Seinen Humor hat Benjamin Mors nicht verloren. Steißlingens Bürgermeister beginnt den ersten Pressetermin des Jahres so: „Steißlingen hat wie andere Gemeinden in diesem Jahr keinen Neujahrsempfang.“ Doch hatte Steißlingen auch in den Vorjahren keinen Neujahrsempfang. Dafür gibt es im September das Klemenzenfest mit Bürgertag und das Bürgerforum.

Die Verwaltung bleibt über viele Wege mit den engagierten Bürgern in Kontakt. Zwar gebe es in diesem Jahr erstmals seit etwa 15 Jahren ein negatives Haushaltsergebnis, doch dank der guten Rücklagen bleibe die Gemeinde auch über dieses Jahr hinaus handlungsfähig. „Mit rund sechs Millionen Investitionsvolumen bereiten wir die Zukunft vor“, ist sich Mors sicher.

Steißlingens Bürgermeister Benjamin Mors hofft, dass das negative Haushaltsergebnis am Jahresende nicht so hoch ausfällt wie befürchtet.
Steißlingens Bürgermeister Benjamin Mors hofft, dass das negative Haushaltsergebnis am Jahresende nicht so hoch ausfällt wie befürchtet. | Bild: Susanne Schön

Bürgerprojekte leiden unter der Pandemie

Die aktive Beteiligung der Bürger sei aufgrund der Pandemie eingeschränkt und so konnten einige Projekte noch nicht vorangetrieben werden, wie beispielsweise die Gestaltung des „Bürgerparks“ auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Areal Niederwiesen hinter dem Feuerwehrgerätehaus. „Hier soll ein Erholungsgebiet mit vielfältiger Nutzung in der Natur entstehen“, freut sich Benjamin Mors über rege Beteiligung unterschiedlichster Gruppen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen. Zudem solle auch die Bürgerstiftung vorangetrieben werden. Der Bedarf komme von den Bürgern und werde lediglich von der Gemeinde unterstützt.

Der Kellerrohbau des geförderten Wohnbaus in der Derststraße steht schon. In diesem Jahr wird das Gebäude in die Höhe wachsen.
Der Kellerrohbau des geförderten Wohnbaus in der Derststraße steht schon. In diesem Jahr wird das Gebäude in die Höhe wachsen. | Bild: Susanne Schön

Gemeinde schafft geförderten Wohnraum

Voran schreitet dagegen der geförderte Wohnungsbau in der Derststraße. Der Spatenstich für das kommunale Bauprojekt war im vergangenen Jahr. „Es ist einzigartig, dass eine Gemeinde unserer Größe nicht nur als Investor und Bauherr erscheint, sondern auch selbst an Menschen vermietet, die einen Wohnberechtigungsschein haben“, erklärte der Bürgermeister. Die Verwaltung wisse um den Bedarf an gefördertem Wohnraum auch für die Mittelschicht. So wolle man diesen Wohnraum langfristig anbieten und weiteren schaffen. Veranschlagt sind hierfür 1,7 Millionen Euro. Bezugsfertig sollen die sieben Wohneinheiten zum Jahresende sein.

Schrittweise zu zeitgemäßen Internetverbindungen

Eine halbe Million Euro weniger wird in den Breitbandausbau gesteckt. Nachdem ein Betreiber gefunden wurde, kann man eine Förderung von bis zu 90 Prozent für die geschätzten 1,2 Millionen Euro bekommen. Gefördert wird der Anschluss von Haushalten, die in einem weißen Fleck liegen, also unterversorgt sind. Neben dem Ortsteil Wiechs sind dies vor allem Randgebiete wie Maiershöfe und der Mühleweg. Im Ortskern wird die Schule angeschlossen. Durch die Glasfaserleitung im Ortskern ist man auch für eine eventuelle Verbesserung im Ortskern in der Zukunft gerichtet. Aktuell sind hier die Verbindungsstärken zu gut für eine Förderfähigkeit. Im Frühjahr soll der Beginn der kommunalen Tiefbauarbeiten sein, denen dann die aktive Technik des Betreibers folgt, bevor voraussichtlich Anfang 2022 das Netz in Betrieb genommen werden kann.

Bausteine eines lebendigen Dorfes

Damit Steißlingen lebendig bleiben kann, braucht es Infrastruktur – wie eine angemessene Internetversorgung, aber auch die Sanierung des Klärwerks und der Verkehrsfluss im Ort mit Carsharing und E-Mobilität. In der Dorfentwicklung seien bereits viele wichtige Akzente gesetzt worden. Mit dem kommunalen Förderprogramm bleibe man aber weiter dran und stehe im engen Kontakt mit den Einwohnern.

Aktuell ist das ganze Gesundheitshaus so virtuell wie das telemedizinische Zentrum. Doch beide sollen wachsen und zusammenarbeiten zum Wohl der Steißlinger.
Aktuell ist das ganze Gesundheitshaus so virtuell wie das telemedizinische Zentrum. Doch beide sollen wachsen und zusammenarbeiten zum Wohl der Steißlinger. | Bild: Susanne Schön

Gesundheitshaus und Pilotprojekt Telemedizin

Der Bau eines Gesundheitshauses schreitet voran. Nach Abriss der Gebäude und Spatenstich soll, sobald die Witterung es zulässt, weiter am Rohbau gearbeitet werden. Die Gemeinde ist vor allem für die Gestaltung der Außenflächen zuständig. So wird der Kreisverkehr entfernt und der Vorplatz in enger Absprache mit dem Café-Betreiber und der Storchenzunft geplant. Noch nicht ganz klar ist, ob hier wieder der Narrenbrunnen stehen oder ein anderer Platz dafür bevorzugt wird.

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Im Café wäre ein idealer Platz für Veranstaltungen des ersten telemedizinischen Versorgungszentrums am Bodensee des Vereins Biolago. Im ersten Schritt sollen Steißlinger Bluthochdruck-Patienten über 65 Jahre mittels App ihre selbst erfassten Daten übermitteln. Zur medizinischen Versorgung im ländlichen Raum gehört dann bei kritischen Werten die Empfehlung per App, einen Arzt aufzusuchen. Blutdruck eignet sich besonders gut, weil die Daten leicht zu erfassen sind. Die Steißlinger gehören zur ersten Gruppe, der dies ermöglicht wird. Es soll auch untersucht werden, welche Menschen mitmachen und wie ihnen der Zugang erleichtert werden kann. Dann kann das Angebot auch erweitert werden, sowohl räumlich als auch personell und bei den betreuten Krankheiten.