Herr Marks, Sie haben 2015 Ihr Abitur in Singen gemacht. Wie ist Ihr Weg danach weiter gegangen?

Nach dem Abitur bin ich viel gereist, habe ein Fotobuch über Marrakesch zu Ende gestellt und mich auf ein Studium in England beworben und vorbereitet. Berlin war meine gefühlte Heimat in dieser Zeit vor meinem Studium. Dort Erfahrungen zu sammeln, hat mir sehr geholfen. Nach dem Abi wusste ich nur, dass ich Musik machen will und mit Musik arbeiten möchte – wie genau, das wusste ich nicht.

Mittlerweile hat es Sie nach London verschlagen. Wie sind Sie dort tätig?

Ich habe dort drei Jahre lang studiert, mein Studium abgeschlossen und viel Musik gemacht. Nebenbei betreute und managte ich Künstler auf Tour und im Studio. Mein Alltag bestand vor Corona zur Hälfte aus Musik und zur anderen Hälfte aus Management und Tour-Arbeit. Seit diesem Jahr arbeite ich für ein großes Videoportal verstärkt im Bereich Playlists, Veröffentlichungen und Neuentdeckungen.?

Wie sieht es darüber hinaus mit eigenen künstlerischen Aktivitäten aus?

Ich bin von Musik umgeben. Auch nach dem Arbeiten schreibe ich meistens noch nachts Melodien oder baue Beats. Ich arbeite mit einigen Produzenten und Freunden regelmäßig an neuen Musikstücken und anderen Auftritten. Letztes Jahr habe ich mit meinem Projekt Les Flair einige Konzerte in England und Deutschland gespielt. Trotz Corona-Verzögerung hoffen wir bald mehr Songs veröffentlichen zu können und wieder einfacher miteinander Musik zu machen. Fotografie ist leider im Moment nicht wirklich möglich, aber sobald die Konzerte wieder losgehen, bin ich hoffentlich wieder am Start.

Und wieso haben Sie sich gerade für die britische Hauptstadt entschieden?

Ich habe immer viel mit Bands gearbeitet die aus England kamen und in London Zuhause waren. Mein Traum war es, Musik zu machen und meinen eigenen Platz in der Musikindustrie zu spielen. London hatte mir immer gut gefallen. Die Nähe zu meinen Klienten und London als Musikstadt war perfekt für mich.

Wie schwer war es in einer solchen Großstadt Fuß zu fassen?

Ich bin sehr kommunikativ und viel unterwegs, deshalb war es kein Problem für mich Anschluss zu finden. Sich in London zu etablieren, kann sehr schwierig sein, gerade wenn man in der kreativen Branche arbeitet. Doch je mehr Leute man trifft, desto mehr Möglichkeiten offenbaren sich. Das Studium hat mir definitiv geholfen, mein Englisch auf ein professionelles Level zu bringen. Mein Deutsch leidet dafür. Trotzdem glaube ich, jeder kann hier Anschluss finden. An meinem ersten Wochenende in London bin ich einem befreundeten Musiker über den Weg gelaufen. 48 Stunden später stand ich auf der Bühne vor 15.000 Menschen auf dem Isle-Of-Wright-Festival. London ist brutal – aber manchmal scheinen die Möglichkeiten hier wirklich unbegrenzt.

Das scheint, als ob Sie dort bereits schon einiges erlebt haben. Was waren Höhepunkte davon?

Ich glaube, berufliche Höhepunkte waren, die irische Band U2 zu fotografieren, zu den Brit-Awards zu gehen und jeden Tag von Musik umringt zu sein. Höhepunkte in der kreativen Branche sind für mich aber auch viele soziale Interaktionen. Die Freunde, die ich habe, sind das Resultat meines kreativen Schaffens und das ist das wichtigste für mich – gerade in einer Stadt wie London. Sie können für mich nie durch berufliche Glanzpunkte ersetzt werden.

England war sehr stark betroffen von der Pandemie. Wie hat Corona das Leben in London verändert und inwiefern betrifft Sie das?

London ist eine andere Stadt geworden. Ich glaube das Coronavirus hat alle Städte getroffen und verändert. Die wahren Veränderungen kann man erst, wenn alles vorbei ist, wirklich begreifen. Für die Musikindustrie ist es sehr schwer. Viele der Veranstaltungsorte, die Jahrzehnte lang die Musikindustrie hier geprägt haben, werden verschwinden. Viele wichtige Orte für Musik und Kultur werden wir nie wieder offen sehen. Corona hat meine Einstellung zum Leben definitiv verändert und ich glaube, die letzten Monate haben uns allen gezeigt, was wirklich wichtig ist. Viele meiner Freunde leiden darunter, nicht zu wissen, wie es weitergeht.

Wie vielerorts war auch England im Frühjahr im Lockdown, aktuell ist es erneut so weit. Wie konnten Sie diese Zeit nutzen?

Im Lockdown habe ich verschiedene Projekte fertiggestellt, mich weitergebildet und Musik gemacht. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ich Freunde habe, die es mir ermöglicht haben, während dieser Zeit das Gute zu sehen und von den negativen Dingen nicht überwältigt zu werden.

Neben der Pandemie erfolgte Anfang 2020 auch der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. In welcher Weise sind Sie von den Brexit-Entwicklungen betroffen?

Das Lustige ist, dass meine gesamte Verwandtschaft mich seit ich hier wohne, immer wieder das Gleiche fragt. Keiner weiß so wirklich wie es weitergeht und was passiert – Politik halt.

Wann waren Sie das letzte Mal in Ihrer deutschen Heimat?

Heimat ist für mich ein komisches Wort, da ich mich nirgends mehr zuhause fühle als in London. Ich versuche einmal im Jahr, alle Verwandten zu besuchen und bin ab und an in Berlin, aber mehr sehe ich nicht von meiner alten Heimat. Ich glaube umzuziehen, war für mich immer einfacher, weil ich mich überall schnell zuhause fühlen kann.

Und was ist für die Zukunft geplant?

Ich teile nur ungern meine Pläne für die Zukunft, da viele Menschen es meist abgehoben finden zu große Pläne zu haben. Eine Sache liegt mir wirklich am Herzen – junge Menschen dazu zu motivieren ihre verrücktesten Ideen auszuleben. Ich bin nur die Person, die ich heute bin, aufgrund der großartigen Menschen, denen ich begegnet bin. Ich wünsche mir manchmal, dass ich diese prägenden Momente mit anderen jungen Menschen teilen könnte. Ich arbeite an einem neuen Projekt, welches genau diesen Gedanken verfolgt. Jungen Menschen eine realistische Perspektive auf die kreative Welt zu geben. Ihnen zu zeigen, was möglich ist, wenn man etwas wagt und die richtigen Personen trifft.

Fragen: Saskia Biehler