Benjamin Mors ist angekommen – im Steißlinger Rathaus. Der neue 26-jährige Bürgermeister hat seine Arbeit aufgenommen. "Die Schränke sind leer, der Schreibtisch wurde mir blitzsauber überlassen", betont Benjamin Mors süffisant. Sein Vorgänger Artur Ostermaier hat nicht nur kräftig in seiner Amtsstube aufgeräumt, sondern nach 40-jähriger Tätigkeit als Rathaus-Chef große Spuren hinterlassen. Das hat sich bei den grandiosen mit allen Ehren für Ostermaier gekürten Abschiedsfeiern deutlich gezeigt. "Ich wurde mehrfach von Steißlingern darauf angesprochen, wie ich das vermeintlich schwierige Erbe angehe. Ich bleibe da aber sehr gelassen. Bei allem größten Respekt, was Herr Ostermaier geleistet hat, Angst verspüre ich nicht vor meiner neuen Aufgabe, die ich mit Vollgas angehen will. Mein Ziel ist es, eigene Spuren zu legen", betont Mors. "In die großen Fußstapfen von Herr Ostermaier passe ich nicht hinein, wenn wir auch in etwa die gleiche Körper- und Schuhgröße haben", sagt Mors.

Beim Willkommensempfang im Steißlinger Rathaus stellen sich Benjamin Mors (3. v. re.) und sein Mitarbeiter-Team zu einem Gruppenfoto. Bild: Gabi Reithinger
Beim Willkommensempfang im Steißlinger Rathaus stellen sich Benjamin Mors (3. v. re.) und sein Mitarbeiter-Team zu einem Gruppenfoto. Bild: Gabi Reithinger

Gerade weil Steißlingen auch dank Ostermaier so gut dastehe, sei es so attraktiv, in dieser Gemeinde das Bürgermeister-Amt auszuüben. Sein Vorgänger habe ihm die Gelegenheit gegeben, sich vor Ort bereits einzuarbeiten, als er noch in Amt und Würden war. "Das ist nicht selbstverständlich, wie ich aus anderen Gemeinden kenne. Dafür danke ich ihm", betont Mors. Und er freut sich auch über eine noble Geste. Bevor der neue Rathaus-Chef am Dienstagmorgen sein neues Amtszimmer bezog, stand schon ein bunter Blumenstrauß auf dem Schreibtisch. Und ein persönliches Anschreiben mit den besten Wünschen samt Schlüssel. Absender war Artur Ostermaier, der gerade eine überwältigende Abschiedsfeier-Tour hinter sich hat.

"Mir ist es wichtig, erst mal alle unsere Beschäftigten persönlich kennenzulernen. Das werde ich zusammen mit den Amtsleitern machen. Danach wollen wir gemeinsam Strukturen und Arbeitsläufe festlegen. Dabei kann es auch zu Änderungen kommen, wie sie bei neuen Leitungen durchaus üblich sind", blickt Mors voraus. Mit dem großen Bürgermeister-Zimmer ist er durchaus zufrieden. "Es stehen noch kleinere Renovierungen an, wie das Schleifen des Parkettbodens. Ansonsten gefällt mir die Ausstattung sehr gut. Daran will ich nichts Wesentliches ändern", erklärt Mors.

Bild: Albert Bittlingmaier

"Einige brennende Themen, die auch den Wahlkampf beherrschten, will ich rasch angehen. Dabei geht es zum einen um die Nahversorgung, die durch die Ansiedlung eines Netto-Marktes im lange Zeit leer stehenden Landmarkt eine neue Wendung bekommen hat. Zum anderen müssen wir mittelfristig die ärztliche Versorgung in Steißlingen sichern. Ich denke dabei an ein kleines Medizinisches Versorgungszentrum, wie ich das auch im Wahlkampf vorgeschlagen habe", erklärt er. Es gebe auch wichtige soziale Themen, wie die Integration von Flüchtlingen oder Belange von Schulen und Kinderbetreuung.

"Es war schon ein besonderes freudiges Gefühl, als ich am ersten Arbeitstag von Sauldorf-Bichtlingen nach Steißlingen gefahren bin, wo ich in meinem Wahlkampf und danach schon oft war", so Mors. "Ich bin froh, dass ich ab Februar meine neue Wohnung gegenüber dem Feuerwehrhaus beziehen kann", sagt Mors. "Mitten im Ort zu wohnen, sehe ich nicht als Nachteil. Ich glaube, die Steißlinger respektieren meine Privatsphäre, wenngleich ich immer ein offenes Ohr für sie haben will", sagt er. Mors lud alle Mitarbeiter zu einem kleinen Willkommensempfang ein. Launige und herzliche Worte fanden Hauptamtsleiter Roland Schmeh und Stellvertreterin Miriam Klingenberg. Sie überreichten passende Präsente, wie ein "Bürgermeister-Überlebensordner".

 

Wahl und Verpflichtung

Der 26-jährige Diplom-Verwaltungswirt Benjamin Mors gewann am 22. Oktober die Steißlinger Bürgermeisterwahl haushoch mit 77,9 Prozent der Stimmen gegen die beiden Mitbewerber Bernhard Diehl (13,4) und erhielt Matthias Schaubel (8,4). Mors, der vier Jahre lang das Rechnungsamt der Stadt Engen leitete, folgt damit auf Artur Ostermaier, der 40 Jahre lang Bürgermeister von Steißlingen war. Der neue Amtsinhaber wird am Montag, 22. Januar, um 19 Uhr in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung in der Seeblickhalle als neuer Bürgermeister verpflichtet. Es gibt auch einen kleinen Stehempfang.