Früher Dienstagnachmittag im Foyer des Engener Gymnasiums. Langsam kommen immer mehr Abiturienten aus der Prüfung. Als erstes Fach stand Deutsch auf dem Programm. Jana Lapp und Meike Henkel wirken ein wenig erschöpft, aber auch erleichtert. Die erste Prüfung haben sie hinter sich. Sie haben sich für unterschiedliche Aufgaben entschieden: Einmal die Interpretation eines Kurzprosatextes und einmal einen klassischen Werksvergleich zwischen Hermann Hesses „Steppenwolf“ und E.T.A. Hoffmanns „Der goldne Topf“. Es sei genau das drangekommen, worauf sie der Lehrer noch in der Vorwoche hingewiesen habe, berichten die beiden Abiturientinnen erfreut. Auf SÜDKURIER-Nachfrage bei mehreren Gymnasien in Singen und Engen zeigte sich, dass es in Zeiten von Corona besonders aufwendig ist große Prüfungen abzuhalten. Gleichzeitig sehen die Schulleiter ihre Prüflinge trotz mehrerer Lockdowns mit Fernunterricht gleichermaßen gut vorbereitet.

Während der Prüfung sind Maskenpausen zum Essen und Trinken erlaubt

„Wir sind ganz gut in der Vorbereitung, wir sind ganz zufrieden“, bringt Kerstin Schuldt, Schulleiterin am Singener Hegau-Gymnasium die Lage kurz vor den Abiturprüfungen auf den Punkt. Die Räumlichkeiten der Schule sind in Pandemiezeiten nahezu ideal. Wie auch sonst üblich, schreiben die Abiturienten ihre Prüfungen in der großen Aula. In der können die Fenster auf beiden Seiten geöffnet und so entsprechend gut gelüftet werden. Platz gibt es hier auch genug.

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Große Abstände zwischen den einzelnen Tischen sind ohnehin während der Prüfungen geboten. Die Mehrheit der Schüler, so Kerstin Schuldt, lasse sich vor den Prüfungen testen. Schüler, die das nicht möchten, schreiben in Extra-Räumen. „Wir haben großes Vertrauen in die Schüler und wollen die Sache nicht verkomplizieren“, beschreibt Schuldt. Deshalb können sich die Schüler schon tags zuvor testen. In den vergangenen zwei Wochen fand kein Präsenzunterricht mehr statt, so dass die Abiturienten keinem vermehrten Infektionsrisiko ausgesetzt waren. Während der Prüfungen herrscht Maskenpflicht. Essen und trinken ist erlaubt und dafür darf auch eine kurze Maskenpause eingelegt werden.

Brand sorgt besondere Raumnot an der Robert-Gerwig-Schule in Prüfungszeiten

An der Singener Robert-Gerwig-Schule sieht sich der Leiter des Bereichs Wirtschaftsgymnasium, Marcus Willneff, nach dem Brand im Schulgebäude zusätzlich zu Corona noch einem Raumnotstand gegenüber. Neben dem Abitur mit 111 Schülern laufen an der Schule zeitgleich Berufschulprüfungen mit 400 Prüflingen in 30 verschiedenen Prüfungsfächern. Aus diesem Grund sitzen die Abiturienten auch das erste Mal in der nahen Kreissporthalle. Marcus Willneff sieht seine Abiturienten ebenfalls gut vorbereitet. Der Unterricht habe für sie eins zu eins digital stattgefunden. Die Prüfungen in dieser Situation seien für die disziplinierten Schüler kein Problem, so Willneff. „Für die, die eher einen Schubser brauchen vielleicht schon mehr“, so die Einschätzung des Pädagogen.

Engener Abiturienten schreiben zum ersten Mal in der Sporthalle Abitur

Für das Abitur in Engen hat der städtische Bauhof eigens große Tische von Welschingen in die Sporthalle gebracht. Sie garantieren nicht nur viel Abstand zwischen den Plätzen, sondern bieten den Prüflingen viel Platz zum Arbeiten. Ernst Schmalenberger ist stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Engen und leitet in diesem Jahr die Abi-Organisation. „Es gibt eine ganz klare Benachteiligung der Schüler durch den Fernunterricht“, ist sich der Mathe- und Physiklehrer sicher. Und dass, obwohl er die gute Qualität des Fernunterrichts, nicht zuletzt auch wegen der hervorragenden technischen Ausstattung der Schule, ausdrücklich hervorhebt.

An extra großen Tischen und mit viel Abstand schrieben die Abiturienten vom Gymnasium Engen in der Sporthalle ihr Deutsch-Abi.
An extra großen Tischen und mit viel Abstand schrieben die Abiturienten vom Gymnasium Engen in der Sporthalle ihr Deutsch-Abi. | Bild: Kerle, Helene

Ein paar Erleichterungen sollen die Nachteile für die Schüler abmildern

Für die bereits im zweiten Schuljahr hintereinander betroffenen Abiturienten gibt es seitens des Kultusministeriums ein paar Zugeständnisse. Für ihre schriftlichen Prüfungen bekommen sie unter anderem 30 Minuten mehr Zeit. „Wir hatten massig Zeit. Das hat im Kopf nicht so viel Stress gemacht“, schildert Abiturientin Meike Henkel ihr persönliches Erleben der ersten Abi-Prüfung. Außerdem konnten die Lehrer aus den zentral gestellten Aufgaben die auszuwählen, die sich am besten mit dem tatsächlich behandelten Stoff decken. „Es ist immer noch ein anspruchsvolles Abitur“, betont Schulleiterin Schuldt.

Keine schriftliche Prüfung in Deutsch und Mathe mehr zwingend

Neben der besonderen Situation aufgrund der Pandemie schreiben am Hegau-Gymnasium wie auch am Engener Gymnasium zum ersten Mal Schüler nach den Richtlinien der neuen Oberstufe ihr Abitur. Am Wirtschaftsgymnasium werden Schüler erstmals 2024 nach der neuen Oberstufe ihr Abitur machen. Ganz grob erklärt, sind auch hier wieder drei schriftliche Prüfungen ein Muss, aber nicht mehr zwingend in den Fächern Mathematik und Deutsch, sondern je nach gewählter Fächerkombination in den so genannten Leistungsfächern. Um die beiden elementaren Fächer kommt man aber auch in der neuen Oberstufe nicht drum herum. Wer sich darin nicht schriftlich prüfen lässt, muss damit dann je 20 Minuten in die mündlichen Prüfungen, die im Juli stattfinden. Kerstin Schuldt dürfte im Namen aller Schulleitungen sprechen, wenn sie zu verstehen gibt: „Unsere Schülerinnen und Schüler leisten sehr viel. Wir drücken die Daumen, dass das Abitur gut für sie läuft.“