Unter den Blasorchestern im Landkreis Konstanz rangiere der Musikverein Steißlingen ganz oben, sagt Dirigent Michael Forster während des Frühjahrskonzertes. Das Orchester spielt in der Oberklasse. "Von den dörflichen Musikvereinen gehören wir zu den Besten", erläuterte Forster. Aber auch zu den Ältesten: Der Musikverein Steißlingen war 1893 eines der Gründungsmitglieder des heutigen Blasmusikverbands Hegau-Bodensee, der sein 125. Jubiläum im Juni mit einem großen Verbandsmusikfest feiert.

Das Frühjahrskonzert des MV Steißlingen, ein Doppelkonzert mit dem Jugendblasorchester, stand unter dem musikalischen Motto "Kontraste". Beim Jugendblasorchester bestimmte nicht der Dirigent das Musikprogramm, wie sonst üblich, sondern die Mitglieder der einzelnen Instrumentengruppen. Die Auswahl der jungen Musiker traf das Motto des Abends punktgenau. Filmmusiken aus "Die Schöne und das Biest", der Reihe "Transformers" und aus "Fluch der Karibik" erkor der Nachwuchs zu seinen Favoriten. Allein die Auswahl der Zugabe mit einem Titel der Soul- und Funk-Band Earth, Wind and Fire oblag Dirigent Florian Fritschi und brachte einen zusätzlichen zeitlichen Kontrast. "Hmm, war unsere Reaktion auf seine Wahl. Haben wir noch nicht gehört. Da waren wir noch gar nicht geboren", beschrieb Moderatorin Alina Forster die musikalische Achterbahnfahrt des Abends.

Österreich-Ungarn liegt musikalisch neben Amerika

Dominierte der Kontrast das Abendrepertoire beim musikalischen Nachwuchs, könnte die Steigerungsform für Kontrast bei den erwachsenen Bläsern mit der Redewendung "je oller, desto doller" charakterisiert werden. Die musikalische Reise durch die Welt des Kontrastes begann in Ungarn mit "Puszta", einer Suite aus vier Zigeunertänzen von Jan van der Roost. Mal feurig, mal melancholisch, dann romantisch und fast Barock bringt diese Musik die slawische Seele zum Klingen. Von der ungarischen Steppe führte der kontrastreiche Weg in den Wilden Westen nach Virginia. Jacob de Haans Komposition interpretiert drei Abschnitte aus Virginias Geschichte: die Kolonisation, die Sklaverei und den Bürgerkrieg. Entsprechend kontrastreich bis hin zum Blues widerspiegeln die musikalischen Elemente die einzelnen Zeitabschnitte. Beim Wertungsspiel am 9. Juni, anlässlich des Jubiläumsfests des Blasmusikverbands, will der Steißlinger Musikverein mit dem schwungvollen "Virginia" punkten.

Weiter führte die Reise in die Zeit der Kaiserlich und Königlichen Monarchie mit dem Konzertmarsch "Kaiserin Sissi". In kurzer Zeit hatte Timo Dellwegs Marsch die Blasmusikwelt erobert. Etwas verrückt wurde der Reiseweg durch die kontrastreiche Musikwelt mit "Loco Motion". Eine Komposition, die durch verrückt schnelle Rhythmuswechsel herausfordere, erklärte Dirigent Forster. Nach "Braveheart" fand die Reise durch die Welt des Kontrastes ein schwungvolles Ende in der Funk-Musik mit "Uptown Funk".

Verband dankt für Treue

Beim Frühjahrskonzert wurden sechs Steißlinger Musiker mit der Ehrennadel in Gold durch Jürgen Schröder, stellvertretender Präsident des Blasmusikverbands Hegau-Bodensee, für ihr jahrzehntelanges musikalisches Engagement geehrt. Mit der Ehrennadel in Gold für 30-jährige aktive Mitgliedschaft wurde Thomas Schirmer ausgezeichnet. Die Ehrennadel in Gold des Verbands Hegau-Bodenseee und des Bunds Deutscher Blasmusikverbände für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft erhielten Karin Lessmann, Jürgen Breinlinger, Thomas Braun, Berthold Knapp und Dirigent Michael Forster.