Neues Jahr, neues Glück. Viele Singener Bürger wünschen sich dies auch für die Brandruine der Scheffelhalle. Doch noch immer ragen dort die verkohlten schwarzen Balken in die Höhe, die Brandstelle ist weiterhin von einem Zaun umgeben und der Tatort ist abgesperrt. Betreten strikt verboten. Dabei brennt es vielen Menschen unter dem Hohentwiel unter den Nägeln, wie es mit ihrer Scheffelhalle weitergehen soll.

Wann geht es mit der Ruine voran, Herr Häusler?

Eine Frage, die sich viele Singener rund zwei Monate nach dem Brand immer häufiger stellen. Dabei helfen soll, wie Oberbürgermeister Bernd Häusler auf SÜDKURIER-Nachfrage bestätigte, eine neue Arbeitsgruppe. „Wir wollen für die Scheffelhalle ein erweitertes Nutzungskonzept erarbeiten“, sagt Häusler. Aus diesem Grund habe man jetzt im Januar eine Arbeitsgruppe mit den relevanten Kulturträgern, dem Förderverein und auch der Abteilung Sport einberufen. „Wir wollen dort sinnvolle Ideen sammeln, wie eine neue Scheffelhalle in der Zukunft intensiver genutzt werden kann“, so der Singener OB weiter.

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Er persönlich stehe einem Wiederaufbau der Scheffelhalle positiv gegenüber. Dies habe Häusler auch schon unmittelbar nach der Brandkatastrophe gesagt, da er um die Bedeutung der Scheffelhalle für viele Singener wisse. „Auch deshalb kann ich den Wunsch nach einer Scheffelhalle 2.0 gut nachvollziehen. Es ist klar, dass die Singener Vereine, auch für die Fastnacht, einen Veranstaltungsort brauchen, in dem sie selbst bewirten können“, betont er erneut. Aber wann und wie die Abrissarbeiten starten können, darüber könne auch Häusler derzeit noch keine Angaben machen.

Die Ermittlungen dauern an

Bei der Ermittlung des möglichen Brandstifters kann die Polizei noch kein Ergebnis präsentieren, wie Dieter Popp, stellvertretender Leiter der Pressestelle des Polizeireviers Konstanz, auf Nachfrage mitteilt. „Es konnte nach kein Tatverdächtiger ermittelt werden“, sagt Popp. Dies bedeutet, dass die Ermittlungen weiterhin andauern. Wann diese abgeschlossen werden, stehe derzeit noch nicht fest.

In der Nacht vom 16. auf den 17. November ist die Scheffelhalle abgebrannt. Fassungslos kommen am Tag danach (unser Bild) und auch die Tage darauf immer noch viele Bürger und schauen sich das an, was von der altehrwürdigen Halle übrig geblieben ist. Bild: Susanne Gehrmann-Röhm
In der Nacht vom 16. auf den 17. November ist die Scheffelhalle abgebrannt. Fassungslos kommen am Tag danach (unser Bild) und auch die Tage darauf immer noch viele Bürger und schauen sich das an, was von der altehrwürdigen Halle übrig geblieben ist. Bild: Susanne Gehrmann-Röhm | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Bitte nicht alles abreißen

Peter Adrian Gäng, Vorsitzender des Fördervereins Freunde der Scheffelhalle, hat einen konkreten Vorschlag, wie es mit der Brandruine weitergehen soll. Denn seiner Einschätzung nach dürfe nicht alles abgerissen werden. „Das wäre für die Singener Geschichte fatal“, sagt er. Der noch existierende Teil stehe unter Denkmalschutz, betont Gäng. Deshalb dürfe er nicht einfach abgerissen werden.

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Stattdessen hoffe Gäng, dass er in einen Neubau und dessen Planung integriert werde. „Wir würden uns wünschen, dass der noch stehende vordere Giebel mit einbezogen wird“, sagt er. Aber von diesem Wunsch müsse man sich wohl verabschieden, denn in Gespräch mit der Stadtverwaltung sei ihm mitgeteilt worden, dass dies zu gefährlich sei. Der Tenor sei gewesen, dass die Ruine nicht zu retten sei. „Das müssen wir nun so akzeptieren“, so Gäng weiter.

Die Ruine der Scheffelhalle kurz nach der Brandkatastrophe.
Die Ruine der Scheffelhalle kurz nach der Brandkatastrophe. | Bild: Matthias Güntert

Oberbürgermeister Bernd Häusler bestätigt dies: „Selbstverständlich würden wir gerne etwas von der alten Scheffelhalle erhalten und in einen möglichen Neubau hinüberretten. Auf Grund der instabilen Situation des völlig zerstörten Gebäudes ist dies mit großer Wahrscheinlichkeit aber wohl leider nicht möglich.“ Die noch vorhandenen Mauern seien einsturzgefährdet und nur unter Lebensgefahr zu begehen.

Das sagt die Versicherung

Noch in der Warteschleife ist die Stadtverwaltung mit Blick auf die Gespräche mit der Versicherung. Laut Oberbürgermeister Bernd Häusler wisse man die Versicherungssumme noch nicht. Aber die Stadt befinde sich in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen. „Auch dort laufen die Arbeiten des Gutachters auf Hochtouren“, sagt Häusler. Kurz vor Jahreswechsel fand am 22. Dezember die jüngste Begehung mit der Versicherung und dem beauftragten Schadensgutachter statt.

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Ein Problem bleibt aber weiterhin bestehen: Die Brandstelle ist mit Schadstoffen kontaminiert. Deshalb sei ein entsprechendes Entsorgungskonzept erforderlich. „In Absprache mit der Versicherung gehen wir davon aus, dass wir Mitte/Ende Januar das entsprechende Konzept und die behördliche Genehmigung hierfür vorliegen haben“, so Häusler weiter.

Langsame Mühlen für Wiederaufbau:

Der Vorsitzende des Fördervereins, Peter Adrian Gäng, hält an einem Wunsch auch im neuen Jahr fest: den Wiederaufbau der Scheffelhalle – und zwar so schnell als möglich. „Alles, was in der alten Singener Scheffelhalle stattfand, soll dort nach dem Wiederaufbau auch wieder Einzug halten können“, fordert er. Dazu gehören die Fasnachtsveranstaltungen, die Boxnächte, Theateraufführungen und Versammlungen von Vereinen.

Bild: Matthias Güntert

Aber beim Förderverein blickt man bereits ein Stückchen weiter. das Nutzungskonzept, das der neue Arbeitskreis nun aufstellen soll, solle laut Gäng erweitert werden. Dafür blickt Gäng in Richtung Bodensee nach Radolfzell. „Wieso können wir die Idee der dortigen Abendmärkte nicht nach Singen holen?“, fragt Gäng. Bei gutem Wetter rings um die neue Scheffelhalle, bei schlechtem Wetter mit Ständen im Inneren des Neubaus. Mit Blick auf die Beseitigung der Ruine geht Gäng davon aus, dass sich dies noch hinziehen werde. „Die Mühlen mahlen diesbezüglich langsam und wir werden uns gedulden müssen“, so Gäng.