Es ist ein großes Vergnügen, ihm zuzuhören. Der 87-jährige Höri-Dichter und Maler, Bruno Epple, las bei der Vernissage der Bodmaner Malerin Barbara Gittner-Tielsch, die der Kunst- und Kulturkreis veranstaltete, Geschichten und Gedichte über das Malen. Doch auch die Nicht-Maler im Publikum konnten Epple folgen, weil er lebensnah und voller Humor schreibt.

In der Geschichte „Besuch im Atelier“ aus dem Buch „Erntedankfest“ berichtet er von ungebetenen Besuchern im Atelier, die sich Bilder von ihm anschauen wollen. Er fühlt sich ertappt, weil er die Besucher und deren Namen vergessen hatte und gestört, weil er an diesem Sommertag friedlich – „nichts bedrängt, nichts verlangt“ – im Atelier gearbeitet hatte. Dann schleppt er ein Bild nach dem anderen herein, sagt nichts dazu, weil es so viel zu sagen gäbe, und das schreibt er: Dass die Bilder mehr seien als ein Produkt des Fleißes, dass der Maler hin- und hergerissen sei zwischen Maltrieb und Zeigelust und dass das Malen im Widerspruch zum Fertigwerden stehe.

Ein Maler schreibt über das Malen

Ein Schriftsteller sagte ihm einmal, und das ist Anlass für den nächsten Text: Während der Romanschreiber Blut und Wasser schwitze, mache dem Maler seine Arbeit halt Spaß. Epple schreibt darauf zornig und fröhlich übertrieben, wie er morgens beschwingt aus dem Bett springt und freudig den Pinsel schwingt. Der 87-Jährige spricht vielen Menschen aus der Seele, und die Zuhörer können nur bewundern, wie er gut Beobachtetes treffend in Worte fasst.

Dass so nur ein Maler über das Malen schreiben kann, findet auch die Bodmaner Malerin Barbara Gittner-Tielsch, die Epple zum Lesen zu ihrer Vernissage eingeladen hatte. Sie erzählte dem Publikum, wie sie zur Malerei gekommen ist, bevor sie einlud, sich ihre Arbeiten, die noch bis zum 7. Juni im Rathaus zu sehen sind, anzusehen. Viele zeugen von der Liebe der Malerin zum Bodensee und zeigen, dass hier ein Profi am Werk ist. Einen gelungenen Beitrag leistete auch die Sängerin Bettina Eickelberg mit Frühlingsliedern.