Annas Reitschule in Steißlingen Maiershöfe braucht eine neue Bleibe. Der Verpächter der Plätze und Weideflächen hat der Betreiberin Anna Steinwaller mit ihren acht Pferden unbegründet zum Mai 2021 nach fünf Jahren gekündigt. In dieser Zeit hat sie auf dem Gelände Weiden eingezäunt, Plätze gerichtet und trocken gelegt und die Terrasse, auf der die Reitschüler sitzen können, neu gemacht. „Wir haben Geld und Arbeit investiert und ich würde auch noch mehr machen, wie zum Beispiel einen überdachten Reitplatz, aber das hat sich jetzt erledigt“, erklärt Steinwaller. Ihre Reitschule ist beliebt, täglich unterrichtete sie vor der Corona-Pandemie rund 15 Kinder und Jugendliche, jeden Alters vom Anfänger bis zu den Fortgeschrittenen. Die Kleinen werden in der Minigruppe behutsam und spielerisch ans Pferd herangeführt, die Älteren können über eine Reitbeteiligung am Wochenende selbstständig reiten. „Ich möchte Kindern, die sich kein eigenes Pferd leisten können, die Möglichkeit geben, zu reiten und besser zu werden. Das ist für mich Nachwuchsförderung“, erklärt Steinwaller, deren Töchter ebenfalls im Reitsport engagiert sind.

Viel Programm für Kinder

Neben dem Unterricht der klassischen englischen Reitweise, steht für die C-Trainerin der Umgang mit den Pferden, die artgerechte Haltung und der Spaß im Vordergrund. Ferienfreizeiten, Campingwochenenden, Ausritte, Reiterspiele stehen auf dem Programm. „Die Arbeit mit Kindern war immer das, was mir am meisten Spaß gemacht hat und was ich machen wollte“, so die ehemalige Turnierreiterin und studierte Agrarwissenschaftlerin. Es gebe im Kreis Konstanz immer weniger Reitschulen und die, die es gibt, könnten niemand mehr aufnehmen. Der Bedarf an Unterricht ist groß, auch ihre Warteliste sei voll. Die Schüler kommen aus dem ganzen Hegau. „Ich reite seit 25 Jahren, aber wie Anna unterrichtet, ist mit nichts zu vergleichen“, berichtet Reitschüler Felix begeistert. Er hätte sich gewünscht, schon als Kind solchen Unterricht bekommen zu haben.

In die Umzäunung und Trockenlegung der Plätze und Weiden hat die Reitlehrerin viel Arbeit gesteckt.
In die Umzäunung und Trockenlegung der Plätze und Weiden hat die Reitlehrerin viel Arbeit gesteckt. | Bild: Weiß, Jacqueline

Pferde sind immer draußen

Die Pferde in Annas Reitschule sind den ganzen Tag draußen und können sich in der Herde bewegen, es gibt keine Boxenhaltung. Die Tiere seien dadurch entspannt und ließen sich auch entspannt reiten, so die Reitlehrerin. Auch der Reitunterricht findet draußen statt. Das habe mit den Kindern gut funktioniert, es werde bei Wind und Wetter geritten. Wenn es heiß ist im Sommer auch mal unter der Sprenkleranlage durch. „Die Kinder waren sehr traurig, als sie gehört haben, dass ich hier aufhören muss“, berichtet sie. Steinwaller möchte mit ihrer Reitschule weitermachen und sucht im Kreis Konstanz einen Hof oder ein Gelände an einem Hof zu pachten oder zu kaufen. Ein Aufruf in den sozialen Medien brachte schon sehr viel Resonanz und Zuspruch. „Ihr müsst unbedingt weitermachen“, schrieb jemand. So etwas freue sie natürlich und baue auf. Es gab auch schon einige Hinweise auf einen möglichen Standort. „Ich habe schon alle durchtelefoniert“, berichtet Steinwaller. Doch bisher ohne Erfolg. Viele Landwirte wollten nicht verpachten, ein Gelände zu kaufen, würde wahrscheinlich ihren finanziellen Rahmen sprengen. Grundsätzlich würde sie ihr Angebot gern erweitern, zum Beispiel auch die Möglichkeit anbieten, Reitabzeichen zu machen. Früher habe sie auch einmal ein Turnier für junge Reiter ausgerichtet. Dafür bräuchte es aber den Platz und die Räumlichkeiten. „Grundsätzlich freue ich mich aber über jedes Angebot“, erklärt sie.

50 Prozent weniger durch Corona

Die Reitlehrerin hat derzeit nicht nur mit der Suche nach einem neuen Zuhause für ihre Pferde zu tun. Auch die Folgen der Corona-Pandemie machen ihr zu schaffen. „Den erste Shutdown konnte ich wegen der Hilfe vom Staat ganz gut verkraften“, berichtet sie. Das Problem bei ihrem Betrieb sei, dass die Einnahmen wegfallen, die Kosten aber dieselben bleiben. Die Pacht müsse bezahlt und die Pferde gefüttert werden. Jetzt darf sie aufgrund der neuen Verordnungen nur Einzelunterricht geben, deshalb fallen 50 Prozent der Einnahmen weg. „Wir haben uns immer an die Hygienevorschriften gehalten. Die Kinder haben, außer auf dem Pferd, Maske getragen“, erklärt sie. Der Unterricht finde draußen und mit genügend Abstand statt. Wenig verständlich sei, warum zum Beispiel beim Hundesport derzeit 20 Teilnehmer zusammenkommen dürfen. Sie hofft, dass sie im Dezember wenigstens wieder in Kleingruppen unterrichten kann.