Der jüngste Bürgermeister im Hegau agiert schon ziemlich abgeklärt. "Nein, überrascht hat mich bisher nichts", erklärt der 27-jährige Benjamin Mors im Chefsessel des Steißlinger Rathauses, den er seit einem guten halben Jahr besetzt. Dem Zufall wollte er schon im Wahlkampf nichts überlassen. Gefühlt ist er bereits ein Jahr lang in Steißlingen an allen Ecken und Enden tätig, da er schon vor der Wahl am 22. Oktober ausloten wollte, was Steißlingen ausmacht und die knapp 5000 Einwohner der Gemeinde bewegt. "Ich komme zwar aus einem kleineren Dorf – meine Heimat im Sauldorfer Teilort Bichtlingen hat nur 450 Einwohner -, die Strukturen sind aber ähnlich.

So weiß ich beispielsweise um die große Bedeutung der Vereine und um das gesellschaftliche Engagement und Miteinander in vielen Bereichen", betont Mors. Haushoch hatte der frühere Engener Kämmerer die Steißlinger Bürgermeisterwahl gewonnen. Nun zieht er eine erste Halbjahres-Bilanz, die er sehr positiv bewertet, aber auch mit einem Riesenpensum verknüpft sieht. Er sucht das Gespräch mit den Bürgern und Vertretern von Firmen. "Eine Liste von 60 Besuchen von Betrieben habe ich schon zu einem guten Teil abgearbeitet. Das ist sehr zeitintensiv, bringt aber sehr viele wichtige Erkenntnisse, die auch von eigenem Nutzen sind", erklärt Mors.

Dem Gewerbe misst er große Bedeutung bei. Es sei auch durch die Gewerbesteuer-Einnahmen ein wichtiger Faktor für die guten Finanzen von Steißlingen, sagt er. So wolle er zusammen mit dem Gemeinderat die weitere Ansiedlung und Ausweitungen von Firmen vorantreiben, wie durch die Erweiterung des Gewerbegebietes "Vor Eichen I". Auch ein neues Wohngebiet soll bald erschlossen werden, damit möglichst ab Frühjahr 2019 der Bau von Häusern starten kann. "65 Steißlinger stehen schon auf einer Warteliste. Die Zahl der Bauplätze muss noch festgelegt werden", so Mors.

Nach 40-jähriger Amtszeit seines Vorgängers Artur Ostermaier habe er versucht, interne Arbeitsabläufe in der Verwaltung und auch das Vorgehen im Gemeinderat moderat zu ändern. Dies geschehe nach dem Generationswechsel schon altersbedingt, wie im Umgang mit digitalen Medien, so Mors. "Ich setze dabei auf Beständigkeit und habe schnell gemerkt, dass vieles sehr gut läuft. Und im Rathaus-Team gibt es bei den Amtsleitern eine gute Mischung aus überwiegend jungen, aber auch erfahrenen, älteren Mitarbeitern. Intensiv seien auch die Gespräche mit den Bürgern.

"Die sind manchmal auch anstrengend und emotional, wenn es um Angelegenheiten wie bei privaten Bauten geht. Mir ist aber wichtig, dass sich die Gesprächspartner auf derselben Ebene bewegen", streicht Mors heraus. Schnellen Handlungsbedarf sah er schon beim Bürgermeister-Wahlkampf wegen des starken Wunsches der Einwohner nach mehr Einkaufsmöglichkeiten von Lebensmitteln. Die überraschend schnelle Ansiedlung eines Netto-Marktes habe aber den Druck erst mal weggenommen. "Wir wollen nun die Entwicklung beobachten und sie dann bewerten, bevor eine Entscheidung gefällt wird", zeigt der Bürgermeister auf.

Beste Noten gibt er der Gemeinschaftsschule Steißlingen, in der erstmals der Realschule-Abschluss gemacht werden konnte. "Und dies mit überdurchschnittlich guten Ergebnissen bei den Prüfungen, welche dieselben wie bei allen anderen Realschulen waren. Auch bei den Kindergärten sind wir nach der Sanierung des katholischen Hauses sehr gut aufgestellt", sagt er. Die gute Infrastruktur dürfe aber nicht überstrapaziert werden. Die Einführung des drahtlosen Netzwerks am Steißlinger See sei umgesetzt worden. Mors will gezielt den Tourismus weiter fördern. Die Verbesserung des Öffentlichen Personen Nahverkehrs und das Auto teilen, sind für ihn ebenfalls bedeutsame Themen.