Der Tagungsraum in der Stadthalle ist voll besetzt, als Dorothee Jacobs-Krahnen von der Volkshochschule den Gast des Abends und seine Begleitung vorstellt. Wieland Backes, der in seiner SWR-Sendung Nachtcafé fast 28 Jahre lang Gäste interviewte, tauscht an diesem Abend die Rolle und stellt sich den Fragen der Moderatorin Eva Röder. Dazwischen unterhält er das interessierte Publikum auf seine gewohnt charmante und humorvolle Art mit Kapiteln aus seiner Autobiografie.

Wunschkind, aber nicht von Anfang an

So erfahren die Zuhörer, dass Wieland Backes ein Wunschkind auf den zweiten Blick war. Seine Mutter, zum Zeitpunkt der komplizierten Schwangerschaft bereits 40 Jahre alt, hatte schon fünf Söhne, als der behandelnde Arzt ihr den Rat gab, sich gut zu überlegen, ob sie diese Schwangerschaft zu Ende bringen wolle. Glücklicherweise entschieden sich die Eltern für den kleinen Wieland, der seinen außergewöhnlichen Vornamen einer Gestalt der germanischen Heldensage verdankt, wie er dem Publikum erklärt. Seine Eltern, ein Lehrerehepaar aus dem Banat, flüchteten bereits 1939 nach Österreich, wo Wieland Backes am 10. September 1946 geboren wurde. Zwei Jahre später emigrierte die Familie nach Deutschland in den Raum Stuttgart, wo sie auf bessere Lebensbedingungen hoffte. „Es hieß, ich hätte beim Verlassen meines Heimatlandes lauthals gebrüllt, als man mich im Kinderwagen über die Grenze geschoben hat“, erzählt der Moderator schmunzelnd.

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Das Publikum genießt die humorvollen Ausführungen des Moderators, die oft mit einem Schuss Selbstironie gewürzt sind. Auf die Frage von Eva Röder, ob er sich als Schwabe bezeichnen würde, überlegt er einen Augenblick. „Ich lebe schon über 50 Jahre in Stuttgart“, antwortet Backes, „und ich liebe die Schwaben, würde mich selber aber nicht als einen bezeichnen“, fügt er hinzu. Nach dem Schulbesuch studierte er Chemie und Geografie. „Eigentlich wollte ich promovieren und dafür als Anlage für meine Arbeit einen Film drehen“, erzählt er. Deshalb bewarb er sich beim SDR (Süddeutscher Rundfunk) um eine Hospitanz. „Wie heißen Sie, Backes? Den Namen wird man sich wohl nicht merken müssen“, befand der damalige Redaktionsleiter Manfred Strobach. Ein großer Irrtum, wie sich herausstellen sollte, denn durch diese Bemerkung wurde der Ehrgeiz des jungen Wieland Backes erst so richtig befeuert. Er war beruflich als Reporter, Redakteur und Moderator unterwegs, ab 1982 war er fünf Jahre lang der Leiter der „Abendschau Baden-Württemberg“, hatte aber da schon die Idee einer Sendung im Format des Nachtcafés im Kopf. „Keiner hat geglaubt, dass ich damit Erfolg haben könnte“, berichtet der Moderator, „wer sollte schon gewillt sein, seine ganz persönliche Lebensgeschichte vor der Kamera auszubreiten“, ergänzt er.

Aber sein Konzept ging auf und er schrieb mit dieser Sendung Fernsehgeschichte. Auf die Frage von Eva Röder, wie er es schaffte, Menschen ihre ganz privaten Geheimnisse zu entlocken, antwortet Backes, dass es ein ganzes Netzwerk an Kontakten gab, das ihn unterstützte bei der Suche nach Themen und Menschen, die dazu etwas zu erzählen hatten. Vor jeder Sendung standen vertrauensbildende Gespräche mit den Kandidaten. Nach fast 28 Jahren übergab Wieland Backes die Sendung im Januar 2015 an Michael Steinbrecher und machte nun kurz vor seinem 75. Geburtstag seine Parkinson-Erkrankung öffentlich, an der er schon seit acht Jahren leidet. „Wie war das für Sie, als Sie von der Krankheit erfahren haben?“, will Eva Röder von ihm wissen. „Ich musste mich natürlich erst einmal damit auseinandersetzen und das war nicht leicht, dann habe ich beschlossen, die Diagnose noch für mich zu behalten. Ich wollte nicht auf meine Krankheit reduziert werden“, erklärt Backes. „Man lebt viel mehr im Augenblick“, sagt er, „ich hatte bis jetzt ein aufregendes und erfülltes Leben und ich hoffe, es geht noch eine ganze Weile so weiter“, fügt er an.