Das Kontrastprogramm hätte für den FDP-Bundestagsabgeordneten Benjamin Strasser nicht größer sein können. Am ersten Tag seiner Sommertour besuchte Strasser, der für den Wahlkreis Ravensburg im Bundestag sitzt und die Wahlkreise Konstanz und Bodenseekreis mit betreut, die Theresienkapelle in Singen. Und zwar direkt nach dem Besuch der Konstanzer Firma Cyberlago, ein Netzwerk aus Digitalexperten am Bodensee und zentrale Anlaufstelle rund um die Digitalisierung.

Eine kleine Runde besichtigte im Rahmen der Sommertour des FDP-Bundestagsabgeordneten Benjamin Strasser (zweiter von rechts) die Theresienkapelle. Im Bild (von links) Margarete Schamberger, Kirsten Brößke, Peter Hänssler, Wilhelm Josef Waibel und Michael Preisler.
Eine kleine Runde besichtigte im Rahmen der Sommertour des FDP-Bundestagsabgeordneten Benjamin Strasser (zweiter von rechts) die Theresienkapelle. Im Bild (von links) Margarete Schamberger, Kirsten Brößke, Peter Hänssler, Wilhelm Josef Waibel und Michael Preisler. | Bild: Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Errichtet von Kriegsgefangenen

Wilhelm Josef Waibel führte Benjamin Strasser und einige Interessierte aus den Reihen der FDP nicht nur durch die Theresienkapelle, sondern auch in den darunter liegenden Bunker. Waibel ist ein ausgewiesener Kenner der Geschichte der Theresienkapelle und hat maßgeblich an der Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeiter in Singen mitgewirkt. „Ich bin beeindruckt und berührt“, sagte Benjamin Strasser, der religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist.

In der Kapelle: Wilhelm Josef Waibel und Benjamin Strasser (links).
In der Kapelle: Wilhelm Josef Waibel und Benjamin Strasser (links). | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Kein Beton für den Bau

Die Kapelle war in den Jahren 1946/1947 von Kriegsgefangenen erbaut worden. Der französische Lagerkommandant Capitaine Jean de Ligny hatte den Bau der Kapelle initiiert, obwohl kein Baumaterial vorhanden war. „Da es keinen Beton gab, wurde die Kapelle quasi auf dem Bunker errichtet“, sagte Waibel. Im Zickzack führt der Bunker unter der Kapelle entlang. „Ich habe bei meinen Recherchen Anwohner befragt, ob sie von dem Bunker wussten? Doch sie verneinten dies“, sagt Wilhelm Waibel. Mehrere Ausstiegstellen gab es damals. Eine davon ist direkt in der Kapelle.

Wilhelm Josef Waibel zeigt dem FDP-Abgeordneten Benjamin Strasser (links) und der FDP-Stadträtin Kirsten Brößke auch den Bunker, der unter der Theresienkapelle ist.
Wilhelm Josef Waibel zeigt dem FDP-Abgeordneten Benjamin Strasser (links) und der FDP-Stadträtin Kirsten Brößke auch den Bunker, der unter der Theresienkapelle ist. | Bild: Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Lampen gerade noch gerettet

In der Kapelle wies Waibel auf einige Besonderheiten hin. So wären die Lampen beinahe auf dem Müll gelandet. Es seien damals, vor rund 20 Jahren, schon Neonleuchten montiert gewesen, doch man habe die alten Lampen gerade noch rechtzeitig retten können. Bereits im Jahr 1957 hatte Wilhelm Josef Waibel in einem Zeitungsbericht im SÜDKURIER darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Mahnmal ein Denkmal werden sollte. Erst im Jahr 2016 wurde die Kapelle eine Gedenkstätte aus heimatgeschichtlichen Gründen. Zurzeit sei er mit anderen auf der Suche nach einem zweiten Bunker, der wohl ungefähr unter dem Parkplatz des einstigen Unternehmens Georg Fischer, heute Fondium, sein müsse.