So viele Besucher wird es in einer Steißlinger Gemeinderatssitzung so schnell nicht mehr geben. Einziger Tagesordnungspunkt war die Verpflichtung von Benjamin Mors als neuer Steißlinger Bürgermeister. 350 Bürger erlebten sie im proppevollen, abgetrennten Teilbereich der Seeblickhalle. Eine stilvolle Feier enthielt auch launige Reden."Schon im Wahlkampf, der mit einem grandiosen Sieg endete, hat Benjamin Mors die Jugend für die Politik begeistern können", betonte Bürgermeister-Stellvertreter Hugo Maier. Es sei zu hoffen, dass dies bis zu den Gemeinderatswahlen im nächsten Jahr anhalte. "Viel Elan und Augenmaß für das Machbare", wünschte Maier dem neuen Bürgermeister. Ein gutes Miteinander sei der Nährboden dafür, dass Steißlingen eine lebens- und liebenswerte Gemeinde bleibe.

Bevor er als an Jahren ältestes und am längsten tätigen Mitglied des Gemeinderats Verpflichtung und Vereidigung von Mors ausführte, schwärmte Willi Streit: "Steißlingen ist eine der schönsten Gemeinden in ganz Baden-Württemberg mit einer überdurchschnittlichen Wirtschaftskraft und einem außerordentlichen ehrenamtlichen Engagement, die Benjamin Mors als nun jüngster Hegauer Bürgermeister weiterentwickeln darf." Er habe schon gezeigt, dass ihm nicht mulmig sei angesichts großer Fußstapfen des Vorgängers Artur Ostermaier, sondern er voller Überzeugung die Gabe habe, die Menschen für sich zu gewinnen.

"Wir haben ein hohes Interesse daran und eine große Portion Neugier, wie Sie den Weg beschreiten und welchen Sie gehen werden", so Streit an die Adresse von Mors, verbunden mit den besten Wünschen für ihn, wie Mut, Gelassenheit, eine anmutige Form des Selbstbewusstseins und eine große Portion Gesundheit, um immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nach der Bürgermeister-Verpflichtung gab es langen Applaus.

Der Engener Bürgermeister Johannes Moser hat vom kürzlich groß verabschiedeten, 40 Jahre lang amtierenden Steißlinger Gemeindechef Artur Ostermaier den Vorsitz im Kreisverband des Gemeindetags übernommen. Er sprach nicht nur in dieser Funktion, sondern auch als früherer Dienstherr von Mors. "Er hat als Engener Kämmerer bewiesen, wie gut er mit Zahlen umgehen kann. Benjamin Mors ist auch durchaus in der Lage, mit noch höheren Rücklagen als in Engen zurechtzukommen und trotzdem Geld für Steißlingen frei zu geben", erklärte Moser launig. "Die Steißlinger haben nach Artur Ostermaier, dem früheren Hauptamtsleiter, einen zweiten wertvollen Mitarbeiter der Stadt Engen abgeworben. Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob wir künftig wie beim Fußball Ablösesummen verlangen sollen", so Moser.

"Es ist soweit – ich begrüße unseren Alt-Bürgermeister Artur Ostermaier", eröffnete Mors keck seine Rede, als er die Besucher willkommen hieß. Johannes Moser hatte noch gewitzelt, dass Ostermaier bisher vom neuen Titel verschont geblieben sei, dies aber wohl nicht lange ausbleibe. Mors machte keinen Hehl daraus, dass er selbstbewusst seine neuen Aufgaben angehen und seinen eigenen Stil prägen will. "Ein neuer Bürgermeister hat auch neue Ansätze und Arbeitsweisen", betonte Mors. Steißlingen stehe hervorragend da, auch dank eines riesigen Engagements der Vereine und der Bevölkerung.

Es stellten sich aber auch viele neue Herausforderungen bei der Kinderbetreuung, im Gesundheitswesen und in der Digitalisierung. Hier will Mors genauso einen Schwerpunkt legen, wie auf den Wohnungsbau, der es auch ermöglichen soll, dass junge Steißlinger im Ort bleiben, oder die Grundversorgung. Damit das durch berufliche Anforderungen immer schwieriger zu bewältigende Ehrenamt gesichert werde, sei auch finanzielle Unterstützung durch Landkreis, Land und Bund künftig unverzichtbar. Als weitere wichtige Themen nannte er die Elektro-Mobilität, das Autoteilen und die Bürger-Beteiligung. Er will auch den Nachwuchs stark einbeziehen und bei Bedarf Termine direkt mit Bürgern ausmachen, statt Sprechstunden abzuhalten.

"Sie brauchen bei unseren Veranstaltungen keinen Ausweis zu zeigen", versprach Vereinssprecher Markus Löffel Benjamin Mors in Anspielung auf einen SÜDKURIER-Artikel, in dem der 27-jährige Tengener Bürgermeister Marian Schreier ob eines Problems mit seinen jungen Jahren aus einer Narren-Veranstaltung zitiert wurde.

 

Auch das gab es noch

Herzliche Grußworte richteten auch die evangelische Pfarrerin Martina Stockburger und die katholische Pfarrgemeinderätin Monika Biedermann an Benjamin Mors. Sie luden ihn zu einem Rundgang und zu einem gemeinsamen ökumenischen Essen ein. Alexander Bitter, Rektor der Gemeinschaftsschule und Andreas Gnann, Leiterin des Kinderhauses Storchennest, betonten die hohe Wertigkeit von Bildung und Erziehung für Steißlingen, Feuerwehrkommandant Andreas Maier die Bedeutung des Rettungswesens. Er überreichte Mors eine Feuerwehrjacke. Die feierliche Gemeinderatssitzung umrahmten eine Gruppe des Musikvereins Steißlingen und der Männergesangverein Liederkranz.