Die Steißlinger hatten es wohl gehofft, weil sie ungern ein zweites Mal zur Wahl gehen wollten, aber nicht mit einem so eindeutigen Ergebnis gerechnet: Der 26-jährige Benjamin Mors erhielt bei der Wahl zum Bürgermeister von Steißlingen 77,9 Prozent der Stimmen. Als der amtierende Bürgermeister Artur Ostermaier vor dem Rathaus das Ergebnis bekannt gab, brandete Applaus auf. Viele Steißlinger waren gekommen, um den Ausgang der Wahl zu erleben. Mors war sichtlich ergriffen von diesem Ergebnis. „Ich bin überwältigt, sprachlos und beeindruckt“, sagte der Diplom-Verwaltungswirt und Kämmerer von Engen. Seine Mitbewerber, der Böhringer Ortsvorsteher Bernhard Diehl und der Jurist Matthias Schaubel, kamen auf 13,4 und 8,4 Prozent der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 68,7 Prozent. Sie waren sichtlich enttäuscht von ihrem Ergebnis, gratulierten dem Gewinner kurz und verschwanden dann in der Menge. Beide hatten ebenfalls einen sehr engagierten Wahlkampf geführt und an der Ernsthaftigkeit ihrer Kandidatur keinen Zweifel gelassen.

Anstehen zum Gratulieren: In der Torkel wurde nach der Wahl gefeiert und die Bürger überbrachten Mors ihre Glückwünsche.
Anstehen zum Gratulieren: In der Torkel wurde nach der Wahl gefeiert und die Bürger überbrachten Mors ihre Glückwünsche.

Der amtierende Bürgermeister Artur Ostermaier lobte die Kandidaten für ihr Engagement und ihre Fairness im Wahlkampf. Es sei ein sehr klares Votum für Mors. Er schenkte seinem Nachfolger einen Kompass, der dafür sorgen solle, dass der neue Bürgermeister für die Gemeinde immer die richtige Richtung finde. Die Amtszeit von Ostermaier endet Mitte Januar. Landrat Frank Hämmerle gehörte auf der Bühne vor dem Rathaus zu den ersten Gratulanten. „Diese Wahl ist etwas Besonderes für Steißlingen. Nachdem Artur Ostermaier 40 Jahre hier Bürgermeister war, bricht für die Gemeinde eine neue Ära an“, sagte Hämmerle.

Der kommende Bürgermeister (Mitte) von Steißlingen sagt: "Ja, ich nehme die Wahl an."
Der kommende Bürgermeister (Mitte) von Steißlingen sagt: "Ja, ich nehme die Wahl an."

„77 Prozent sind ein unglaubliches Ergebnis und für mich ist das ein unglaublicher Moment“, sagte Benjamin Mors. Er erklärte, er wolle das Ergebnis als Verpflichtung und Ansporn sehen. „Ich bin motiviert, die Gemeinde voranzubringen und weiterhin das Gespräch zu suchen“, sagte der Gewinner der Wahl. Er wolle sich bei den Bürgern für die Gespräche und dafür bedanken, dass er so offen aufgenommen wurde. Er bedankte sich auch bei seiner Familie für die Unterstützung. „Sie können sich vorstellen, dass es bei uns nur ein Gesprächsthema gab“, sagte er. Nachdem der Musikverein musikalisch gratuliert hatte, ging es Richtung Torkel, wo Mors die Bürger zu Freibier und Wurst eingeladen hatte. Dort gratulierte auch Engens Bürgermeister und Mors Chef, Johannes Moser, stellvertretend für alle Hegauer Bürgermeister, die gekommen waren. Moser verliert jetzt seinen Kämmerer. Aber er trug’s mit Fassung: Man brauche auch gute Bürgermeisterkollegen, sagte er. Tengens Bürgermeister Marian Schreier gratulierte mit den Worten: „Jetzt bin ich nicht mehr der Jüngste.“