Die Kinder, die am Sonntag in Steißlingen ihre Erstkommunion feiern, sind auf dem Versöhnungsweg. Im Remigiushaus neben der Kirche hat Nicole Tutuianu, pastorale Mitarbeiterin der Seelsorgeeinheit mittlerer Hegau, verschiedene Stationen aufgebaut. Hände, Mund, Augen und Ohren sind als Bilder ausgedruckt zu sehen. Die Kinder überlegen sich gemeinsam mit den Katechetinnen, den Müttern, die den Kommunionsunterricht gehalten haben, was man mit den Händen Gutes tun oder dem Mund Gutes sage kann. Mit den Händen könne man zum Beispiel teilen, was die Kinder mit einem bereit liegenden Brot gleich machen dürfen. "Danke" sagen oder "Entschuldigung", wenn man etwas Blödes gemacht hat, fällt den Kindern zur Station Mund ein. Auch ein einfaches "Guten Tag" oder "Auf Wiedersehen" macht anderen Menschen eine Freude. Bei der Station Auge liegen Postkarten mit Fotografien aus, jedes Kind wählt eine Karte aus und sagt, was ihm dazu einfällt. An einer Station geht es darum, die Schöpfung zu bewahren und die Kinder formen mit Holzperlen und Steinen, was ihnen zum Thema einfällt.

Die Steißlinger wählten als Leitmotiv den Regenbogen als Brücke zwischen Himmel und Erde und den Satz "Wir sind die Kinder in Gottes Regenbogen". Die Kinder haben sich mit sechs Katechetinnen, die als Laien auf das Sakrament vorbereiten, auf den Weg zur Kommunion gemacht. Am Anfang studierten die Kinder zu Weihnachten das Krippenspiel ein und führten es auf. Mit dem Team um Monika Schmidle bastelten sie einen Rosenkranz. Im Unterricht mit den Katechetinnen behandelten sie verschiedene Stationen im Leben von Jesus bis zu seinem Tod und seiner Auferstehung an Ostern. In einem Gottesdienst stellten sich die Kinder der Gemeinde vor, sie machten einen Ausflug ins Kloster Hegne und Pfarrer Siegfried Meier führte sie durch die Steißlinger Kirche. An Karfreitag erklärte Nicole Tutuianu den Kindern anhand der Bilder in der Kirche den Kreuzweg. Sie durften beschreiben, was sie auf den Bildern sehen und Anknüpfungspunkte in ihrem Leben suchen.

Katechetin Inga Metz mit Laura, Carolin und Lukas (von links) gibt den Kindern Tipps zur Gestaltung des Themas "Schöpfung bewahren".
Katechetin Inga Metz mit Laura, Carolin und Lukas (von links) gibt den Kindern Tipps zur Gestaltung des Themas "Schöpfung bewahren". | Bild: Jacqueline Weiß

50 Kinder feiern in den sechs Pfarreien der Seelsorgeeinheit mittlerer Hegau, zu der Steißlingen gehört, Erstkommunion."Die Kommunion ist nach der Taufe ein Anknüpfungspunkt für viele Familien, den Glauben wieder in ihr Leben einfließen zu lassen", sagt Tutuianu. "Ich würde mich freuen, wenn sich Menschen wieder für ihren Glauben begeistern, sich aktiv in die Gemeinde einbringen und sich die Kinder in der Gemeinde aufgehoben fühlen", erklärt sie. Sie ist seit September pastorale Mitarbeiterin und in der Ausbildung zur Gemeindereferentin. Sie stellt die Inhalte für den Kommunionsunterricht und die Gottesdienste zusammen, stimmt sich mit den Pfarrern ab, organisiert die Elternabende und ist Ansprechpartnerin für die Eltern. "Mit der Kommunion sollen die Kinder Freundschaft mit Jesus schließen und das fürs ganze Leben", beschreibt Pfarrer Engelbert Ruf, Leiter der Seelsorgeeinheit, den Sinn der Kommunion. Sein Wunsch und Anliegen sei es, dass sie diese Freundschaft, auch über den Weißen Sonntag hinaus, nicht aufgeben.

Die sechs Mütter, die die Kinder einmal pro Woche unterrichteten und vieles rund um die Kommunion organisierten, übernahmen diese Aufgabe gern. Auch wenn manche Inhalte, wie zum Beispiel das Glaubensbekenntnis, nicht ganz einfach zu vermitteln waren. "Es hat uns viel Spaß gemacht, mit den Kindern zu arbeiten und wir würden's wieder machen", sagen Sina Löffel und Iris Zimmermann. Für Inga Metz war es als Mitglied der evangelischen Gemeinde ein Weg, die Kommunion ihrer katholischen Kinder besser zu verstehen. Ihr war es wichtig, die Bedeutung der Kommunion, die Gemeinschaft, in den Gruppenstunden zu leben. "Ich fand es gut, dass die Kinder auch ihren Alltag mit in die Stunden gebracht haben", sagt sie. Jasmin Rothmund gefiel es, als Katechetin nah am Geschehen dran zu sein. Für alle Mütter war es auch eine Gelegenheit, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen.

Erstkommunion und Seelsorgeeinheit

  • Erstkommunion: "Bezeichung für den erstmaligen Empfang der Kommunion, also des Leibes Christi in Gestalt der Hostie. Die Erstkommunionfeier eines Kindes erfolgt meist im dritten Grundschuljahr. Der traditionelle Termin der Erstkommunion ist der Sonntag nach Ostern, der Weiße Sonntag. Die Kinder werden zumeist in kleinen Gruppen auf den Empfang des Sakramentes vorbereitet. Damit soll zugleich deutlich gemacht werden, dass die Feier keine Privatangelegenheit ist, sondern ein Fest der ganzen Pfarrgemeinde. Die Erstkommunion des Kindes wird als ein wichtiger Schritt des Hineinwachsens in die Kirche verstanden. Die zählt wie die Taufe zu den Initiationssakramenten, den Sakramenten der Christwerdung." (aus "Katholisch A-Z. Das Handlexikon" von Manfred Becker-Huberti und Ulrich Lota)
  • Unterricht: Die Kinder haben sich mit dem Buch "Auf dem Weg zur Erstkommunion – Das Mitmachbuch für Kinder" von Markus und Jutta Tomberg, erschienen im Herder Verlag, auf die Kommunion vorbereitet. Es ist anschaulich und kindgerecht gestaltet und lädt zum Malen und Basteln ein. Als Katecheten bezeichnet man Laien, die vom Pfarrer beauftragt sind, die Kinder auf das Sakrament vorzubereiten.
  • Seelsorgeeinheit: Die Seelsorgeeinheit mittlerer Hegau umfasst die Pfarrgemeinden Volkertshausen, Hausen, Beuren, Schlatt, Friedingen und Steißlingen. Sie wird betreut von den Pfarrern Engelbert Ruf als Leiter der Einheit, Pfarrer Siegfried Meier in Steißlingen, Diakon Carmelo Vallelonga und pastoraler Mitarbeiterin Nicole Tutuianu.