Fernseher statt Spielplatz und Tablet statt Klettergerüst. Vor allem die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass viele Kinder heutzutage lieber Medien konsumieren, anstatt draußen mit Freunden zu spielen. Doch Experten sind sich einig: Bewegung und eine richtige Ernährung sind für die körperliche und psychische Gesundheit von Kindern wichtig und haben Einfluss auf ihre spätere Entwicklung. Dorothea Wehinger (Grüne), die für den Wahlkreis Singen im Landtag sitzt, hat aus diesem Anlass ein familienpolitisches Fachgespräch für Kita- und Grundschulleitungen veranstaltet. Etwa 25 Teilnehmer waren dabei und sprachen darüber, wie man Kindern und ihren Eltern die Bedeutung von Bewegung und gesunder Ernährung näherbringen kann. Es ging aber auch um Gesundheitsrisiken für Kinder, Armut und die Folgen der Corona-Pandemie.

Fernseher oder Smartphone statt Betreuung

Renate Zimmer, Sport- und Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Osnabrück, ist spezialisiert auf dem Gebiet der Förderung von Bildung und Gesundheit von Kindern durch Bewegung in Kindergärten und Schulen. Sie sagte den Teilnehmern bei dem Online-Treffen, ein bewegter Alltag sei bei Kindern die Voraussetzung für Bildung und Gesundheit.

Doch der steigende Medienkonsum schon im jungen Alter und die Corona-Pandemie seien dabei ein Problem, erklärt Renate Zimmer. Durch die Corona-Maßnahmen seien viele Kinder eingeschränkt gewesen und ihr Medienkonsum sei stärker geworden. Bei vielen Eltern sei es eine Notlösung im Home-Office gewesen, die Kinder einfach vor den Fernseher zu setzen oder ihnen ein Smartphone in die Hand zu drücken, sagt sie. Denn viele seien überfordert gewesen mit der Situation, zuhause zu arbeiten und gleichzeitig auf die Kinder aufzupassen. Das wirke sich negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit einiger Kinder aus, so Zimmer.

Draußen spielen bietet Grenzen und Freiheiten

„Ein Bewegungsmangel in der Kindheit führt häufig zu einem inaktiven Lebensstil im jungen Erwachsenenalter und dieser gehört zu den größten gesundheitlichen Risikofaktoren“, fügt die Erziehungswissenschaftlerin hinzu. Wie können Kindertagesstätten und Pädagogen dazu beitragen, dass sich Kinder mehr bewegen? Draußen spielen, sagt Renate Zimmer.

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„Beim Spielen im Freien vergessen Kinder oft die Zeit. Es bietet Freiheit und setzt Grenzen – man muss sich der Natur anpassen, zum Beispiel wenn es regnet“, so Renate Zimmer. Außerdem werde die Fantasie der Kinder geweckt und es finde ein Kennenlernen der Selbstwirksamkeit statt. Sie betont, dass Kitas und Grundschulen sich diesem Problem nicht allein stellen können. „Man muss die Eltern ins Boot holen, allein können sie es nicht schaffen“, fügt Zimmer hinzu.

Auch gesunde Ernährung ist ein Thema

Die Kreiskoordinatorin des Landesprogramms „BeKi-Bewusste Kinderernährung“, Elisabeth Auer vom Landwirtschaftsamt Stockach, erklärte im Anschluss die Bedeutsamkeit einer gesunden Ernährung für Kinder. Laut ihrem Vortrag sind die ersten Lebensjahre ausschlaggebend für die späteren Essgewohnheiten eines Menschen. Allerdings gebe es Studien darüber, dass Kinder aus ärmeren Familien weniger gesunde Lebensmittel konsumieren, da ihre Eltern nicht die finanziellen Mittel für eine ausgewogene Ernährung haben.

Deshalb sei der Kindergarten ein wichtiger Ort, da man dort die Chance habe, für alle Kinder ausgewogene Mahlzeiten anzubieten. Es gehe dabei laut Elisabeth Auer allerdings nicht nur darum, dass die Kinder satt sind, sondern dass sie Wissen über Essen erlernen. Sie sagt, dass viele Kinder nicht wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Deshalb sei es das Ziel, dass Kinder die Vielfalt von Lebensmitteln kennen und schätzen lernen.

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Eltern spielen eine wichtige Rolle

Elisabeth Auer gibt Anreize, wie Kitas und Grundschulen Kindern eine gesunde Ernährung näherbringen können. Sinnesübungen, bei denen Kinder verschiedenes Essen fühlen, riechen und schmecken sollen, seien ein guter Ansatz. Um die Herkunft der Lebensmittel kennenzulernen, sei ein Besuch auf dem Bauernhof oder auf dem Wochenmarkt ein guter Weg.

Außerdem sei es auch wichtig, die Eltern der Kinder mit einzubeziehen, so Elisabeth Auer. Sie gibt Kitas den Tipp, Aktionstage zu veranstalten, bei denen Eltern mit ihren Kindern zusammen Essen machen. Oder einen Infostand zu den Bring- und Abholzeiten der Kinder aufzustellen, bei dem sich die Eltern genauer über das Thema Ernährung informieren können.

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„Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung, das sind wir ihnen schuldig“, äußert sich Grünen-Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger nach den Vorträgen. Armut spiele eine große Rolle, wenn es um Bildung, Bewegung und Ernährung gehe. Deshalb müsse man schauen, wo die Kinderarmut anfängt und wo man sie verhindern und den Eltern unter die Arme greifen könne – sozusagen eine Hilfe zur Selbsthilfe, so Dorothea Wehinger.