Die Bürgerinitiativen gegen einen geplanten Windpark auf dem Steißlinger Kirnberg haben an einen breit angelegten Verteiler der politischen Vertreter des Landkreises Konstanz einen so genannten Faktencheck versandt, der im Kern den Vorwurf erhebt, die Stadtwerke der Region würden naiv und gutgläubig den Versprechungen des von ihnen beauftragten Projektierers Solarkomplex folgen und Millioneninvestitionen in Windkraftanlagen leichtfertig aufs Spiel setzen. Dazu nehmen die Geschäftsführer der Hegauwind Verwaltungs GmbH und Partner der IG Hegauwind in einer gemeinsamen Erklärung wie folgt im Wortlaut Stellung:

"Seit Gründung der Interessengemeinschaft 2012 wurde akribisch und intensiv die Planung von möglichen gemeinschaftlichen Windenergieanlagen im Landkreis Konstanz im Auftrag der Gesellschafter und Kommunen untersucht, vorangetrieben und auf dem Weg gebracht, um somit einen eigenständigen Beitrag für den so wichtigen Atomausstieg damals und dem heute hinzukommenden Kohleausstieg zu leisten. Die so genannte ökologische Energiewende ist im eigentlichen Sinne ein volkswirtschaftlicher Umbau der Energiewirtschaft der viele Belange unserer Gesellschaft verändern wird, da fossile Ressourcen endlich sind und eine Umweltgefährdung mit konventionellen Erzeugungskapazitäten in der Bundesrepublik Deutschland nicht zukunftsfähig ist.

Es ist definitiv falsch, dass die Aussagen im so genannten Faktencheck über die Entscheidung von Kommunen und Stadtwerken zur Beteiligung an der IG Hegauwind „mit mutmaßlich geschönten Aussagen und suspekten Gutachten“ zustande kam. Vielmehr hat die IG Hegauwind - wie von den Bürgerinitiativen im Kern gefordert - konkret die aktuelle TRG rev 9 als Grundlage ihres Vorgehens gewählt. Die Geschäftsführer der an der IG Hegauwind beteiligte Stadt- und Gemeindewerke, sowie Bürgerunternehmen haben sich in einem langen und aufwändigen Prozess eine fundierte Meinung zu den untersuchten potentiellen Windkraftstandorten gebildet. Dies geschah auf der Grundlage von Windmessungen und Gutachten, welche sehr wohl den geforderten Qualitätsstandards entsprechen. Es gibt keinen Grund, die getroffenen Entscheidungen der Gremien in Frage zu stellen. Auch die eher Region Hegau-Bodensee soll einen angemessenen Beitrag für eine klimafreundliche Stromerzeugung aus Windkraft leisten und sie tut dies an technisch und wirtschaftlich geeigneten Standorten.

In der durchaus kontroversen Diskussion zu Windkraftanlagen in unsere Heimat beginnt bedauerlicherweise inzwischen eine skurrile Verdrehung der Rollen. Unter dem klangvollen Namen „Forum Erneuerbare Energien Hegau-Bodensee“ tritt ein Zusammenschluss von energiewirtschaftlichen Laien auf, der in der Region bisher keinerlei Projekte zur Nutzung von heimischen erneuerbaren Energien realisiert hat. Davon gänzlich unberührt beanspruchen einige der darin versammelten Personen dennoch einen Expertenstatus.

In der IG Hegauwind haben sich zahlreiche Stadt- und Gemeindewerke der Region zusammengeschlossen, um an geeigneten Standorten gemeinsam Windenergieanlagen zu bauen und zu betreiben. Diese Unternehmen versorgen seit Jahrzehnten Hunderttausende von Kunden mit Strom, Gas, Wasser und Energiedienstleistungen, generieren in Summe mehrere Hundert Millionen Euro an Jahresumsatz und verfügen damit nachweislich in der gelebten Praxis über einen erheblichen energiewirtschaftlichen Sachverstand, insbesondere auch im Bereich der erneuerbaren Energien.

Was den Standort Verenafohren in Wiechs am Randen angeht, so haben alle elf Akteure der IG Hegauwind inklusive des Projektierers Solarcomplex die Betreibergesellschaft für diesen Standort gegründet und das notwendige Eigenkapital eingelegt. Insoweit hat kein Gesellschafter ein Interesse daran, Projekte wirtschaftlich schönzurechnen. Im Gegenteil, alle Gesellschafter haben inklusive des Projektierers ein vitales Interesse daran, dass die Windkraftprojekte im prognostizierten Renditekorridor laufen.

Wir sind es uns und den nachkommenden Generationen schuldig, einen nachhaltig wertvollen Lebensraum ohne Umweltbelastungen und volkswirtschaftliche Risiken zu übergeben.“