Sei es nun schnelles Internet oder neue Trinkwasserrohre: Steißlingen hat Schwierigkeiten, wichtige Bauarbeiten auf den Weg zu bringen. Die Resonanz auf Ausschreibungen im Bausektor ist derzeit bescheiden. Von fünf aufgeforderten Unternehmen habe nur eines ein Angebot für die Lieferung und Verlegung der Trinkwasserrohre vom Mühleweg bis in den Steißlinger Ortskern abgegeben, erklärte Bürgermeister Benjamin Mors in der Gemeinderatssitzung. Beim Thema schnelle Breitband-Internetanbindung müssen die Gemeindevertreter zur Kenntnis nehmen, dass Kommunen des ländlichen Raums von den Anbietern nicht hofiert und deren Ausbauwünsche nicht mit Handkuss angenommen werden. Dass lange an veralteten Technologien wie den Kupferkabeln festgehalten wurde, wirkt sich derzeit nachteilig aus.

Das beauftragte Beratungsunternehmen stellte für einen Breitbandausbau eine Grobkalkulation unter der Betrachtung des gesamten Ortes mit einer Summe von knapp 1,3 Millionen Euro vor. Bei einer Förderung von Bund und Land bliebe der Gemeinde ein Eigenanteil von circa 950 000 Euro. Mors monierte: Im ländlichen Raum müsse die Allgemeinheit für die Breitbandkosten aufkommen, in wirtschaftlich attraktiven Ballungsräumen übernähmen die Telekommunikationsunternehmen meist den Eigenausbau. Obwohl an Wiechs mehrere Glasfaser-Autobahnen vorbeilaufen, ergebe sich kein kostengünstiges Installationsszenario. Ein Betreibermodell lohne für die wenigen Anschlüsse in Wiechs nicht. „Für Wiechs ist das schnelle Internet nicht lebensnotwendig, aber überlebensnotwendig“, sagte Ortsvorsteher Christian Herz. Bei der gegenwärtigen Fördermöglichkeit sei es durch die Gemeinde nicht zu realisieren. Mors will nun prüfen, ob die Förderquote anzuheben ist. Die Telekom habe Ausbau-Interesse gezeigt und wolle ein Konzept erstellen.

Für die Netto-Angebotssumme von rund 100 000 Euro vergibt der Gemeinderat einstimmig die Trinkwasserrohrverlegung vom Mühleweg bis Ortsmitte an den einzigen Anbieter, eine Firma aus Frickingen. Es handelt sich um eine zweite Versorgungsschiene bis Hard-Süd mit Kunststoffrohren. Der Hauptgrund für die zusätzliche Wasserleitung sei die Unterstützung des Brandschutzes im Gewerbegebiet. Der massive Anstieg der Kunststoffpreise habe zu einer circa 15-prozentigen Kostensteigerung geführt, erklärte der beratende Ingenieur Norbert Baur. Isgesamt kostet das circa 1,6 Kilometer lange Wasserleitungs-Teilstück rund 333 000 Euro netto.

Auch die Neugestaltung des Urnengemeinschaftsgrabs nimmt Gestalt an. Eine 2,50 Meter hohe Basalt-Stele in Form eines Obelisken soll künftig die Namenstafeln tragen. Bürgermeister Mors empfahl die Steinvariante aus Schweden für circa 4800 Euro netto, die einstimmig akzeptiert wurde. Die Räte zogen sie dem gleichwertigen indischen Stein für 2800 Euro netto vor: Grund waren Bedenken aus dem Gemeinderat wegen möglicher Kinderarbeit in Indien. Die Vergabe der neuen Einbauküchen in einem Mehrfamilienhaus für die Flüchtlingsunterkunft indes richtete sich nach rein wirtschaftlichen Kriterien. Bei einer Angebotsspanne zwischen rund 21 000 und rund 48 000 Euro entschieden sich die Ratsmitglieder für den günstigsten Preis.

 

Hilfe fürs Hospiz

Der Gemeinderat Steißlingen beschloss in seiner jüngsten sitzung auch den Beitritt der Gemeinde zum Hospizverein Singen und Hegau. Damit will Steißlingen, wie auch viele andere Gemeinden im Landkreis, die ambulante und stationäre Hospizarbeit und künftig auch die Betreuung im Palliativbereich, unterstützen. (hae)