Martin Grath ist Bäckermeister, Landtagspolitiker und handwerkspolitischer Sprecher der Grünen. Auf Einladung von Parteikollegin Dorothea Wehinger, Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Singen, war Grath zu Gast in Singen. Mit erfahrenen Handwerkern aus der Singener Handwerkerrunde und Vertretern der Innungen kamen die zwei Politiker in ein offenes Gespräch.

Dabei gaben sie die Zusage, die Sorgen und Nöte der Handwerker mit nach Stuttgart in den Landtag zu nehmen. Martin Grath berichtete, was die Landespolitik unternimmt, um den gegenwärtigen Herausforderungen im Handwerk gerecht zu werden. Gemeinsam fragten die zwei Grünen-Politiker direkt bei den Handwerkern und Meistern nach, wo sich diese Unterstützung von der Politik wünschen.

Was die aktuellen Probleme sind

Am Ende der Veranstaltung gab es eine lockere Diskussionsrunde. Die anwesenden Handwerker berichteten aus ihrem Arbeitsalltag und den dort vorherrschenden Problemen.

Handwerker, Innungsvertreter, Mitarbeiter der Handwerkskammer Konstanz und Grünen-Politiker beim Gespräch über die Herausforderungen des ...
Handwerker, Innungsvertreter, Mitarbeiter der Handwerkskammer Konstanz und Grünen-Politiker beim Gespräch über die Herausforderungen des Handwerks. Bild: Sandra Bossenmaier

Dabei ging es unter anderem um das teils niedrige Bildungsniveau von Schulabgängern. Thematisiert wurde aber auch die zu steigernde Attraktivität von Handwerksberufen und den, Wert, den die Gesellschaft derlei Berufen beimisst. Zudem ging es um die Strukturen in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben.

Ausbildung als ein Knackpunkt

Kreishandwerksmeister Hansjörg Blender bat um mehr Kontinuität in der Bildungspolitik und um mehr Unterstützung für berufliche Schulen seitens der Politik sowie eine verpflichtende Gesellenzeit.

Er forderte: „Gleichwertigkeit schulischer und beruflicher Bildung“. Raimund Kegel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz, fasste in seiner Begrüßung zusammen, dass man das Ziel verfolge, weiterzukommen und das geschehe über kontroverse Diskussionen.

Wie das Handwerk für junge Menschen attraktiv werden kann

Dorothea Wehinger erklärte, es sei ihr wichtig, mit den Leuten und nicht über sie zu reden. Und sie bestätigte, dass das Handwerk ein wichtiger Berufszweig ist. Der Fachkräftemangel schlage hier wie in vielen anderen Bereichen zu. Die Folgen des demographischen Wandels, der Alterung der Gesellschaft, seien spürbar.

Man müsse der Frage nachgehen, wie sich mehr junge Menschen für das Handwerk begeistern ließen. „Das kann nicht alleine die Politik“, so Dorothea Wehinger und ergänzte, das könne man nur gemeinsam stemmen.

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Auch Nachhaltigkeit sei schon immer ein wichtiges Thema bei den Grünen gewesen. Aufgrund des Krieges in der Ukraine sei dieses Thema noch viel mehr in den Fokus gerückt und der Mangel an Rohstoffen ziehe sich durch alle Gewerke durch, so die Grünen-Politikerin.

Was der Koalitionsvortrag vorsieht

Martin Grath, der ein Hemd mit Blumenmuster und grüne Socken trug, erläuterte in einem engagierten Vortrag Punkte aus dem Koalitionsvertrag, welche das Handwerk betreffen. Man wolle in der Politik dem Fachkräftemangel entgegenwirken, die Digitalisierung voranbringen, die Bürokratie abbauen, um dort unnötige Lasten abzunehmen, und Rohstoffe sichern.

Martin Grath MdL von den Grünen bei einem engagierten Vortrag in Singen. Bild: Sandra Bossenmaier
Martin Grath MdL von den Grünen bei einem engagierten Vortrag in Singen. Bild: Sandra Bossenmaier

Weiter sei der Politik das Thema Aus- und Weiterbildung sehr wichtig. An der Bildungsakademie in Singen sehe man: Das Handwerk könne sich sehen lassen. Mit solchen Ausbildungsstätten könne man junge Leute animieren, ins Handwerk zu gehen.

„Ohne uns geht gar nichts“

„Ohne das Handwerk wird Wohnbau, Holzbau, Solarpflicht, Nahversorgung und das nachhaltige Reparieren von Gütern nicht stattfinden“, machte der Grünen-Politiker deutlich. Das müsse man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Er forderte die Handwerker zu mehr Selbstbewusstsein auf, denn nur mit ihnen seien nämlich diese Dinge zu erreichen.

Er fasste zusammen: „Ohne uns geht gar nichts.“ Bereits 1983 hatte Grath eine Biobäckerei betrieben. Damals habe man noch Sandalen tragen müssen, sonst sei es keine echte Biobäckerei gewesen, erzählte er während des handwerkspolitischen Gespräches.

Er selbst sagte von sich, den Wochenmarkt als zweites Wahlkreisbüro zu nutzen, um mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Und jeden zweiten Sonntag arbeite er in seiner ehemaligen Bäckerei, weil ihn die Tätigkeit dort einfach erfülle.