Auf einem Ihrer Fotos sind Sie als junges Mädchen zu sehen, wie Sie am Bodensee sitzen und malen. War der See Ihre Inspiration?

Mein Vater hat gern gemalt. Wir sind 1944 mit Mutter und vier Geschwistern vor dem großen Bombenangriff von Ulm nach Dingelsdorf in ein Behelfsholzhaus geflohen. Der blaue See, 200 Meter von unserem Häuschen entfernt, faszinierte mich sofort. Wir Kinder gestalteten Figuren und Puppengeschirr aus Ton, bauten Boote aus Binsen, lebten ein wenig wie die Steinzeitmenschen. Es wäre das Paradies gewesen, wäre da nicht immer der Hunger und das viele Unkrautzupfen gewesen.

Sie besuchten das Gymnasium in Überlingen. Hatte Ihre Schulzeit Auswirkungen auf Ihre Berufswahl?

Wir hatten einen wunderbaren Kunsterzieher, Erich Kaiser, der uns nach Kräften förderte. Gemeinsam mit dem Musiklehrer Heinrich Hagner führten wir mehrere Kinderopern in der romantischen Kulisse des Überlinger Stadtgartens auf. Wir sangen nicht nur, sondern gestalteten auch die Kulissen.

Während des Studiums der Malerei in Stuttgart besuchten Sie die internationale Sommerakademie „Schule des Sehens“ bei Oskar Kokoschka. Was haben Sie von dort mitgenommen?

Wir waren über 300 Studenten und Kokoschka hat mich und drei andere aus der Gruppe herausgenommen und wir durften getrennt von den anderen Bewegungsstudien malen. Um die Proportionen und den Ausdruck hinzukriegen, musste man vorher schon viel Akt gezeichnet haben. Ich erhielt den ersten Preis der Sommerakademie für außergewöhnlich guten Erfolg und Kokoschka sagte zu mir: „Sie müssen malen, nichts als malen“.

Ihr Lebensweg ging dann aber erst einmal in eine andere Richtung.

Ich habe 1959 geheiratet und eine Familie gegründet. In Zorneding bei München setzte ich mich als SPD-Gemeinderätin gegen erhebliche Widerstände erfolgreich für die Einrichtung eines Modellvorschulkindergartens ein. Ab 1977 war ich als Museumspädagogin angestellt bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, zuständig für die Städtische Galerie im Lenbachhaus und das Stadtmuseum in München.

Was war Ihnen bei der Arbeit mit Kindern wichtig? Wie haben Sie es geschafft, dass die Kinder einen Zugang zur Kunst bekommen?

Ich wollte mit den Kindern etwas machen, dass ihnen Freude macht, ihnen ermöglichen, ihre natürliche Kreativität zu leben ohne Leistungsdruck, sie in ihrem Selbstwertgefühl stärken. Schon bei der Bildbesprechung im Museum, in gemütlicher Runde vor dem Bild sitzend, drückten die Kinder ihre Empfindungen frei aus, lernten sich auszudrücken und die Meinung anderer zu akzeptieren.

Welche Rolle kann Kunst in der Erziehung spielen?

Mir war immer wichtig, dass jedes Kind lernt, sich individuell auszudrücken und Freude am Gestalten hat. Und ich kenne kein Kind, bei dem sich diese Freude nicht wecken lässt. Die Kinder können Mut zu eigenen Lösungen entwickeln und zu sich selbst kommen. Nach dem Malen in einem Raum des Museums bildeten wir wieder eine Runde und jeder „kleine Künstler“ erklärte uns sein Bild. So lernten sie frei sprechen und Toleranz gegenüber anderen Sichtweisen. Ich habe mich auch sehr in der Fortbildung von Erziehern und Lehrern im bildnerischen Bereich engagiert. Ich konnte so viele Kinder, Lehrer und Erzieher erreichen und kann sagen, dass mich der Beruf sehr erfüllt hat.

Nach Ihrer Pensionierung sind Sie nach Bodman gezogen und konnten sich wieder verstärkt Ihrer Malerei widmen. Was malen Sie?

Ich wollte zurück nach Hause zu meinem geliebten See. Mein Mann und ich haben uns damit einen Traum erfüllt, fühlen uns in Bodman sehr wohl und ich hatte wieder Zeit zum Malen. Ich kann nur das malen, was mich fasziniert. Es muss mir Spaß machen und mich reizen. Oft spielt der See eine Rolle, wie in den Wasserspiegelungen. Ich male Aquarelle, Porträts in Öl und habe mit verschiedenfarbigen Erden aus der Toskana experimentiert. Gern möchte ich, dass sich die Betrachter meiner Bilder entspannen, die Farben und Stimmungen genießen und innerlich ausruhen können.

Wie kam der Kontakt zur Künstlergruppe in Steißlingen zustande und wie kommt es, dass Bruno Epple bei Ihrer Vernissage liest?

Ich habe den Steißlinger Künstler Hubert Zimmermann kennengelernt und mich in der Gruppe gleich wohlgefühlt. Das sind alles sehr herzliche und zuverlässige Menschen. Wir treffen uns einmal im Monat, werden auch kreativ tätig und haben Spaß. Die Gruppe und der Kunst- und Kulturkreis unterstützen mich auch sehr bei der Organisation der Ausstellung. Bruno Epple traf ich bei einer Veranstaltung und wir haben uns gleich gut unterhalten. Seine Geschichten sind köstlich, geistreich und er ist hochgebildet. Es ist eine Freude, ihm zuzuhören.