Wie ein Wildwasser-Strom ziehen die Worte von Yael Inokai ihre Leser in den Bann. Wie bei diesem unberechenbaren Gewässer weiß der Leser nicht, was ihn erwartet. Ein Buch über Suizid? Ein Krimi? Ein psychologischer Blick auf eine typische Dorfgemeinschaft? Diese Fragen bewegten auch einen der vielen Zuhörer bei der Lesung in der Reihe Erzählzeit ohne Grenzen in der Mensa der Steißlinger Gemeinschaftsschule. "Wenn noch Fragen offen sind, nachdem Sie das Buch gelesen haben, dürfen Sie sich bei mir melden", antwortet die Autorin verschmitzt.

"Schule riecht immer besonders", erklärt sie. Und so passe der Ort der Lesung besonders gut. Denn die Protagonisten ihres Buches sind noch relativ jung. "Sie haben etwa die Hälfte ihres Lebens in der Schule verbracht", sagt Inokai. Sie erzählt aus der Sicht dreier Protagonisten. "Manche Menschen haben etwas zu sagen und andere nicht", erklärt sie, warum nicht alle Figuren zu Wort kommen. In kurzen, knappen Sätzen führt sie direkt in ihre Welt ein. Mit einem ganz einzigartigen Blick auf das Geschehen lässt sie genau in die Dorfwelt und das Leben der einzelnen Bewohner eintauchen. Dabei geht sie komplexe Themen an: Wie umgehen mit einer Selbsttötung in den eigenen Reihen? Wie leben, sodass man den Erwartungen anderer gerecht wird, ohne mich selbst zu verbiegen?

Yael Inokai erweist sich bei der Lesung in der Steißlinger Schulmensa nicht nur als gute Autorin, sondern auch als gute Rezitatorin.n Bild: Susanne Schön
Yael Inokai erweist sich bei der Lesung in der Steißlinger Schulmensa nicht nur als gute Autorin, sondern auch als gute Rezitatorin.n Bild: Susanne Schön

Die Zuhörer wollen auch wissen, wie die Autorin schreibt. "Ich habe eine Grundidee und entwickle die Geschichte während des Schreibens weiter", erklärt sie. Dabei komme es zu auch für sie unerwarteten Wendungen. Warum sie keine 500 Seiten lange Romane schreibe, wie das aktuell viele täten, weiß Inokai selbst nicht so genau: "Es passte einfach nicht zu meinem Buch." Außerdem möge sie es selbst nicht nur, überrascht zu werden, sondern auch, die Informationen eher komprimiert zu bekommen.

So stand man noch lange bei Wein und Knabbereien zusammen und diskutierte über das eben Gehörte oder über die Geschehnisse im eigenen Dorf. Die Autorin signierte ihre Bücher. Eines davon kann man sogar in der Bücherei ausleihen.