Frau Eich-Zimmermann, wie hat sich die Gemeinschaftsschule äußerlich und vom Konzept her verändert?

Als ich nach Steißlingen kam, war die Schule eine Grund- und Hauptschule. Wir haben schon, bevor wir Gemeinschaftsschule wurden, viele Dinge verwirklicht, wie zum Beispiel die Inklusion in Zusammenarbeit mit der Sonnenlandschule, den Mittagstisch für alle Schüler, eine Ganztagsbetreuung für die Grundschüler, die Bildungspartner und die Jobbörse. In einer Zukunftswerkstatt haben wir uns Gedanken gemacht, was wir wollen und mit allen, Lehrern, Eltern, Schülern und Gemeindevertretern, ein Konzept erstellt. Mit unserer Konzeption bewarben wir uns dann 2012 als eine der Ersten in Baden-Württemberg als Gemeinschaftsschule. Die Schule ist schnell gewachsen, es wurden zwei Schulhausneubauten erstellt. Im nächsten Schuljahr haben wir 535 Schüler, 55 Lehrkräfte und 20 Personen schulisches Personal.

Wie war das, mit der Gemeinschaftsschule Starterschule zu sein?

Wir haben als Gemeinschaftsschule Pionierarbeit geleistet. Es war eine enorme Herausforderung und das Kollegium hat viel Kompetenz, Engagement und Zeit investiert. Es ging darum, das Konzept mit Leben zu füllen. Obwohl es viel Arbeit war, konnte ich mir auch Träume erfüllen. In der Gemeinschaftsschule wird nicht nach der vierten Klasse aussortiert. Es geht um Lernentwicklung, nicht um Noten und um individuelle Förderung und Forderung. Natürlich macht jede neue Schule auch Fehler, und wir haben jedes Jahr Wege korrigiert. Jede Schulart hat ihre Berechtigung. Entscheidend ist, dass die Lehrer eine Beziehung zu den Schülern aufbauen und die Würde und Persönlichkeit der Kinder achten. Jedes Kind soll gern in die Schule kommen und sich angenommen fühlen. 

Was war Ihnen für das schulische Zusammenleben wichtig?

Es reicht nicht, dass man zwei Mal für Millionen baut. Die Lehrkräfte müssen sich mit der Schule identifizieren, sie müssen Verantwortung übernehmen und die Qualität muss stimmen. Unser Schulmotto heißt „Gemeinsam mehr“. Das wollen wir leben. Es bedeutet, dass einer viel bewirken kann, doch gemeinsam erreicht man mehr. Das war mir immer wichtig. Ich habe in dieser Hinsicht viel Grund zu danken, wir haben ein tolles Kollegium, eine tolle Elternschaft und eine äußerst schulfreundliche Gemeinde.

Was hätten Sie verändert, wenn Sie gekonnt hätten?

Wir brauchen eine Qualitätsoffensive und Verlässlichkeit für Schulen. Dies wird nur mit genügend Lehrkräften gelingen. Auch eine wirkliche Inklusion kann nur geleistet werden, wenn sie mit ausreichend Stunden versorgt ist. Die Gesellschaft muss hinter der Schule stehen und wir brauchen einen überparteilichen Schulfrieden, der Schulen Kontinuität gibt. Als Schulleiterin brauchte es manchmal auch den Mut, eigene Entscheidungen für die Schule zu treffen, die vielleicht nicht immer im Sinne der Verwaltungsbehörden waren. Außerdem wünsche ich mir weniger Bürokratie, gerade was die Personalentscheidungen angeht. Schule braucht die Solidarität und Unterstützung der Politik, wenn man sieht, was unsere Lehrkräfte in einer sich ständig verändernden Gesellschaft leisten.

Mit welchen Gedanken gehen Sie in den Ruhestand?

Ich bin jeden Tag gern in die Schule gegangen. Das liegt auch daran, dass ich im Sekretariat und mit Konrektor Alexander Bitter, der mein Nachfolger wird, ein super Team um mich habe. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde war immer hervorragend. Ich werde mich gern an die vielen guten menschlichen Begegnungen mit Eltern und Schülern erinnern. Ein Eckpfeiler im Ruhestand wird sein, mehr Zeit für mich und die Familie zu haben. Ich habe mich zum Beispiel mit meinem Enkel Maximilian für den Musikgarten angemeldet. Auch mehr Sport und ein Seniorenstudium möchte ich angehen und mehr Zeit für die Arbeit im Vorstand des Hospizvereins haben. Ich möchte mir nicht zu viel vornehmen. Am wichtigsten erscheint mir, mehr Zeit zu haben, Beziehungen zu pflegen.

Fragen: Jacqueline Weiß

Zur Person

Susanne Eich-Zimmermann ist 1954 in Singen geboren, sie war auf dem Hegau-Gymnasium und hat auf der Mettnau-Schule Abitur gemacht. Sie studierte in Freiburg Deutsch, Mathe und Theologie. Als Lehrerin war sie in Randegg, Bietingen und Gottmadingen tätig und wurde mit 36 Jahren Schulleiterin in Überlingen am Ried bevor sie nach Steißlingen wechselte und dort 19,5 Jahre Schulleiterin war. Sie war 20 Jahre in der Lehrerfortbildung, im Personalrat für Lehrkräfte und im Verband Bildung und Erziehung aktiv. Sie hat sich das ganze Schuljahr über von den Schülern verabschiedet, indem sie an Festen oder Ausflügen der Klassen teilgenommen hat. (jac)