Kevin, wie kamst du auf die Idee, dich beim Landesschülerbeirat zu bewerben?

Kevin Kaczynski: Ich hatte ein Gespräch mit der Konrektorin Simone Kauderer und sie hat mir gesagt, dass sie sich gut vorstellen könnte, dass ich im Landesschülerbeirat mitmache. Am Anfang wusste ich nicht einmal, was ich mit dem Wort Landesschülerbeirat anfangen soll. Als ich das Thema daraufhin recherchiert habe, wurde mir klar, was das alles genau bedeutet und dass ich mir zutraue, dabei mitzumachen. Da Christina an dem Tag krank war, habe ich ihr die Sache mit dem LSBR erzählt. Wir sind immerhin schon seit der fünften Klasse zusammen in der Schülermitverantwortung. Das war der ausschlaggebende Punkt, dass wir das zusammen gemacht haben.

Christina, wie war das für dich, eine Wahlrede für den LSBR zu schreiben und habt ihr beide euch gegenseitig geholfen?

Christina Hollmann: Am Anfang fand ich das Schreiben einer solchen Wahlrede total schwierig. Wir haben uns dazu entschlossen, erst einmal unsere Konrektorin zu fragen. Sie hat uns zwar etwas geholfen, aber eigentlich haben wir den Großteil der Rede selbst verfasst. Geprobt haben wir sie auf der Hinfahrt nach Freiburg, zur Wahl des LSBR. Vor Ort haben wir die Rede außerdem vor den Vertretern der Gemeinschaftsschule gehalten. Das waren ungefähr zehn Leute.

Wie habt ihr euch vor Ort in Freiburg beim LSBR gefühlt?

Kevin Kaczynski: Wir waren beide sehr aufgeregt. Wir wussten ja nicht, was auf uns zukommt. Als wir dann aber im Saal waren, mit allen anderen ­Schülern und Schülerinnen, und die uns mit ­offenen Armen empfangen haben, ­waren wir erleichtert. Außerdem haben wir bereits jemand von der Realschule aus Singen gekannt, der dabei war. Das war eine zusätzliche Erleichterung.

Wie war die Stimmung vor Ort und während der Bekanntgabe der Ergebnisse?

Christina Hollmann: Die Dauer der Bekanntgaben war unterschiedlich. Manche kamen mit zehn Personen in den Abstimmungskreis, andere mit 20. Das hat natürlich länger gedauert. Wir erfuhren in unserem Abstimmungskreis relativ schnell die Ergebnisse, da direkt die Stimmen ausgezählt wurden. Wir hatten das Gefühl, dass auch diejenigen, die nicht gewählt wurden, es den anderen gegönnt haben und sich mit ihnen gefreut haben.

Was haben eure Freunde und Familien zu eurem Sieg gesagt, wie haben sie reagiert?

Kevin Kaczynski: Meine ganze Familie und meine Freunde waren sehr stolz auf mich. Christina und ich hatten das in dem Moment noch gar nicht richtig realisiert. Erst als wir am nächsten Tag in der Schule nochmal darauf angesprochen wurden, war uns klar: Wir haben es geschafft! Und dann haben wir uns total gefreut. Wir merken das sogar jetzt noch: Dadurch wird man im Dorf sogar angesprochen.

Was denkt ihr: Wie wichtig ist der LSBR für die Schulpolitik und Schulgestaltung in der Region?

Christina Hollmann: Für uns und unsere Schule ist er sehr wichtig. Das letzte Mal wurde kein Vertreter im Bereich Gemeinschaftsschulen gewählt. Wir werden das nun zwei Jahre lang machen, dann werden wieder die einzelnen Vertreter der verschiedenen Schularten gewählt. Es ist wichtig, dass wir als Gemeinschaftsschule in politischen Entscheidungen miteinbezogen werden. Außerdem wird das irgendwann auch mal unsere Geschwister betreffen.

Wollt ihr euch in Zukunft für schulpolitische Ämter bewerben?

Kevin Kaczynski: Ich weiß es noch gar nicht. Ich lasse das erst mal alles auf mich zukommen. Wenn es passt, würden wir nicht nein sagen, da sind wir uns einig. Wir schließen es zumindest nicht aus.

Habt ihr Pläne für die Zukunft?

Christina Hollmann: Ich würde gerne meinen Realschulabschluss machen und anschließend das Abitur nachholen. Mein Ziel ist es, Psychologie zu studieren.

Kevin Kaczynski: Wahrscheinlich fange ich eine Ausbildung zum Finanzwirt an – weil mich der Beruf interessiert und ich gerne mit Zahlen arbeite.

Fragen: Aaron Baur

Darüber entscheidet der Landesschülerbeirat

Der Landesschülerbeirat, kurz LSBR, ist die demokratisch legitimierte Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler im Bundesland Baden-Württemberg

  • Zusammensetzung: In Baden-Württemberg ist der LSBR zusammengesetzt aus 60 Schülerinnen und Schülern der vier Regierungsbezirke Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen. Sie besuchen die folgenden Schularten: Gymnasien, Realschulen, Haupt- und Werkrealschulen, Gemeinschaftsschulen, öffentliche sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren, dann die Berufskollegs, Berufsoberschulen und Berufliche Gymnasien sowie Berufsschulen, Berufsfachschulen und Fachschulen.
  • Aufgaben: Gegenüber dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, der Öffentlichkeit und weiteren Verbänden vertritt der LSBR die Interessen der 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg. Bei allen bildungspolitischen Änderungen ist der LSBR deshalb durch ein Anhörungsverfahren eingebunden. Dazu werden zum Beispiel Gesetzesentwürfe gelesen und anschließend zusammen erörtert. Schließlich bilden sich die Vertreter des LSBR eine eigene Meinung und teilen diese dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport mit. Das Ministerium kann diese Meinung einbeziehen, muss das aber nicht tun.
  • Herausforderung: Auf seiner Homepage betont der LSBR, dass Vergleichsstudien wie Vera oder IQB gezeigt hätten, dass das hochgelobte baden-württembergische Bildungssystem erheblich an Qualität eingebüßt hat – und mittlerweile von vielen Bundesländern überholt wurde. "Während man viele Jahre stolz darauf sein konnte, einen Abschluss in Baden-Württemberg erworben zu haben, stellen sich viele Schüler die Frage, was dieser heutzutage überhaupt noch wert ist." Es sei unerlässlich, den Wert des Abschlusses wiederherzustellen. (aba)