Fahrradparkplätze, die einzelnen Abfahrtsterminals des Busbahnhofs mit Busverbindungen, der Radservice-Punkt, die Aufzüge am Bahnhof und dass es hier einen Haltepunkt des Geschichtspfades gibt. Außerdem ist zu sehen, ob es dort einen Rad- oder Fußweg gibt.

Eine Karte von openstreetmap.org vom Singener Bahnhof und der Hegaustraße. Sie zeigt viele Details wie Bänke, Bäume oder Radparkplätze.
Eine Karte von openstreetmap.org vom Singener Bahnhof und der Hegaustraße. Sie zeigt viele Details wie Bänke, Bäume oder Radparkplätze. | Bild: © OpenStreetMap-Mitwirkende; Daten unter Open-Database-Lizenz verfügbar; Kartografie gemäß CC BY-SA lizenziert; mehr Infos: OpenStreetMap (www.openstreetmap.org)

Jeder kann sich anmelden und mitmachen

Die Daten werden von sogenannten Mappern, vom englischen Wort mapping für Kartierung, mit Hilfe eines GPS-Gerätes gesammelt und eingetragen. Jeder kann mitmachen, muss sich dafür aber anmelden. Je nachdem, wie viele Daten gesammelt und eingetragen sind, wird die OSM detaillierter und enthält mehr Informationen.

Baumgart erzählt, dass er in Südfrankreich im Urlaub war, sich dort als Mapper betätigt und Straßen, Häuser und Wege eingetragen hat. „Da wo ich hinkomme, sammle ich Geodaten. Jeder kann das dort machen, wo er gerade ist und wo er kann“, erklärt Baumgart.

Lokales Wissen wird für alle zugänglich

So werde lokales Wissen um den Heimatort für alle zugänglich und Mapper auf der ganzen Welt sorgen dafür, dass es keine weißen Flecken auf der Landkarte gibt. Außerdem seien die Karten oft aktueller und stimmen, weil die Mapper vor Ort zum Beispiel Straßensperrungen schneller erfassen oder die Örtlichkeiten kennen.

Missbrauch bei der Erfassung gebe es auch, zum Beispiel hat Baumgart erlebt, dass Tempolimits hochgesetzt wurden. Doch sie bleiben nicht unbemerkt, wer mitmachen will, muss sich anmelden und wird bei Verstößen angeschrieben. Es können auch Fehler gemeldet werden, die dann korrigiert werden.

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Einsatz wird von Gemeinden geschätzt

Viele Kommunen wissen den Einsatz von Mappern inzwischen zu schätzen. So berichtet Ralf Baumert, Bürgermeister von Rielasingen-Worblingen, dass die Arbeit von Ludwig Baumgart der Gemeinde nützliche Informationen liefere. Er stehe immer wieder im Austausch mit dem Tiefbauingenieur der Gemeinde, Rafael Grimm, und steuere Daten der Gemeinde für das Geoinformationssystem bei.

„Er unterstützt uns gut und ist mit Leidenschaft bei der Sache“, berichtet Baumert. Die Vermessungsämter seien überlastet und so könne die Gemeinde schneller und an aktuellere Daten zum Beispiel aus Neubaugebieten kommen. Gerade für Rettungsdienste sei es für eine schnelle Anfahrt enorm wichtig, dass sie die richtige Hausnummer finden.