Die Pandemie hat die Volkshochschule Landkreis Konstanz (VHS) im Jahr 2020 hart getroffen. Geschäftsführerin Nikola Ferling malte im Kulturausschuss für das abgelaufene Jahr ein eher düsteres Bild. Vor allem mit Blick auf die Finanzen. Denn um den Jahresfehlbetrag von rund 436.000 Euro auszugleichen, musste die VHS zum größten Teil an das eigene Tafelsilber – nämlich die Rücklagen. „Die VHS hat seit 2013 immer Bilanzgewinne ausgewiesen, deshalb sind wir unbeschadet durch die Krise gekommen“, betonte Ferling. Was dies aber auch bedeutet: Am Ende steht in der Bilanz für 2020 zwar eine Schwarze Null, doch diese steht auf wackeligen Beinen. Denn der Rücklagenbestand der VHS verringerte sich laut Sitzungsvorlage von rund 952.500 Euro zum Jahresbeginn 2020 auf rund 538.900 Euro zum Jahresende.

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VHS-Chefin Nikola Ferling fasste das zurückliegende Jahr 2020 einfach zusammen: Weniger Kurse, weniger Unterrichtsstunden, weniger Einnahmen. Die Kurs- und Veranstaltungszahlen brachen ein. So fanden 2020 rund 2390 Veranstaltungen statt – fast 1100 weniger als 2019. Damit gab es auch weniger Teilnehmer: Etwa 21.170 im Jahr 2020 gegenüber rund 37.670 im Jahr 2019. Mit den fehlenden Veranstaltungen und Teilnehmern kam es auch zu weniger Erträgen. 2020 beliefen sich diese auf etwa 4,1 Millionen Euro, 2019 waren es rund 5,4 Millionen Euro. Bei Aufwendungen in Höhe von mehr als 4,5 Millionen Euro beläuft sich der Jahresfehlbetrag auf rund 436.000 Euro im vergangenen Jahr. 2019 waren es rund 6700 Euro.

Auch 2021 wird ein schweres Jahr

Das Problem: Für die Volkshochschule sehen die Prognosen für das Jahr 2021 nicht viel rosiger aus. Laut Ferling gehe man derzeit davon aus, dass sich der Kursbetrieb und damit auch die Einnahmesituation erst nach der traditionell umsatzschwachen Sommerzeit normalisieren werde. Es sei damit zu rechnen, dass das Geschäftsjahr nicht – wie im Herbst 2020 geplant – ausgeglichen abgeschlossen werde, sondern erneut mit einem Fehlbetrag zu rechnen sei. Auch dieser solle mit Rücklagen ausgeglichen werden. Doch das war es dann erst einmal. „Der Rücklagenbestand der VHS wird sich infolge dieser Entnahmen jedoch deutlich verringern und zum Bilanzstichtag 2021 voraussichtlich nicht einmal mehr den Betrag umfassen, den die VHS benötigt, um einen Monat lang die laufenden Kosten zu decken“, heißt es dazu in den Sitzungsunterlagen. 2020 waren dafür rund 379.000 Euro pro Monat nötig.

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Im Kulturausschuss selbst wurde die Bilanz mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Stadträtin Angelika Berner-Assfalg (CDU) machten die Zahlen maximal nachdenklich. „Wir können eigentlich überhaupt nicht planen“, sagte sie. Zudem gab sie zu bedenken, dass man über die vier Hauptstellen der VHS samt den 28 Außenstellen nachdenken solle. Bürgermeisterin Ute Seifried gab ihr Recht: „Es gibt keine andere Möglichkeit, Geld einzusparen, als die Struktur anzupacken. Darüber werden wir reden müssen.“ Stadträtin Birgit Kloos (SöS) hob die hohe Flexibilität der VHS während der Corona-Krise hervor. Sie sehe in der Krise auch etwas Gutes. „Die Pandemie hat vielleicht mit Blick auf die Digitalisierung einen Schub gebracht“, sagte sie.

Online-Kurse werden ausgebaut

Und in der Tat berichtete Ferling davon, dass dieser Bereich stark ausgebaut wurde. Obwohl es schon früher Online-Kurse gegeben habe, wolle die VHS nun in allen Fachbereichen breit gefächert im digitalen Bereich unterwegs sein – auch über die Corona-Pandemie hinaus. Aber: „Ohne Abstriche bei den Präsenzveranstaltungen zu machen“, versichert Ferling. Man wolle so „einfach ein viel breiteres Angebot machen, als es das ohnehin schon gibt“.