Das hatte sich Schulleiter Alexander Bitter wohl einfacher vorgestellt. Der Medienentwicklungsplan, der mehr als ein Jahr lang entwickelt wurde, hat die Gemeinderäte nicht überzeugt.

Kritik gab es am Wegfall der Tafeln und der geplanten Luxusausstattung, während andere Schulen noch ganz am Anfang der Digitalisierung stünden.

Vielleicht hätte Alexander Bitter seine Worte vorsichtiger gewählt, wenn er geahnt hätte, dass die Gemeinderäte damals bei der Eröffnung des Neubaus und der Gemeinschaftsschule Investitionen in die digitale Infrastruktur zwar befürworteten, gleichzeitig aber davon ausgingen, das würde dann auch Jahrzehnte halten.

Die Schüler kommen mit den elektronischen Tafeln gleich gut klar. Im Neubau der Gemeinschaftsschule wurde damals neueste Technik auch im Bereich Medien verbaut. Diese sind nach sieben Jahren veraltet.
Die Schüler kommen mit den elektronischen Tafeln gleich gut klar. Im Neubau der Gemeinschaftsschule wurde damals neueste Technik auch im Bereich Medien verbaut. Diese sind nach sieben Jahren veraltet. | Bild: Susanne Schön

Pläne für Premiumausstattung überzeugen nicht

Dem Lob und dem Dank für die gute digitale Ausstattung folgte nämlich ein Forderungskatalog unter dem Stichwort Premiumausstattung. „Die Förderung ist für uns eine einmalige Chance für ein Upgrade auf eine lukrative Ausstattung mit Außenwirkung“, erklärte Alexander Bitter.

Dass die Access-Points (die drahtlosen Zugangspunkte) nicht alles abdecken würden und auch als drahtlose Verbindungsstelle von Endgeräten veraltet seien, hätten die Gemeinderäte verstanden. Doch als der EDV-Lehrer, Ingo Heidt, den Medienentwicklungsplan vorstellte, schwand das Verständnis.

Gleich an zweiter Stelle kam „der teuerste Punkt, der Austausch aller Tafeln“. Als dann im Gesprächsverlauf noch deutlich wurde, dass die Lehrer die komplizierte Technik der Smartboards nicht nutzen könnten, erstarrten bei manchen Räten die Gesichtszüge. „Ich bin geschockt“, gestand Gemeinderat Hugo Maier. Und mancher zweifelte mit ihm, ob denn die elektronischen Displays nun wirklich sein müssten und genutzt würden.

Hinweis auf verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern

Auch die Forderung des EDV-Lehrers: „Wir werden den vollen Förderbetrag ausschöpfen und eventuell mehr Endgeräte anschaffen“, stieß den Räten schwer auf. Hugo Maier betonte, dass es Steuergelder seien, die man in diesem Zuge verteile und es Schulen gebe, die diese Förderung weit nötiger hätten.

Alexander Bitter verwies darauf, dass nur ein sehr geringer Teil der Fördergelder abgerufen worden sei und Steißlingen nun nicht gestraft werden dürfe, weil man schon vor Jahren die digitalen Hausaufgaben gemacht habe.

Hauptamtsleiter Roland Schmeh gab zu, dass es gut sei, dass der Server einwandfrei funktioniere und auch für kommende Anforderungen gewappnet sei. Mit der neuen Technik würden zudem die Kosten für Wartung und Support gesenkt. Und generell sei den Gemeinderäten schon bewusst, dass für die digitale Technik kürzere Verfallszeiten gelten würden als für eine Tafel. Doch gelte es auch, auf die Politik hinzuwirken. Es sollten entweder alle Schulen gefördert werden müssen oder die Bildungspläne an finanzielle Möglichkeiten der Schulträger angepasst werden.

Unterstützung für Familien

Gemeinderätin Regina Renz machte auf die Förderung von Familien aufmerksam. Denn viele könnten sich eine digitale Ausstattung nicht leisten. Für diese gebe es Förderprogramme erklärte Roland Schmeh. Und Alexander Bitter fügte an, es gebe bereits unbürokratische Hilfe an der Gemeinschaftsschule.

Dass im Bildungsplan bereits an der Grundschule der Umgang mit iPads stehe, rief bei den Räten trotzdem Unverständnis hervor. Weil sich nun neue Fakten ergeben hätten und seine Fraktion sich noch beraten müsse, stellte Hugo Maier den Antrag, die Entscheidung zu vertagen. Dem stimmte eine knappe Mehrheit zu. Die Maßnahmen können deshalb wohl nicht wie geplant in den Sommerferien durchgeführt werden.

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