Rund um Steißlingen sind zwar noch viele Streuobstwiesen mit Äpfeln, trotzdem müssen die Einwohner nicht täglich einen Apfel essen, um gesund zu bleiben, auch wenn der Hausarzt Fritz Grüninger in den wohlverdienten Ruhestand geht. Für seinen engagierten Einsatz als Hausarzt wurde er beim Bürgertag mit dem Bürgerteller ausgezeichnet. Bürgermeister Benjamin Mors erklärte in seiner Laudatio: „Sie bekommen die Auszeichnung nicht dafür, dass Sie Hausarzt waren – sondern dafür, wie Sie es waren!“

Benjamin Mors bedankte sich bei Grüningers Großvater dafür, dass sein Enkel nicht wie ursprünglich gewollt Schreiner wurde, sondern den Weg als Mediziner einschlug. Nach dem Medizinstudium in Freiburg, ging es für Grüninger über die Gynäkologie am Klinikum Singen, der Pädiatrie in Göppingen bis hinauf an die Ostsee und sogar nach Afrika.

Der Stabsarzt der Bundeswehr fand dann in seine Heimat Steißlingen zurück und eröffnete dort quasi eine Familienpraxis. Seine Frau Maria und seine Tochter Anne halfen mit. Und auch die anderen beiden Kinder trugen dazu bei, dass Grüninger ein Hausarzt der Alten Schule sein konnte. Bei seinen Dankesworten fasste er es so zusammen: „Wir (die Patienten und er) haben manches Mal zusammen geweint. Aber noch viel öfter zusammen gelacht.“

Wie sehr ihn seine Patienten schätzen, zeigte die nicht enden wollende Schlange der Gratulanten. Viele Nichtsteißlinger und auch andere Wegbegleiter ließen es sich nicht nehmen, für die gemeinsame Zeit zu danken. Darunter auch Mitglieder des DRK, dort war Fritz Grüninger als Bereitschaftsarzt tätig. „Sie wollten nah am Patienten und mitten im Dorf sein“, beschrieb Mors. Dabei habe er oftmals Patienten behandelt, die sich abends oder am Wochenende meldeten, weil „Sie ihre Rolle als Hausarzt so verstanden“.

Doktor Fritz Grüninger und seine Frau nehmen die Gratualtionen zur Verleihung des Bürgertellers entgegen.
Doktor Fritz Grüninger und seine Frau nehmen die Gratualtionen zur Verleihung des Bürgertellers entgegen. | Bild: Susanne Schön

Von höchster Stelle wurde der Gemeinde attestiert, dass sie sich auf einem guten Weg befinde, was die Gesundheitsvorsorge betreffe. Holger Pressel ist Leiter des Ressorts Politik bei der AOK Baden-Würrtemberg, Fachbuchautor und Dozent. Sein Vortrag „Gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum“ passte hervorragend zum Empfänger des Bürgertellers.

Lob für das geplante Gesundheitshaus

Er lobte beim Bürgertag sowohl Fritz Grüninger für seine Arbeit als Hausarzt als auch die Gemeinde, die erkannt habe, dass man einen solchen nicht mehr bekommen würde und neue Wege gehen müsse. Holger Pressel wurde konkreter: „Die Kerze brennt auf zwei Seiten“, sagte er. Auf der einen Seite drücke der demografische Wandel, mit einer wachsenden Zahl von Patienten. Auf der anderen Seite wollten Ärzte nicht mehr rund um die Uhr erreichbar sein und achteten auf die Balance zwischen Beruf und Freizeit. Darum gelte es Lösungen zu finden. Steißlingen sei mit dem Gesundheitshaus auf dem richtigen Weg. Denn es gehe sowohl um die Entlastung der Ärzte als auch um die gesundheitliche Versorgung der Patienten in Wohnortnähe.

Für die Lösung müssten Kommunen und Politiker mit den Akteuren im Gesundheitssystem ebenso zusammenarbeiten wie diese untereinander. Dabei schloss er ausdrücklich die Krankenkassen ein und stellte Pilotprojekte vor wie Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis, Online Pflegkurse, Telederm (digitale Vernetzung von Ärzten mit Hautkliniken) sowie Sturzprävention. „Wir müssen regionale Besonderheiten vor Ort erkennen und nutzen.“ Steißlingen sei auf einem guten Weg.

Tom Bichsel (links) ist einer der Sportler, die Bürgermeister Benjamin Mors bei der Bürgerfeier ehrt.
Tom Bichsel (links) ist einer der Sportler, die Bürgermeister Benjamin Mors bei der Bürgerfeier ehrt. | Bild: Susanne Schön
Bürgermeister Benjamin Mors ehrt die Turner-Gruppen-Wettkampf-Mannschaft des Turn- und Sportvereins.
Bürgermeister Benjamin Mors ehrt die Turner-Gruppen-Wettkampf-Mannschaft des Turn- und Sportvereins. | Bild: Susanne Schön
Bei der musikalischen Umrahmung der Gemeindemusikschule sorgte auch eine Percussiongruppe für Stimmung.
Bei der musikalischen Umrahmung der Gemeindemusikschule sorgte auch eine Percussiongruppe für Stimmung. | Bild: Susanne Schön

Diese Sportler wurden geehrt

  • Die Geschwister Leonie und Benjamin Boos wurden beim Bürgertag für ihre Erfolge geehrt. Die beiden starten für den RSV Ellmendingen. Die 14-jährige Leonie Boos gewann in diesem Jahr bereits sechs Radrennen und erreichte fünf Baden-Württembergische Meistertitel. Ihr älterer Bruder Benjamin startet in der Klasse U17, gewann bisher neun Rennen und erreichte ebenfalls fünf Baden-Württembergische Meistertitel. Auch deutschlandweit ist Benjamin Boos erfolgreich und trat sogar bei der europäischen Jugendolympiade an.
  • Die Brüder Tom und Ben Bichsel sind seit Jahren herausragende Leichtathleten. Der 18-jährige Tom Bichsel gewann in diesem Jahr die Badischen Hallen-Meisterschaften im Weitsprung, die Baden-Württembergischen Winterwurfmeisterschaften im Speerwurf und wurde Badischer Meister im Stabhochsprung. Der 16-jährige Ben Bichsel errang etliche Silbermedaillen und ist badischer Meister im Speerwurf.
  • Daniela Schreuer wohnt erst seit einigen Monaten in Steißlingen, ist aber schon in der Sportabzeichengruppe des Turn- und Sportvereins integriert. Sie ist neue Badische Meisterin im Friesen-Fünfkampf. Dazu gehören folgende Disziplinen: frei stehendes Schießen, Degenfechten, je 50 Meter Brustschwimmen und Laufen sowie Kugelstoßen mit vier Kilogramm.
  • Die Turner-Gruppen-Wettkampf-Mannschaft (TGW) des Turn- und Sportvereins wurde in diesem Jahr ebenfalls ausgezeichnet. In den Disziplinen Turnen, Medizinball-Weitwurf und Orientierungslauf werden Julia Franzke, Janina Gaßner, Katharina Josef, Lilly Küster, Anne Reinicke, Valentina Sauter, Belinda Stehle, Kim Vieth und Lilli Zimmermann von Jessica Damms und Stefanie Zimmerman trainiert. Gemeinsam erreichten sie den Badischen Meistertitel. (sch)