Die Hegaugemeinde Steißlingen trägt seit kurzem die Auszeichnung "Familienbewusste Kommune plus", doch auf den Lorbeeren ausruhen ist nicht die Sache der Steißlinger. Nach dem Motto "Stärken stärken und Schwächen schwächen" geht man einen weiteren Schritt, um die Familien in Steißlingen zu unterstützen. Dabei stehen vor allem die jüngsten Einwohner im Blickpunkt. So beriet der Gemeinderat über die Eröffnung eines Familienzentrums. Grundlegendes Ziel eines Familienzentrums ist es, die kindliche Entwicklung zu begleiten und zu fördern. Dabei wird der Blick auf das "System Familie" gerichtet, die Eltern werden frühzeitig in die Bildungsprozesse ihrer Kinder einbezogen.

Elternberaterin soll Projekte koordinieren

Unter einem Familienzentrum ist nicht etwa ein Neubau im Herzen Steißlingens zu verstehen, sondern mehr eine Person, die in der kommunalen wie kirchlichen Kindertageseinrichtung anzutreffen sein wird. Die Räte fragten an: "Was sind ganz konkret deren Aufgaben?" Kindergartenleiterin Andrea Gnann erläuterte: "Die Elternberaterin wird im wöchentlichen Elterncafé den Kontakt zu den Eltern suchen. Es wird Elternkurse geben. Dies wird durch individuelle Gespräche ergänzt, bei denen auch Hilfsangebote vermittelt werden." Bürgermeister Benjamin Mors fügte an, dass die Elternberaterin auch Projekte koordinieren werde: "Es braucht jemanden, bei dem alle Fäden zusammenlaufen."

Diskutiert haben die Räte, ob es ein solches Angebot in Steißlingen brauche. Sie schlossen sich der Meinung der Kindergartenleiterinnen Simone Eisenhardt und Andrea Gnann an, die glaubhaft schilderten, dass der Bedarf da sei: "Wir können den Beratungsbedarf nicht mehr alleine abdecken." Erstaunt hat manche Räte, dass nicht etwa sozialschwache Familien die Hilfen anfragten, sondern vor allem sozialstarke Eltern sich Hilfe suchen. "Es darf uns kein Kind hinten runterfallen", forderte Gemeinderätin Katrin Mattes.

Trotz Landesförderung bleiben Zusatzkosten

Auf die Idee, ein solches Familienzentrum einzurichten, kam man auch über die Förderung durch das Land. Gemeinderäte wie Hugo Maier strichen heraus, dass trotz der Förderung Kosten an der Gemeinde hängen bleiben. Darum wurde die Umsetzung des Familienzentrums auch nur mit der Landesförderung beschlossen. Ansonsten wird wieder darüber beraten. Die Räte sprachen die jetzt schon starke Unterdeckung im Bereich Kinderbetreuung an. "Da werden wir wohl die Beiträge anheben müssen", schlussfolgerte Gemeinderat Arnold Zimmermann. Doch Benjamin Mors zog andere Wege zur Kostendeckung in Betracht, die er allerdings nicht konkret benannte.

Vorbeugung vor schulischen Problemen

Einig waren sich die Räte, dass man Probleme in Familien so früh wie möglich angehen müsse. Dafür seien die Kindertageseinrichtungen ein idealer Partner. Auch die niederschwelligen Angebote über das Familienzentrum wurden begrüßt. Die Kindergartenleiterinnen schlossen sich der Hoffnung der Räte an, dass sich so manches Problem in der Schule gar nicht erst ergebe. Der Traum vom Mehrgenerationenhaus von Gemeinderätin Regina Renz muss aber noch auf Verwirklichung warten. Doch werden gemeinsame Projekte von Kindern und Senioren schon heute gemacht und eine Vertiefung ist dank des Familienzentrums denkbar.