Herr Frank, das kulturelle Leben in der Stadthalle steht seit März still. Was bedeutete das für Ihre Mitarbeiter?

Der Lockdown Anfang März hat uns wirklich eiskalt erwischt. Wir haben Kurzarbeit angemeldet, ab Mai für unsere Techniker, ab Juni für die anderen Mitarbeiter. Unsere Mitarbeiter in der Verwaltung und im Ticketing waren allerdings zunächst noch stark gefordert, denn sie waren mit der Rückabwicklung und Kostenerstattung der verkauften Abos und Tickets beschäftigt. Insgesamt mussten wir bis zum Ende 2020 allein 68 Veranstaltungen komplett absagen und 38 verlegen, teils sogar mehrfach. Sie mögen sich gar nicht ausmalen, welch organisatorischer Aufwand dahinter stand.

Musste jemand entlassen werden?

Nein, gottlob niemand. Wir haben es sogar geschafft, dass wir nach wie vor für jedes Lehrjahr zwei Azubis haben, einen in der Technik, eine als Veranstaltungskaufmann.

War die Stadthalle denn in der Zwischenzeit komplett geschlossen?

Wir bieten den Menschen in der Region das städtische Kulturprogramm, indem wir Gastspiel-Ensembles präsentieren. Gleichwohl gehört aber auch die Vermietung von Räumlichkeiten zu unserem Angebot, beispielsweise an Firmen für öffentliche und private Events. Und in Corona-Zeiten hatten wir wegen der notwendigen Abstandsregeln vermehrt Buchungen von Organisationen und Firmen, die bisher ihre Versammlungen in eigenen Räumlichkeiten oder in einem Nebenzimmer einer Gaststätte abhalten konnten.

Sie werden finanziell von der Stadt Singen bezuschusst?

Richtig, wir standen die ganze Zeit über in reger Kommunikation mit unserem Oberbürgermeister, Bernd Häusler. Dass wir nun ab dem 3. Oktober endlich wieder mit unserem Kulturangebot starten können, hat sich erst in den letzten Tagen entschieden. Über den notwendigen Zuschuss der Stadt hinaus werden wir nämlich mit Bundesmitteln gefördert. Staatsministerin Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, hat Ende August im Rahmen des Programms „NeustartKultur“ unter dem Titel „Theater in Bewegung“ eine spezielle Förderung für Gastspielhäuser auf den Weg gebracht. Wir sind glücklich, dass wir demnach endlich unseren bereits vor Monaten gestalteten Spielplan weitgehend umsetzen können.

Wie sehen die Corona-Maßnahmen, die Sie einhalten müssen, konkret aus?

Normalerweise ist die Stadthalle für 1100 Besucher ausgerichtet. Wegen der Corona-Auflagen dürfen es allerdings pro Veranstaltung nur maximal 316 Besucher sein. Die Sicherheit und die Gesundheit unserer Besucher hat für uns oberste Priorität. Allen Besuchern werden die Plätze zugewiesen. Es können Plätze in Zweiergruppen und maximal Dreiergruppen angeboten werden. Zu den anderen Besuchern wird ein Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten. Es entfallen somit auch komplette Stuhlreihen. Beim Einlass gilt eine Maskenpflicht, am Sitzplatz dürfen die Masken abgenommen werden. Wir sind gut vorbereitet, versuchen die Abläufe so reibungslos wie möglich zu gestalten, dennoch sollten sich Besucher wegen der besonderen Einlassregeln darauf einstellen, dass es zu Verzögerungen kommen könnte.

Dürfen Sie vor der Veranstaltung und in der Pause bewirten?

Nein, voraussichtlich wird bei den ersten Veranstaltungen im Oktober noch keine Bewirtung möglich sein, aber auch hier gilt es abzuwarten, denn die Regeln ändern sich ständig.

Glauben Sie, dass Sie die Nachfrage nach Karten überhaupt decken können?

Unser Angebot wird sich bevorzugt an unsere Abonnenten richten. Wir haben darunter Menschen, die schon seit Jahrzehnten zu uns kommen und bei denen möchten wir uns mit den Vorzugstickets bedanken. Sollten nicht alle Plätze von Abonnenten gebucht werden, können wir Karten jeweils 14 Tage vor der Veranstaltung im freien Verkauf anbieten. Wir starten am 3. Oktober mit einem Konzert der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz. Wegen der zahlreichen Abonnenten unserer Symphoniereihe führt das Orchester das Konzert an diesem Abend und auch das Neujahrskonzert am 9. Januar 2021 zweimal hintereinander auf. Einmal um 17.30 Uhr und direkt im Anschluss um 20 Uhr. Die Konzerte werden in leicht verkürzter Form stattfinden und es wird auch keine Pause geben. Aber wir gehen davon aus, dass die Tatsache, dass die Konzerte überhaupt stattfinden können, zählt.

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Wie ist denn die Situation für die Akteure? Welche Schutzmaßnahmen gibt es für Schauspieler und Musiker? Die Philharmonie hat die Besetzung und das Programm der Situation angepasst.

Das Orchester ist streicherlastig, die Zahl der Bläser wurde reduziert. Aber wie geplant wird Chefdirigentin Ari Rasilainen die junge, aus Südkorea stammende Geigerin Sueye als Solistin mitbringen. Wir können nur unseren Part planen und umsetzen, haben für die Musiker und die Gast-Ensembles große Garderoben und bieten insgesamt gute Voraussetzungen, aber für ihr Hygienekonzept sind diese letztendlich selbst verantwortlich.

Gibt es denn Programmänderungen, weil manche Stücke wegen des einzuhaltenden Mindestabstands komplett entfallen müssen?

Ja, die Feuerzangenbowle musste entfallen, weil das Schauspiel-Ensemble zu groß war, so auch „Eine verhängnisvolle Affäre“, da eine Corona-gerechte Aufführung mit Mindestabstand hier dramaturgisch nicht umsetzbar ist. Die gravierendsten Programmänderungen sind aber, dass die australische „Company 2“ und die „Jon Lehrer Dance Company“ aus den USA derzeit nicht auf Tournee gehen können. Für die „Company 2“ haben wir mit der verblüffenden akrobatischen Comedy-Show „LEO“ einen hochkarätigen Ersatz gefunden. Ja, und Jon Lehrers getanzte Hommage an den Komponisten Leonard Bernstein muss entfallen. Hier hoffen wir jedoch, dass wir die Veranstaltung in der nächsten Saison 2021/2022 nachholen können. Wir können momentan nicht weit vorausplanen und müssen weiterhin flexibel sein. Bei allem, was wir tun, steht aber die Freude im Vordergrund, dass wir wieder Kultur anbieten können. Die Freude, die Emotionen, die Begegnungen, all das hat uns sehr gefehlt.

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