Mehr Unfälle, aber kein Verkehrstoter und die Zahl der Straftaten ist im Fünfjahres-Vergleich rückläufig: Thomas Krebs liebt Zahlen, wie der Leiter des Singener Polizeireviers selbst sagt. Und die Zahlen für 2019 waren Grund zur Freude. Humorvoll schilderte Krebs nun dem Gemeinderat, wie sich die Aufgaben seines Teams im vergangenen Jahr entwickelt haben.

Dabei ist das Team personell unverändert, wie Krebs auf Nachfrage erklärte: Auf dem Papier stünden dem Revier 123 Polizisten zu, tatsächlich sind 98 im Einsatz. Für nächstes Jahr sei aber eine Besserung in Sicht. Den kommunalen Ordnungsdienst, den die Stadt Singen einführen will, sieht Krebs übrigens nicht als Konkurrenz, sondern gute Ergänzung: „Das ist sehr zu begrüßen, weil wir für viele Sachen gar keine Zeit mehr haben.“

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Sexualdelikte beginnen häufig online

3959 Straftaten hat das Polizeirevier Singen für 2019 verzeichnet, davon ging es bei 1400 Fällen (36 Prozent) um Diebstahl oder schweren Diebstahl, in weiteren 18 Prozent der Fälle ging es um Vermögens- oder Fälschungsdelikte wie Betrug. Es wurde in drei Straftaten gegen das Leben, also Versuche von Mord oder Totschlag ermittelt. Das waren allesamt sogenannte Beziehungstaten, erklärte Thomas Krebs. Außerdem wurden 49 Fälle gegen die sexuelle Selbstbestimmung festgestellt, dazu zählen Vergewaltigungen, sowie 530 Rohheitsdelikte wie Körperverletzung.

Bei den Sexualdelikten sei aufgefallen, dass einige online beginnen: Menschen verabreden sich über Dating-Apps in einem Hotel. „Und dann gehen die Vorstellungen auseinander, wie das weitergehen soll“, sagte Thomas Krebs.

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Zu den 18 Prozent sonstiger Fälle zählen 360 Sachbeschädigungen und 159 Beleidigungen.

In Singen passiert mehr als anderswo. Aber nicht mehr so viel wie vor Jahren

Im gesamten Landkreis gab es 2019 auf 100 000 Einwohner gerechnet durchschnittlich 6382 Straftaten, in Singen waren es mit hochgerechnet 8296 deutlich mehr. In Konstanz seien es aber noch mehr gewesen, ordnete Thomas Krebs ein und freute sich, dass Singen sich von einst bis zu 11 000 Fällen deutlich verbessert habe. Auf den Spitzenreiter Singen folgen für den Revierbereich hochgerechnet Engen, Aach, Gottmadingen und Mühlhausen-Ehingen. Am wenigsten Vorfälle gab es in Hilzingen, Steißlingen und Büsingen.

Großteil der Straftaten geschieht in der Innenstadt

Mit Blick auf die Karte gab es 2019 mehr Vorfälle in der Innenstadt (1172, 2018 waren es 1110). Dort gab es laut Thomas Krebs besonders am Bahnhof Zwischenfälle, außerdem kam es häufiger zu Ladendiebstählen oder zu aufgebrochenen Autos am Parkplatz der Deutschen Bahn. Gestiegen ist die Fallzahl in der Oststadt (449 statt 408), gesunken hingegen in der Nordstadt (291 statt 311) und der Südstadt (822 statt 956). „Im Süden haben wir den stärksten Rückgang“, sagte Krebs. Besonders an Orten mit vielen Besuchern häufen sich die Fälle: Im Media-Markt war die Polizei beispielsweise 33 Mal gefordert, im Bauhaus 56 Mal und im Top10 sogar 91 Mal.

In den Ortsteilen ist die Fallzahl der Straftaten meist deutlich geringer: Spitzenreiter unter den Teilorten ist Überlingen am Ried mit 66 Fällen, am wenigsten waren es in Schlatt unter Krähen mit neun Straftaten.

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Die meisten Tatverdächtigen stammen aus Singen

Ermittelt wurde 2019 gegen 2088 Menschen, davon waren 1532 erwachsen und 481 heranwachsend oder jugendlich. „Die Kriminalität ist männlich dominiert“, erklärte der Revierleiter, denn nur 25 Prozent der Fälle wurde von Frauen begangen. Die Tatverdächtigen gehörten insgesamt 69 Nationalitäten an, 49 Prozent der Verdächtigen wohnten in Singen und 30 Prozent im Landkreis Konstanz.

Erstmals sei einigen Jahren kein Verkehrstoter mehr

Die Zahl der Unfälle ist zwar von 719 auf 798 gestiegen, doch bei den meisten Unfällen (552) wurde niemand verletzt. Bei 246 Unfällen mit sogenanntem Personenschaden wurden 248 Menschen leicht- und 38 Menschen schwer verletzt, das war auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Doch 2019 ist nach einiger Zeit das erste Jahr ohne Verkehrstote – 2015 waren es drei, 2016 zwei, 2017 zwei, 2018 einer. Singen ist mit der Unfallzahl im Revierbereich der Spitzenreiter, selbst wenn es im Verhältnis gerechnet wird. Nach Singen kommen hochgerechnet Gailingen, Gottmadingen, Engen und Steißlingen.

Rechts vor links? Mögen manche Autofahrer in Singen nicht so

Die Unfallorte verteilen sich laut Thomas Krebs wenig überraschend besonders an den Durchgangsstraßen mit viel Verkehr. Zur Unfallstatistik trage auch Parksuchverkehr in der Innenstadt oder etwa an der Rielasinger Straße bei. Auffällig seien drei Unfälle in der Grubwaldstraße, der Polizeirevierleiter sprach von einem Unfallschwerpunkt: „Scheinbar kommen die Singener mit rechts vor links nicht so gut zurande.“

Nicht jeder Fall wird aufgeklärt. Aber mehr als im Landesschnitt

Die Aufklärungsquote ist beim Polizeirevier Singen etwas gesunken, wie Thomas Krebs erläuterte, aber weiter besser als im gesamten Land: In Baden-Württemberg würden 60 Prozent der Fälle aufgeklärt, im Landkreis waren es 2019 64 Prozent und in Singen 63,8 Prozent.